»Nieder mit Euch aus dem Top!« schrie der Mate, während er wie der Capitän selber blitzesschnell nach unten glitten – aber Karl hörte die warnende Stimme nicht. – Um ihn krachte und brach es – seine Geistesgegenwart verlierend, griff er nach dem ersten besten Tau das er erfassen konnte, und seine Sinne schwanden in der Gewalt des Sturzes.
»Mann über Bord!« schrie Jean, vom Ruder aus, durch den Lärm des krachenden Holzes und das Brüllen der See hinweg. – Wie instinctartig flog auch Bill die Quarterdeckstreppe hinauf, und ein dort liegendes Tau ergreifend, schleuderte er es mit geschicktem Wurf dem eben vorbeitreibenden Körper fast über den Kopf, – aber es war umsonst. – Die Fähigkeit es zu halten und zu greifen war aus den erschlafften Muskeln gewichen. – Im Fall mußte er mit dem Kopf gegen irgend einen der Blöcke oder Raaenocken geschlagen sein; die Stirn zeigte, eben als Bill noch in Todesangst hinübersah, eine klaffende Wunde. – Die See schlug über dem Unglücklichen zusammen und er sank in die Tiefe.
Das alles geschah während es über den Häuptern der beiden ebenfalls krachte und zusammenbrach. – Dicht neben Bill schlug der Besahntop herunter, und fuhr gerade durch das eine der Boote, die an beiden Seiten, in eisernen Krahnen, aufgehißt und befestigt waren – aber der Matrose hörte es gar nicht. Wie erstarrt hing sein Blick an der wegsinkenden Leiche des Cameraden. – Als er sich wieder umschaute, war das Schiff ein Wrack – alle drei Stengen waren niedergebrochen und der Klüverbaum nach Lee herumgeschlagen. Das Schiff, welches im Anfang fast schon durch die Segellast auf der Seite gelegen und eine Unmasse Wasser übergenommen hatte, richtete sich dadurch allerdings wieder etwas auf, wurde aber auch zu gleicher Zeit durch das jetzt nebenherschleifende Takelwerk mit Raaen und Stengen so in seinem Lauf gehemmt, daß es fast nicht den geringsten Fortgang machte, und nur mit der hier stark nach Nordwest setzenden Strömung gerade auf die Klippen trieb.
»Kappt weg, Jungen, kappt alles!« schrie der Mate und suchte selber, mit gutem Beispiel vorangehend, das Schiff von dem Anhängsel, das es sogar im Steuern hinderte, zu befreien, was ihm auch mit Hülfe der anderen Zuspringenden bald gelang. Sie kappten alles frei was über Bord hing; das Schiff vermochten sie aber nicht mehr zu retten. Nur noch wo möglich eine Stelle zu treffen, wo sie in ruhiges Wasser kommen konnten, war das einzige was ihnen zu thun übrig blieb, und der Capitän hatte sich durch das hängende und schlagende Tauwerk bis zu dem Stumpf des vorderen Mastes hinauf gearbeitet, von dem er jetzt nieder schrie das Schiff zwei Striche abfallen zu lassen. – Der Befehl wurde augenblicklich befolgt, und sie näherten sich den brandenden schäumenden Klippen mit rasender Schnelle.
»Können Sie die Backbord-Raaen etwas anbrassen, Mr. Black?«
»Ay, ay, Sir – brassen meine Jungen – nur ein wenig – für Euer Leben – greift zu hier. Ahoy – ahoy – noch einmal – so – Vor-Raaen jetzt.«
»Noch mehr abfallen – halt – Steady –« tönte der langgezogene Ruf.
Die Leute standen an Deck und wagten kaum zu athmen. Eine, wie es von hier aus schien, durchaus ununterbrochene Mauer von Klippen streckte sich vor ihnen aus, auf die das Schiff jetzt halb vor dem Wind mit wenigstens Neun-Meilen Fahrt hinauftrieb. Sobald sie aufstießen, mußte sie die erste nachstürzende Woge zerschmettern, und in diesem Chaos von scharfen Korallenfelsen und Sturzseen wäre es nicht möglich gewesen auch nur ein einziges Leben zu retten.
»Noch mehr abfallen!« lautete der eintönige ruhige Ruf.
»Noch mehr abfallen!« wiederholte fast bewußtlos mehr als ein halbes Duzend der Umstehenden – Jean stand am Steuer und sah todtenbleich aus, aber ein fast trotziges Lächeln spielte um seine Lippen, als er die Befehle, zum Zeichen daß er sie gehört und während sie schon ausgeführt waren, wiederholte.