»Verantworten?« lachte der Capitän höhnisch – »übrigens wer sagt Ihnen denn, Mr. Black, daß ich ihn überhaupt mit ins Boot haben will? Es fällt mir gar nicht ein mich mit dem rebellischen Schurken länger zu behelligen.«
»Sie werden ihn doch nicht hülflos zurücklassen wollen?« rief der Mate rasch.
»Hülflos,« meinte Oilytt, »ist das hülflos? ich lasse ihn im Besitz meines ganzen Schiffs, und da ist auch die Jölle, die er nehmen kann wenn es ihm beliebt, sollte ihm der Aufenthalt hier nicht länger behagen. – Was verlangt er mehr?«
»Das geht wahrhaftig nicht an, Capitän Oilytt,« sagte der Mate kopfschüttelnd.
»Sie sollen einmal sehen wie schön es geht,« lachte dieser zurück. – »Es geht alles auf der Welt, was man nur will, und der Bursche kann noch seinem Gott danken, daß ich ihn nicht mit nach dem nächsten Hafen nehme, um ihn dort als einen meuterischen Hund, der er ist, aufhängen zu lassen. Sähe ich die Möglichkeit ein, wieder nach Sydney zurückzukommen, so geschähe das auch jedenfalls. All die Schiffe, die aber in nächster Zeit auslaufen, und auf die wir hier hoffen können, sind nach Batavia bestimmt, und mit der holländischen Regierung mag ich nichts zu thun haben. – Ich und sie sind schon einmal zusammen gewesen, und eben nicht als die besten Freunde geschieden.«
»So will ich ihm wenigstens jetzt die Eisen abnehmen, daß wir nach seiner Wunde sehen können« – sagte Mr. Black, und wollte sich abdrehen, in das Zwischendeck hinunterzusteigen.
»Halt, Mr. Black,« hielt ihn aber sein Vorgesetzter zurück, »nicht eher bis ich Ihnen das sage – wenn's Ihnen gefällig ist. – Nach der Wunde kann auch ohne das gesehen werden. Hier haben Sie den Schlüssel zur Medicinkiste und sein Sie so gut und besorgen Sie das. – Der dickköpfige Schuft wäre auch ohne dies nicht sogleich abgefahren – aber die Eisen behält er, bis wir von Bord gehen.«
Der Mate konnte nichts dagegen einwenden, stieg aber augenblicklich in die Cajüte hinunter, das nöthige Wundpflaster heraufzuholen. Von dem steckte er auch eine Quantität in die Tasche, es Hans zum ferneren Gebrauch zu lassen, und sah dann nach seinem Kranken, den er aber weit besser fand als er wirklich erwartet hatte.
Unterdessen gingen die Arbeiten an Deck rasch vor sich. Provisionen wurden heraufgeschafft, der Capitän hatte seine Instrumente, Karten, den Compaß für den Nothfall und seine Papiere geborgen, vertheilte dann die an Bord befindlichen Musketen mit der gehörigen Munition unter die Leute, da man in der Straße sehr häufig auf Schwarze stößt, von denen man nicht immer weiß, ob sie freundlich oder feindlich sind, und ließ dann die Leute an die Arbeit gehen, das große Boot vom Verdeck hinunter in See zu heben.
Unter all diesen Arbeiten rückte der Abend mehr und mehr heran, und es war schon kein Gedanke mehr, noch an diesem Tag sich einzuschiffen. Um 12 Uhr hatte der Capitän, da die Sonne heute hell und klar am Himmel stand, seine Observation genommen, die Breite zu bekommen, auf der sie sich befanden, denn die Länge wußten sie nur zu genau. Er fand dabei daß sie etwa 30 Meilen überhalb Raines Insel auf den Riffen saßen. Von hier aus konnten sie leicht in die südliche, am häufigsten befahrene Straße kommen, und an Gefahr für ihr Leben, wenn sie sich nur ein wenig mit ihren Provisionen einschränkten, oder sich zugleich auf den Fischfang legten, war nicht zu denken. Die einzige Vorsicht die sie gebrauchen mußten war, einen gehörigen Vorrath von Wasser einzulegen, und damit konnten sie dann getrost nach einer der Zwischen-Inseln oder auch Booby-Island hinfahren, an welchem letzteren Ort sogar Vorräthe für Schiffbrüchige von mehreren englischen Schiffen niedergelegt sind. Die gehörigen Segel für die Barkasse, die jetzt vollkommen gut in Stand und mit allem Nöthigen versehen fertig lagen, wurde ebenfalls hergerichtet, und mit Tagesanbruch am nächsten Morgen wollten sie ihre Pilgerfahrt beginnen.