Unter fast gar keinen Segeln und gegen eine ziemlich schwere See an, machte das Schiff nur sehr geringen Fortgang. Trotzdem sie aber vom Lande, ihrem Cours nach, abgingen, schickte der zweite Mate, der bis zwölf Uhr Wacht hatte, mehrmals Leute nach oben, um zu sehen ob sich nach Westen zu nicht doch irgend etwas erkennen ließ. Der Himmel war jedoch zu bewölkt und die Luft zu dunkel. Ohne daß etwas besonderes vorgefallen wäre kam 12 Uhr heran.
Timor schüttelte jetzt seinen Herrn und that im Anfang wirklich was er thun konnte, ihn nur munter zu bekommen. Dann sprang derselbe aber auch mit beiden Füßen zugleich empor, rieb sich die Augen und sah nach dem über ihm hängenden Compaß. Fünf Minuten blieb er noch etwa, wie in tiefe Gedanken versunken, auf dem Sopha sitzen – er besann sich wahrscheinlich, was in den letzten Stunden mit ihm vorgegangen, und erst jetzt, mit einem plötzlichen »Ja so« – stand er auf, sah nach der Kanne, die er jedoch leer fand, und stieg, darüber auch eben nicht ganz zufrieden, an Deck hinauf.
Der Wind wehte noch aus demselben Quartier, ja hatte sich eher noch mehr nach Osten gedreht; die See ging hoch und hohl, und es war eine häßliche Nacht. – Der erste Mate kam eben an Deck und zog sich, schon oben, seinen dicken Rock an, den er fest unter dem Halse zuknöpfte.
»Guten Morgen, Capitän,« sagte er, als er an diesem vorüberging – »noch immer um nichts besser – da hinten sieht's noch häßlich aus.«
»Guten Morgen, Mr. Black – nun ich denke mit Sonnenaufgang sollen wir wieder klar Wetter bekommen, die Luft sieht da drüben schon lichter aus. Sind die Leute an Deck? – he Bill,« wandte er sich zu dem Mann, der eben vom Ruder abgelöst war – »geht noch nicht zu Koje, wir wollen wenden.«
Das Manöver, das auf vollkommen bemannten Schiffen nicht viele Minuten dauern darf, erforderte mit der schwachen Mannschaft, bis alles wieder in der gehörigen Ordnung war, fast eine halbe Stunde, und der Boreas nahm, gegen die schwere See an, eine Masse Wasser über Bord. Wie der Wind stand, konnte er dabei nur eben einen Nordcours liegen, und hatte jedenfalls nach Westen hin, ohne die dort hinüber setzende Strömung, anderthalb Strich Abdrift. –
»Capitän Oilytt,« sagte der Mate, als die letzten Brassen angeholt waren und das Schiff wieder, mit etwa drei Meilen Fahrt, langsam gegen die Wogen ankämpfte. – »Ich glaube wahrhaftig nicht daß wir bis vier Uhr über diesen Bug liegen dürfen. Unserer Berechnung nach sind wir allerdings noch über einen Grad von der Küste ab, wir haben aber in zwei vollen Tagen keine ordentliche Observation gehabt, und – es ist eine verdammt gefährliche Küste.«
»Kommen Sie mit hinunter, wir wollen einmal auf der Karte ablegen,« sagte Capitän Oilytt, und stieg voran die Treppe hinunter.
Ihrer Berechnung nach waren sie allerdings noch weit genug von den Klippen ab, und mit dem geringen Fortgang den das Schiff machte, ließ sich eben nichts besonderes für die wenigen Stunden fürchten. Der Mate schüttelte aber doch mit dem Kopf und meinte, »sicher sei jedenfalls sicher.«
»Gut, dann wecken Sie mich um zwei Uhr,« brummte der Capitän mürrisch und legte sich wieder auf's Sopha, dort die anderthalb Stunden zu verbringen.