»Er hat wahrhaftig recht,« rief der Mate – »wir sitzen mitten drinn.«
»All hands on deck« donnerte der Capitän jetzt, ohne etwas darauf zu erwiedern, über Deck hin – »schnell Jungen, schnell, treibt mir die Schläfer aus den Kojen. – Nach oben ihr Leute, und schüttelt mir die Reefen aus den Marssegeln. – Rasch, munter, Jungens – zwei nach vorn und zwei für die Besahn – jetzt fehlt uns das große Marssegel. Den großen Klüver los, Einer von Euch, und nun Marsraaen in die Höhe, was das Zeug halten will.«
Die Leute waren aus dem Logis halb bekleidet herausgesprungen und flogen an die Taue. Die Vormarsraae ging rasch, diesmal ohne Singen und nur unter dem schnellen Tactheulen eines Einzelnen, nach oben, und das gewaltige Segel faßte bald voll und kräftig den Wind. »Vor-Bramsegel los!« – tönte der nächste Ruf, und ob sich gleich die Stenge vor der ungeheuren Last die gegen sie preßte, ordentlich bog, als die Schoten nach dem Nocken flogen und der Wind plötzlich hineinschlug, sie brachen wenigstens nicht. Das große Besahn war ebenfalls gesetzt, und das Schiff bewegte sich etwas schneller durchs Wasser.
»Ist das neue Marssegel zur Hand, Mr. Black?« frug der Capitän jetzt diesen, der neben ihm stand und die Besahnschot befestigen half.
»Alles in Ordnung, Sir – liegt gerade hier unter der Luke. Ich wollte es überhaupt schon heute früh anschlagen und das alte Segel ausbessern lassen.«
»Ich wollte Sie hätten's gestern gethan,« erwiederte der Capitän – »allons, hinauf damit – wir müssen sehen, daß wir es fest kriegen. – Wenn wir nicht Segel setzen können, jagen wir unrettbar auf die Riffe hinauf.«
Es ist eine schlimme Arbeit, an Bord eines Schiffes, in solchem Wetter und solcher See ein Segel anzuschlagen, das schon durch sein ungeheures Gewicht ein stetes Hinderniß bietet. In offener See wäre es auch sicher unterblieben. Hier aber lag ihre einzige Rettung darin von der Küste oder den Riffen vielmehr, die sich hier gefährlicher als an irgend einer Küste hinauf erstreckten, wieder abzukommen, und die Marssegel sind durch ihre Größe wie ihren Platz bei solchem Absegeln gerade die wichtigsten von allen. Ob die Stengen und Masten hielten, mußte sich jetzt zeigen. Aber halten oder nicht – brachten sie nicht mehr Segel auf, so saßen sie in einer Stunde zwischen den Klippen.
Die Luke war geöffnet, und die Männer arbeiteten daran das schwere Segel auf Deck zu heben, während der Capitän unruhig vorgebeugt nach der Brandung horchte, und in der mehr und mehr lichtenden Dämmerung den weißen Schaumstreifen, der jetzt sichtbar sein mußte, zu erkennen suchte. Einer der Leute war nach oben geschickt, eine Talje an eine der Pardunen zu schlagen, um das Segel nachher gleich in die Marsen hinaufheben zu können. Zuerst mußte es aber erst auf Deck vollkommen dicht gereeft, und so fest zusammengeschnürt werden, daß oben der Wind, ehe es fest gemacht war, nicht hineingreifen konnte.
»Capitän Oilytt,« sagte der Mate jetzt zu diesem tretend – »wir sind zu schwach an Händen – soll ich Hans vielleicht aus dem untern Raum heraufholen lassen?«
»Nein« – sagte der Capitän rasch – »es geht auch ohne den – ich will nicht. – Doch meinetwegen,« setzte er, sich eines besseren besinnend hinzu – »wir dürfen nichts versäumen, denn wenn wir Unglück haben, käme uns am Ende die Assecuranz-Compagnie auf den Kragen. – Bringt ihn herauf und nehmt ihm die Eisen ab. Wenn wir von der Küste los sind, können wir immer noch thun, was wir wollen.«