»Ja, sein englisch Sprechen ist mir auch gestern Abend aufgefallen,« sagte der Mate, nachdenkend – »was sollte er aber für eine Ursache haben, seine Sprache zu verstellen?«
»Und den ganzen Leib hat der Schuft voller Narben,« fuhr der Capitän, ein anderes Glas leerend, fort, »ich möchte nur wissen wo er die gekriegt hat – im ehrlichen Kriege wahrhaftig nicht, denn so alt ist er gar nicht irgend einen Krieg mitgemacht zu haben – verdammte Bestie. – Und dabei ist mir's immer als ob ich seine grauen Katzenaugen schon irgendwo einmal früher gesehen hätte.«
»Er müßte denn mit in Indien gewesen sein,« meinte der Mate.
»Indien – pah« – sagte Oilytt – »die Tättowirungen hat er auch nicht aus Indien, die sind aus der Südsee. – Wo sich der Schuft nur mag alles herumgetrieben haben.«
Er schenkte sich ein frisches Glas ein und rührte dieses wüthend zusammen, während der Mate, der das nicht länger mit ansehen mochte, die Cajüte verließ. Dem Capitän gingen aber indessen allerlei Dinge durch den Kopf – die Narben des Gefangenen gefielen ihm nicht. – Der Mann hatte schon mehr erlebt als er wieder erzählen mochte, und war allerdings im Stande seine Drohung auszuführen.
»Hol ihn der Teufel,« brummte er endlich vor sich hin – »er soll nicht sagen können daß er Bill Oilytt erst geschlagen und nachher in's Bockshorn gejagt hat. – Morgen früh, wenn wir gesund bleiben, soll er seine fünfzig – Narben oder keine Narben – richtig aufgezählt kriegen. – Wart Canaille, ich will dir das Fell noch einmal übertättowiren und nachher kann er sehen wie er sein Wort hält, wenn er unten in Eisen krumm liegt. – Verdammte meuterische Hundeseele.« Mit diesen Worten zog er auch das andere Bein auf's Sopha herauf, um sich zum Schlafen zurecht zu legen. – Das Rückenkissen unter den Kopf schiebend, rief er dann, erst in seiner gewöhnlichen Stimme, zum zweiten Mal jedoch laut und ärgerlich nach dem Steward – er hatte ganz vergessen daß der im Bett lag. An dessen Statt erschien aber Timor, der Malayische Knabe in der Thür, und frug was der Capitän befehle.
»Wo ist der Steward, der Lump?« schrie ihn dieser an – »schon zu Bett? – ach ja so, hat eine dicke Seite – Pest noch einmal, daß ich ihm nicht einen dicken Buckel dazu gebe – Timor – Timor!«
»Ich bin hier, Sir,« sagte der Junge, und trat dicht zum Sopha hinan.
»Timor – um zwölf Uhr weckst Du mich – verstanden?«
»Ja Sir,« – der Junge blieb noch eine ganze Weile auf seinem Platz, fernere Befehle seines Herrn, mit dem er wohl wußte daß sich in diesem Zustand nicht spaßen ließ, abzuwarten. Der Capitän war aber schon fest eingeschlafen und Timor drückte sich in seinen Verschlag zurück, – wenn es ihm der Mate verstattete – ein Gleiches zu thun.