»Ich dank Euch für Euren freundlichen Wunsch, Mate,« sagte der Gefangene düster und warf sich auf seine Matratze, die ihm Jean heute, allerdings gegen des Capitäns Befehl, zu verschaffen gewußt hatte. Der Mate hatte auch nicht lange Zeit, denn von oben nieder tönte schon das Schreien und Heulen der Matrosen, die an den Schoten und Brassen rissen, das Schiff auf den anderen Bug zu legen, und er sprang rasch die Leiter wieder hinauf.
Elftes Capitel.
Der Sturm.
Als an Deck alles klar war, die nicht durchaus nöthigsten Segel geborgen, die Raaen scharf angebraßt standen, lief das Schiff wieder nach Süden zurück. Südost lag freilich auf dem Compaß an, aber ein paar Striche trieb es doch noch immer weiter nach Süden hinüber, so daß es vielleicht einen SSO-Cours steuerte. Unter der Zeit war es aber auch vollkommen dunkel geworden, und der Capitän saß in der Cajüte und trank, theils aus Aerger über das schlechte Wetter, theils über die vereitelte Execution an dem Deutschen, von dessen schwerer Faust ihm das Zeichen noch immer auf der Stirn brannte, ein Glas Grog über das andere. Der erste Mate, der die Wache auf Deck hatte, ging ab und zu, bald in die Cajüte hinunter, das Nöthige mit dem Capitän über die Fahrt zu besprechen, bald einmal wieder an Deck schauend, wie es mit dem Wetter stehe.
Die Karte der Torresstraße lag mit Cirkeln und Parallel-Lineal auf dem Tisch der Cajüte, und es schien ihm nichts weniger als angenehm, daß sich der Capitän heute gerade um seinen Verstand trank.
»Um zwölf wollen wir wieder über den anderen Bug gehen,« sagte endlich Capitän Oilytt, der in der einen Sophaecke lehnte, und das rechte Bein zu sich heraufgezogen hatte. – »Damn it, wir dürfen nicht so weit von der Straße ablaufen, wir haben sonst morgen Abend wieder dieselbe Geschichte.«
»Um zwölf möchte wohl ein wenig früh sein, Capitän,« meinte der Steuermann – »ich war noch vor Dunkelwerden oben im Mast, und wenn ich's auch nicht gerade bestimmt behaupten will, so war mir's doch als ob ich im Westen Land gesehen hätte. – Die Strömung setzt uns hier sehr stark nach den Riffen hinein, und es wäre eine fatale Geschichte, wenn wir im Dunkeln drauf liefen.«
»Unsinn,« brummte der Capitän und füllte sich auf's neue sein Glas – »wenn's Tag wird, werden wir gerade in der rechten Entfernung sein, bis Mittag die Einfahrt machen zu können, und dann soll auch der Bursche, der Hans, seine Ladung haben – der Schuft der.«
»Capitän Oilytt,« sagte der Mate ruhig – »ich würde die Sache sein lassen, bis wir durch die Torresstraße sind. – Es ist nicht gut jetzt böses Blut unter der Mannschaft machen. Nachher, wenn Ihr Euch nicht anders besonnen habt, könnt Ihr ja immer noch thun was Ihr wollt. – Er läuft uns in der Zeit wahrhaftig nicht weg, und da unten in Eisen liegen ist auch eben kein Spaß.«
»Papperlapapp!« rief der Capitän ärgerlich auffahrend – »glaubt Ihr ich soll vor meiner Mannschaft mit zerschlagenem Gesichte herumlaufen, und den Schuft nicht gezüchtigt haben, der es gewagt hat Hand an mich zu legen? Pest und Gift – und hinter dem Burschen steckt auch noch mehr. – Ich habe ihn im vorigen Jahr zuerst von Sydney mit fortgenommen, und er sprach fast kein Wort englisch, und gestern Abend, Gott verdamme mich, ging's ihm vom Maule als ob er in seinem ganzen Leben keine andere Sprache gesprochen. Hier an Bord kann er das in der kurzen Zeit nicht so gelernt haben, also hat er sich vorher verstellt und da sitzt ein Haken dahinter. Es sollte mich nicht so viel wundern, wenn er irgend ein durchgekniffener Verbrecher von Neusüdwales oder Vandiemensland wäre. – Ich wollte, ich hätte früher eine Ahnung davon gehabt.«