»Hans, um Gotteswillen,« rief der junge Franzose, und sprang rasch nach ihm hinüber – »armer Teufel, wie geht dir's? Hol's der Henker, wir haben die Hände, oder vielmehr Augen und Ohren die letzte Stunde so voll gehabt, daß beim Himmel keine Seele an etwas anderes als sich selber denken konnte – Jesus Maria, wie blutig du aussiehst – wie ist dir?«

»Besser, viel besser, aber was ist mit dem Schiff vorgegangen?« sagte der Verwundete.

»O das sitzt fest und wacker auf einer Korallenbank,« lachte Jean, der, einmal aus der nächsten Todesgefahr heraus, schon all seinen frischen und fröhlichen Muth wieder bekommen hatte. »Masten über Bord, alle drei, und so sicher vor Anker wie nur je ein gutes Fahrzeug nach langer Reise gelegen hat. Der arme Karl ist aber auch über Bord« – setzte er ernster und fast traurig hinzu.

»Ich wollte ich wäre an seiner Stelle,« sagte Hans, und fiel mit geschlossenen Augen auf das Heu zurück.

»Unsinn,« lachte aber Jean wieder – »deine Leiden sind jetzt zu Ende. – Wer weiß, ob's nicht am Ende ganz gut ist, daß wir den alten verdammten Kasten auf soliden Grund gesetzt haben. Der Schuft von Capitän kann jetzt sehen wo er ein neues Schiff bekommt, mich kriegt er aber wahrhaftig nicht wieder als Matrose an Bord, so viel ist gewiß. Pest, Mann, du hast aber die Eisen noch an, das geht nicht; die müssen herunter, und das Wasser ist auch schon bis ins Zwischendeck gestiegen – der untere Raum ist ganz voll. – Wie still und ruhig es jetzt da unten ist,« setzte er schaudernd hinzu – »der Mensch ist doch ein entsetzliches Geschöpf mit seiner Gewalt über das Thier.«

»Jean,« rief in diesem Augenblick der Mate herunter – »wo zum Teufel steckt Ihr?«

»Komme,« antwortete der Matrose, wandte sich dann aber noch rasch zu Hans und sagte tröstend, »ich bin bald wieder bei dir. Hab' keine Furcht, wir wollen die Sache schon machen.«

Er schob die Leiter, die nur auf die Seite geschlagen war, wieder zurück und kletterte rasch an Deck. Dort wurden indessen schon die nöthigen Vorbereitungen getroffen ein paar Nothspieren aufzurichten, um das große Boot über Bord zu heben und flott zu bekommen, was der doppelten Mannschaft ohne die Hülfe von diesen und Flaschenzügen nicht möglich gewesen wäre mit blosen Händen ins Werk zu setzen.

Jean wandte sich nun an Mr. Black, Hansens Freilassung zu bewirken. – Der Mann lag verwundet im unteren Raum und durfte nicht ohne Hülfe dort liegen bleiben, wenn man sein Leben nicht in Gefahr bringen wollte. Mr. Black sprach auch augenblicklich mit dem Capitän darüber, dieser aber wollte von nichts hören. So lange er an Bord Herr sei, schwur er, bleibe der Schuft in Eisen. – Er habe sich widersetzt und dem den Tod gedroht, der ihn bestrafen würde, also offene unverhehlte Meuterei, und er wolle sich nicht der Gefahr aussetzen, gemeuchelmordet zu werden. Damit wandte er sich ab und den Arbeitenden wieder zu.

»Aber Sir,« sagte der Mate, »Sie können ihn doch nicht gut geschlossen mit ins Boot nehmen. Er wird da mehr im Wege sein und – ich weiß auch nicht, ob Sie das später werden verantworten können.«