»Kannst du gar nichts fühlen, Jean,« rief ihm der erste Mate ermunternd hinunter, »es wird ja doch so entsetzlich schnell nicht weggewaschen sein. – Lieber Gott, der Junge kann schwimmen wie ein Fisch, er muß sich beim Hinunterstürzen an den Kopf geschlagen haben.«
Jean erwiederte nichts, verschwand aber zum zweitenmal unter Wasser, und blieb diesmal länger aus als das erstemal. Als er endlich wieder zu Tag kam, stieg er schweigend, ohne ein Wort zu sagen, an Deck und schnürte sein Bündel auf, sich trockene Kleider anzuziehen.
»Armer Junge,« murmelte der Mate, als er dem Capitän, der sich rasch und mürrisch abwandte, ins Boot folgte. Der Steward aber, der sich neben dem Zimmermann niedersetzte, brummte leise vor sich hin:
»Das ist mir auch noch nicht vorgekommen, daß Einer in einem Schiff drin ersaufen kann. Das hat die Kröte aber nur mir zum Possen gethan, damit ich jetzt Alles allein besorgen muß.«
In wenigen Minuten war das Boot zur Abfahrt bereit. »Goodbye, Cameraden,« riefen Bob und Jim hinüber, und die an Bord Zurückgebliebenen winkten mit der Hand.
»Stoßt ab – Gott verdamme Euch!« zürnte aber der Capitän, den freundlichen Gruß unterbrechend – »und macht Euch da vorne Platz, daß Ihr, wenn wir einmal rudern müßten, nicht gehemmt seid.«
Der Kranke, Jack, lag vorne auf seiner Matratze im Boot. – Er war noch sehr schwach und sah unwohl aus, obgleich ihn das Fieber verlassen zu haben schien; dadurch entstand eine kleine Verzögerung, während die beiden Mates beschäftigt waren die Segel in Ordnung zu bringen.
Der Sturm von gestern hatte gänzlich nachgelassen, die Luft war hell und klar, und eine leichte Ostbrise versprach ihnen eine rasche und glückliche Fahrt nach Booby Island. Nur durch die Strömung aber, und durch das Segel, das den leichten Wind doch schon etwas gefaßt hatte, waren sie ungefähr 20 Schritt vom Schiff abgetrieben, als plötzlich ein Ruf vom Schiffe niederschallte, und aller Augen dorthin zog. Der Capitän, der ebenfalls aufsah, bekam eine Aschfarbe, denn dort stand Hans und in seinen Händen hielt er ein kurzes in der Sonne blitzendes Doppelgewehr.
»Mörder!« entfuhr fast unwillkürlich den bleichen Lippen des Capitäns der Angstlaut, der bis zu den Ohren seines früheren Opfers drang. Hans aber schüttelte verächtlich lächelnd mit dem Kopf und rief, indem er das Gewehr neben sich auf Deck stieß:
»Habt keine Furcht, Capitän Oilytt, ich will Euern letzten feigen Angriff auf mich nicht solcher Art erwiedern. – Hättet Ihr mich peitschen lassen, wäret Ihr jetzt ein todter Mann, aber den Schlag, den Ihr einem Gefesselten gabet, vergelt ich Euch auf ein andermal. – Wir sehen uns wieder,« und er drehte sich mit diesen Worten von dem Boote, das jetzt zum erstenmal den Wind ordentlich in seine Segeln faßte und rasch durch die grüne Fluth dahinschoß, ab. Als er sich aber wandte, sah er, wie Jean und Bill plötzlich erschreckt auseinander stoben und in demselben Augenblick pfiff auch eine Kugel, aber schlecht genug gezielt, über sie hin. Mit Blitzesschnelle flog er herum und riß die eigene Büchse in die Höhe, doch ein Blick auf das Boot sagte ihm, wie sehr er dabei das Leben anderer Menschen gefährden müßte. – Er setzte das Gewehr rasch wieder nieder, hob aber, zum Zeichen seines Wohlbefindens, die Mütze, schwenkte sie um den Kopf und rief mit trotzigem Hohn: