Es war ein Glück für das Fahrzeug, daß sich der Wind mit der Tagesdämmerung etwas gelegt hatte, es wäre sonst gar nicht im Stande gewesen diese Segel zu führen. Selbst jetzt noch standen die Taue zum äußersten gestrafft, und die starken Stengen bogen sich und schienen nur eines einzigen Druckes mehr zu bedürfen, um wie Glas von einander zu springen.
Mr. Black war indessen selber nach oben gegangen, und sein gleich darauf nichts weniger als tröstlich klingender Ruf – Brandung einen Strich über den Leebug, brachte auch den Capitän bald an seine Seite.
»Da drüben sind die Riffe, Sir« – sagte der Mate, auf der Bramraae stehend, und sich mit dem linken Arm um die Stenge festhaltend. Er deutete dabei mit der Rechten nach einem weißen Kamm hinüber, der, aus hohen Brandungswellen bestehend, weit vom Süden heraufkam und den ganzen Westen zu umschließen schien.
»Können Sie gar kein hohes Land erkennen, Sir?« frug der Capitän, der auf die Raae mit hinaufstieg und sein linkes Bein darüber weg schlug. – »Wenn wir nur den Thurm von Raines Island ausmachen könnten – in einer Stunde wären wir in Sicherheit.«
»Es ist zu neblich,« lautete die Antwort – »gerad hinter der Brandung liegt es wie schwerer Duft auf dem Wasser, und es läßt sich nichts erkennen. – Ich glaube nicht daß wir abkommen, Capitän.«
»Laßt das große Bramsegel auch beisetzen, Mr. Black« – sagte dieser – unruhig den drohenden Küsten- oder vielmehr Inselstreifen übersehend – »wir müssen.«
»Die Stenge hält es nicht, Capitän,« sagte der Mate – »sie ist alt und schon einmal geflickt – wir werfen sie augenblicklich über Bord.« –
»Wir müssen, Mr. Black – wir kommen wahrhaftig nicht einmal mehr mit diesen Segeln um die Südspitze der Riffe dort weg, und wenn wir hier noch einmal zum Wenden gezwungen werden, sind wir rettungslos verloren. – Wir verlieren mehr dabei, als wir in einer vollen Wacht wieder gut machen können.«
»Große Bramsegel los!« schrie der Mate, statt weiterer Antwort, nach unten. – Einer von den Leuten, es war der Deutsche, Karl, stieg nach oben, das Segel zu lösen. – Unten zogen sie indessen schon die Raae auf. Als das Segel ausflatterte, ächzte die Stenge und Karl sah sich erschreckt um.
»Nieder mit Euch – nieder!« schrie ihm der Mate hinüber und winkte ihm mit der Hand, daß er sich rasch niederlassen sollte. – Das Brausen des Windes übertönte aber seine Worte, und Karl war eben damit beschäftigt einen der Geitaublöcke, der unklar gekommen war, wieder frei zu machen – die Schoten fuhren aus und der Wind schlug in das Segel.