Jeder wetteifert dabei mit dem Andern, seinen Stand so einladend als möglich herzurichten, und ganz besonders schmücken die Fleischer ihre Buden mit fetten Hammeln und feisten Ochsen. Große Brode von ausgelassenem Talg bilden die Säulen, und hie und da bringt ein ausgeschlachtetes und bei den langen Hinterläufen aufgehangenes Känguruh oder Wallobi, Abwechselung in die sonst etwas monotonen Fleischspeisen.

Der Markt von Sydney besteht aus vier langen, hohen, luftigen und höchst praktisch eingerichteten Gebäuden, die übrigens noch auf eine bedeutende Vergrößerung der Stadt berechnet waren, denn sie wurden damals nur zur Hälfte benutzt. Eines stand wenigstens ganz leer, und ein zweites hatte einen sehr geringen Theil seiner Stände erst in Gebrauch.

Das eine von diesen ist ausschließlich für rein animalische Erzeugnisse bestimmt, und hier fallen neben den Schlächtern am meisten die reinlichen Butter- und Käsestände ins Auge; mit ihren aufgehäuften Massen von Hühner- und Enteneiern, mit ihren Schmalz- und Butterkufen, und den gelb glänzenden, hell durchschnittenen Käsen, die den Vorübergehenden aus ihren tausend Argusaugen verlangend nachschauen.

Neben diesem befinden sich ebenfalls die Stände mit Geflügel, mit diesem aber gehts den Bewohnern von Sydney wie mit dem Fleisch, sie haben keine Abwechselung darin, weil ihnen das wilde Geflügel, wilde Enten ausgenommen, fehlt, und immer und ewig sind Hühner, Tauben oder Truthühner das einzige was ihrem Gaumen geboten wird. Im Land drin gibt es allerdings hie und da viel kleine Rebhühner, Wachteln und einige andere Arten; wer die schießt, ißt sie aber auch gewöhnlich selber, und sie kommen nicht auf den Markt.

Aus diesen Tausenden, der menschlichen Gier gemordeten Leben, tritt man jedoch in ein viel freundlicheres Bild ein, sobald man den schmalen Gang überschreitet und in das andere, rein vegetabilischen Erzeugnissen bestimmte Gebäude kommt. Die vorragendste Stellung nehmen hier unstreitig die in wahren Unmassen aufgestapelten und geschütteten Orangen oder Apfelsinen ein. Die australische Orange ist dabei vorzüglich, und im Verhältniß auch billig genug, und wird viel consumirt. Ueber diesen hängen Ananas von Moreton-Bay, und aufgeschichtete Wände von Blumenkohl und anderen Gemüsen bilden den Hintergrund. Es war jetzt gerade nicht die eigentliche Fruchtzeit, sonst hätten auch noch Pfirsiche und Feigen einen nicht unbedeutenden Platz hier angefüllt.

Am schwächsten war der Blumenmarkt vertreten – die Australier haben wenig Sinn für Blumen – auf dem ganzen Markt wäre kein schöner geschmackvoller Strauß aufzufinden gewesen.

Blumen sind aber auch das, wonach die Menschen am wenigsten verlangten. – Etwas Compactes wollten sie haben, Roastbeef und Blumenkohl oder Weißkraut – Hammelskeulen und Zwiebeln – was halfen ihnen die Blumen, die waren ja doch nur zum Ansehen.

Durch dieses »Vegetabilische Marktgebäude«, wenn ich es so nennen darf, schlenderten langsam, und mit der Miene von Leuten, die nichts auf der Gotteswelt, am wenigsten aber Zeit zu verlieren haben, vier Matrosen – der erste Blick auf ihre weit zurückgesetzten Hüte und blauen Jacken ließ sie als solche erkennen – und sahen sich ziemlich gleichgültig die rechts und links aufgestapelten Fruchtmassen, und zu ihrer Schande muß ich's gestehen, ebenso gleichgültig auch die manchmal wirklich lieben und freundlichen Gesichtchen an, die geschäftig zwischen den einzelnen Ständen hin- und herglitten, und ihre Einkäufe für den morgenden Tag besorgten. Sie waren eben hierhergekommen, weil sie alle anderen Menschen hatten hierher gehen sehen, und ihr Spaziergang schien eher den Grund zu haben, ihre Beine wieder einmal »gegen Straßenpflaster zu reiben« als irgend etwas anderes.

»Du, Jack«, sagte da endlich der eine von ihnen zu dem vorangehenden, »braß einmal hier einen Augenblick back und leg ein halb Dutzend von den Apfelsinen ein.«

»Hast du Geld?« wandte sich der also Angesprochene langsam nach ihm um – »mir hat der Alte heute Abend keinen Penny geben wollen. – Er sagte, er hätte es heute ganz vergessen Geld mitzubringen, wir sollten aber morgen früh jeder ein Pfund haben, und dann möchten wir noch einen Sonntag Abend, wenn wir wollten, an Land gehen – den Dienstag Morgen legte er in die Bay hinaus. Er war verdammt gesprächig.«