Die beiden Capitäne unterhielten sich jetzt noch eine Zeitlang über die Torresstraße, wie einige andere Geschäftssachen, und Capitän Oilytt nahm endlich Abschied und stieg wieder in sein Boot hinunter, das ihn rasch nach dem Circular Werft hinüberruderte.
»Da fährt auch Einer,« sagte ein Matrose oben in den Marswanten, wo er die Pardunen theerte, zu seinem Cameraden, der mit dem Fetttopf zwischen den Zähnen eben von oben niederglitt und dicht neben ihm Posto faßte – »da fährt auch Einer, wo ich ebenso gern in der Hölle wäre, als daß ich sein Biscuit kaute.«
»Das ist der Capitän vom Boreas«, sagte der andere, »nicht wahr? der Kerl sieht auch gleich so aus, als ob er einen Monat in heißem Pfeffer gelegen und nachher mit Essig abgerieben wäre. Es ist zum Tod zu verwundern, daß ihm noch keiner von den Leuten weggelaufen ist.«
»Lauf du jetzt einmal weg, wenn du Lust hast«, lachte der erste, »sie werden wohl nicht können.«
»Nicht können? dicht am Land liegt das Schiff, und keine Seele von Polizeidiener an Bord. Da wollte ich einmal den Steuermann oder Bootsmann oder selbst Polizeidiener sehen, der mich hindern sollte nicht allein mich selbst, sondern auch meinen Kleidersack fortzuschaffen. Ne, die Burschen müssen etwas anderes auf der Wippe haben, oder sie wären nicht so lange geblieben. Vielleicht warten sie auch nur bis zum letzten Augenblick. – Die Geschichte ist aber faul wenn sie sich da nicht vorsehen, kann's ihnen am Ende gerade so gehen wie uns. Hätt' ich mich damals nicht von dir abreden lassen, so säß ich jetzt vielleicht ganz bequem oben in den Minen, und fände Stücke Gold wie mein Kopf groß. Das Matrosenleben soll doch der Teufel holen, sobald er nur im mindesten Lust dazu spürt.«
»Ja und das Minenleben soll noch viel ärger sein«, meinte der andere – »d. h. man ist freilich sein eigener Herr dort, das ist richtig – mit dem Verdienst ist's aber auch dafür desto unsicherer, denn an die großen Klumpen glaub' ich nun einmal nicht.«
Der eine glitt mit seinem Fetttopf weiter nach unten, und das Gespräch war abgebrochen.
Zweites Capitel.
Der Markt in Sydney.
Ein Sonnabend Abend in Sydney ist das lebendigste, was die sonst gewiß nicht todte Stadt nur irgend aufzuweisen hat. Alles scheint auf den Beinen zu sein, und wen nicht besondere Geschäfte hinaustreiben, den läßt die Neugierde schon nicht zu Hause, und er muß wenigstens einmal »durch den Markt gehen.«
Der englische Sonntag trägt hiervon allein die Schuld. Da er sehr streng gehalten wird, kann man an diesem Tag natürlich gar Nichts zu kaufen bekommen. In vielen, sehr orthodoxen Haushaltungen, wird sogar schon am Sonnabend Alles für den Sonntag gekocht, gebraten und vorbereitet, damit der Sabbath durch nichts Alltägliches entweiht werde. Der äußerste Termin aber, für Fromme und Nichtfromme, was man braucht noch zu bekommen, ist der Sonnabend Abend, und Fleischer, Gärtner, Obst- und Blumenhändler, überhaupt Alle, die nur irgend etwas Wirthschaftähnliches zu verkaufen haben, drängen sich an diesem Abend herzu, es auszulegen.