Die Worte brachen den Zauber, und Alles sprang jetzt auf die hohe Railing, so viel als möglich die Stelle wo sie sich befanden, zu übersehen, und die Möglichkeit einer Rettung zu berechnen.

Das Schiff war glücklich zwischen zwei hohen Korallenriffen und durch einen Durchgang eingelaufen, der vielleicht nicht viel breiter war als das Fahrzeug selber. – Der glatte Streifen Wasser der den Weg wenigstens bezeichnete, in dem sie eingekommen, war kaum Mannslänge breit, und an beiden Seiten stürzte sich die Brandung der Nachbarklippen hinein. Weiter ließ sich aber auch, so weit das Auge reichte, keine einzige Einfahrt erkennen, und nur ihre verzweifelte Lage hatte den Capitän veranlassen können sein Schiff auf den schmalen Streifen zuzutreiben, der ebenso gut wie das übrige eine versteckte Klippe hätte bergen können. Hier, inmitten der Riffe, lagen sie nun in einem kleinen, kaum hundert Schritt langen See hellen, fast gelblich grünen Wassers, in dem sich die den Grund bildenden Baumkorallen klar und deutlich erkennen ließen.

Ringsum waren sie total von Korallenbänken eingeschlossen, die an den meisten Stellen bis dicht an die Oberfläche reichten, hie und da aber kleine, zwei, drei und vier Fuß tiefe Canäle bildeten, von denen einige offen lagen, andere mit langen treibenden Seegewächsen überzogen waren. Diese Korallenriffe konnten indessen kaum 200 Schritt breit sein, denn dicht dahinter lag wieder tiefes blaues, nur jetzt von der schweren Brise aufgeregtes Wasser, das nicht so durch die hohe Brandung vor dem darüber hinstreifenden Wind geschützt war wie die Stelle, auf der sie gerade saßen.

Dreizehntes Capitel.
Das Wrack.

Vor allen Dingen galt es jetzt die Möglichkeit einer Rettung zu überlegen.

Wenn sie ihr großes Boot flott bekommen konnten, schien nicht die mindeste Schwierigkeit vorhanden in die wirkliche Fahrstraße durch die Torresstraße einzulaufen, und dann konnten sie sich leicht auf einer der kleinen Inseln halten, bis ein anderes von Sydney nach Britisch- oder Holländisch-Indien bestimmtes Schiff vorbeikommen und sie aufnehmen würde. Es war jetzt noch die günstigste Jahreszeit für diese Fahrt, und Capitän Oilytt wußte selbst mehrere Schiffe, die beabsichtigt hatten ihm in acht oder vierzehn Tagen zu folgen.

Aber selbst von ihrer eigenen Lage wurden sie in diesem Augenblick durch einen furchtbaren Lärm, der aus dem unteren Deck herauftönte, abgezogen, und alles sprang an die Luken, hinabzuschauen. Um das Schiff selber brauchten sie sich jetzt auch in der That nicht weiter zu kümmern, das lag fest genug zwischen seinen Korallen, und hätte es ja noch gescheuert, so durften sie höchstens die Anker auswerfen, es ganz fest und sicher zu bekommen.

Der Lärm rührte von den armen Thieren, den Pferden her. Natürlich war das Schiff leck geworden und das Wasser in den unteren Raum gedrungen und die festgebundenen rangen nun mit ihren letzten Anstrengungen gegen den sie bewältigenden Tod an. Manchmal wenn eines der unglücklichen Geschöpfe seinen Kopf noch über Wasser bekam, hörten sie deutlich das Schnauben, und oft drang ein entsetzlicher Nothschrei zu ihren Ohren und machte sie schaudern – aber Hülfe zu bringen war nicht mehr möglich. – Wären sie selbst im Stande gewesen die Stricke zu zerschneiden mit denen die Thiere festgebunden standen, aus dem unteren Raum konnten sie sie doch nicht herausbekommen, und dort stieg das Wasser mit rasender Schnelle.

Jean sprang zwar die Leiter hinunter, mehr um sich von der vollkommenen Nutzlosigkeit einer Hülfe zu überzeugen, als irgend etwas zu thun. Gerade da aber wurde diese, wahrscheinlich durch eines der losgerissenen Thiere das sich dagegen geworfen, umgestoßen. Er konnte eben noch das zum Auf- und Niedersteigen befestigte Tau fassen und sich vor einem Sturz in die Tiefe retten, der ihn nur zu wahrscheinlich unter die Hufe der verzweifelten Thiere geworfen hätte. Als er festen Fuß auf dem Heu faßte, und traurig in den dunklen Raum hinabstarrte, wo es jetzt stiller und stiller wurde, sagte eine leise schwache Stimme an seiner Seite:

»Jean – was ist mit dem Schiff vorgegangen?«