Die Matrosen packten indessen ebenfalls das Nöthigste was sie an Wäsche gebrauchten mit ihren wollenen Decken zusammen, denn sonstiges Gepäck oder gar ihre Kisten konnten sie natürlich nicht mitnehmen – stauten das alles in eine Kiste hinein, und waren somit ebenfalls gerüstet. Nur Jean, François und Bill hatten ihre paar Hemden zurückgelassen. – Die Kiste war auch gerade von den andern Sachen voll geworden – und sie meinten sie wollten das Ihrige nur lieber so ins Boot werfen. Alle drei schienen übrigens andere Absichten zu haben.

An dem Abend hätten die Leute gern viel mit einander unterhandelt, der Zimmermann, der sonst nie lange im Logis blieb, wich und wankte aber gerade heute nicht von seiner Kiste. Jean, François und Bill gaben sich deshalb einen Wink und gingen nach oben.

Mit kurzen Worten vereinigten sie sich. Sie waren fest entschlossen Hans nicht allein an Bord des Wracks und mit einem Boot zurückzulassen, mit dem er allein wenig oder gar nichts anfangen konnte – sie wollten bei ihm bleiben. Hierzu kam auch noch, daß alle drei viel lieber nach Sydney zurückzukehren, als mit dem Capitän auf irgend einem anderen Fahrzeug nach Indien zu gehen wünschten, und sie machten sich deshalb schon die schönsten Pläne einer Landreise an der Küste hinunter. Sie kannten das Land und die Schwierigkeiten einer solchen Reise nicht, und der leichte Sinn eines Matrosen, der Gefahren überhaupt gar nicht achtet, weil er eben zwischen ihnen aufwächst, ließ sie das Alles mit frohem Muthe betrachten.

Heute Abend beschlossen sie aber noch nichts darüber zu äußern, sondern das alles bis auf morgen früh zu verschieben.

Vierzehntes Capitel.
Die Mannschaft trennt sich.

Am nächsten Morgen mit Tagesanbruch weckte der Mate – denn der Zimmermann, der mit dem Steward die letzte Wache gehalten, schnarchte auf Deck mit diesem um die Wette – und eine Stunde später war das letzte Frühstück an Bord eingenommen; die Mannschaft zur Abfahrt gerüstet.

Jean, der mit seinen Verbündeten an diesem Morgen nur wenige Worte wechseln konnte, Hans aber, dem er in der Nacht Matratze und Decke hinuntergetragen, ihren ganzen Plan schon mitgetheilt und natürlich nicht im mindesten auf dessen Einwendungen gehört hatte, stand vorn auf der Back, jetzt dem höchsten Theil des Schiffs, und suchte einen Ueberblick über die Binnenwasser zu bekommen, durch welche sie nun bald ihre einsame Bahn in einem kleinen schmalen Boote steuern sollten. Da glitt Timor, der kleine Malaye, zu ihm hinan, und flüsterte in seinem halb Englisch, halb Malayisch:

»Tuwan Jean – gestern hab' ich gehört – Ihr mit Tuwan Hans gehen wollt – ich auch. – Wollt Ihr mich mitnehmen? ich kann gut rudern und will recht folgsam sein.«

»Donnerwetter, Junge, herzlich gern, wenn's von mir abhinge. Da mußt du aber den Capitän fragen, denn ich kann wohl über mich selber, aber über niemanden anders von seiner Schiffsmannschaft bestimmen.«

»Ja, der Capitän wird nicht wollen,« meinte der Bursche traurig und schüttelte mit dem Kopf – »habe schon müssen meine Sachen in sein Boot legen.«