Timor aber der wohl wußte, daß ihm von alle denen, die er noch an Bord sah, kein Leid geschähe, lachte, daß ihm die Thränen aus den Augen liefen, wobei Jean und François natürlich mit einstimmten, und erzählte seinen neuen Freunden nun, daß er unter keiner Bedingung mit dem alten garstigen Capitän hätte weiter segeln wollen, aber auch gar nicht gewußt habe wie er von ihm anders abkommen konnte, als auf solche Art.

»Als Ihr alle damit beschäftigt waret Euch zu zanken, wer da bleiben wollte und mitgehen sollte,« erzählte der kleine Bursche in seinem gebrochenen Englisch, »und als ich sah, daß niemand auf mich achtete, glitt ich auf das Heu ins Zwischendeck hinunter, warf ein kleines Fäßchen mit Nägeln, das ich mir schon heute Morgen früh zu dem Zweck dorthin geschafft, ins Wasser hinunter, daß es recht aufplätscherte meinen Strohhut dann dahinter her, und kroch nun, während ich einen lauten Schrei ausstieß, rasch zwischen ein paar Heuballen hinein und zwischen diesen fort, bis ich sicher war, daß sie mich nicht finden könnten, und wenn sie eine Stunde nach mir suchten. Dort bin ich liegen geblieben, bis ich hörte daß Jean hier sagte, das Boot sei abgefahren. Nun bin ich da und will mit Euch gehen.« Er setzte sich hierauf ruhig auf eines der Wasserfässer nieder und schien geduldig eine Antwort auf seinen Vorschlag abwarten zu wollen.

Hans lachte und meinte der kleine Strick habe jetzt gut auf eine Antwort warten, er wisse recht wohl daß sie ihn nicht zurücklassen könnten. Er solle aber nur, was er mitzunehmen wünsche, zusammenpacken und dann helfen daß sie ihren Proviant und Wasservorrath in Ordnung brächten, die heutige herrliche Brise wenigstens insoweit zu benutzen, Land zu erreichen.

Fünfzehntes Capitel.
Die Bootfahrt.

Hierbei war ihnen jetzt Timor, der ja früher auch mit in der Cajüte aufgewartet und viel mit dem Proviant zu thun gehabt hatte, von unendlichem Nutzen. Der Steward hatte nämlich, um den Zurückbleibenden womöglich nichts als die Provisionen zu lassen, die nicht unter seiner Aufsicht standen, alles was von Eingemachtem, sauren Gurken, feinen Zwiebacken, Weinen und Liqueuren nur irgend noch vorräthig war, entweder selber mitgenommen, oder, wo das nicht anging, zerstört. – Die ganze Cajüte schwamm in Brandy und Wein, denn er schien, als er zuletzt unten war, alle Flaschen die er nur möglicherweise erreichen konnte, zerstoßen zu haben.

Die Mühe war aber vergebens gewesen, denn Timor wußte zu genau überall Bescheid und brachte in kurzer Zeit eine solche Unmasse von Delicatessen und Liqueuren angeschleppt, daß sie drei solche kleine Boote hätten damit verproviantiren können. Das Beste wurde natürlich von alle diesem ausgesucht, ein ziemlich bedeutender Wasservorrath in kleinen Brandyfässern als Ballast unten angelegt, eine der Kisten mit ihren nothwendigsten Sachen gepackt an Bord geschafft und um 11 Uhr Morgens konnten sie schon die leichte Jölle von den eisernen Krahnen, an denen sie noch unversehrt hing, in See lassen.

Dies war des Capitäns Jölle. Obgleich aber in Sydney wenig gebraucht, da das Schiff dort dicht am Lande lag, nahm sie doch nicht viel Wasser ein, und als sie eine Stunde in See gelegen, stand sie vollkommen dicht. Etwa eine Stunde später war das Boot zum Absegeln bereit.

»Alle fertig?« rief Bill, indem er sein Ruder gegen die Seite des Wracks setzte, das noch immer unbeweglich auf den Riffen saß.

»Alles klar!« lautete die Antwort, und im nächsten Augenblick glitten sie von dem kahlen Rumpf ab und in denselben schmalen Canal hinein, durch den ihnen schon an diesem Morgen die Barkasse vorangegangen war.

Bill saß am Steuer, Jean und François standen an den Segeln, Timor kauerte vorne im Bug und schaute auf die unten vorübergleitenden Korallenbäume nieder, und Jean und Hans saßen in der Mitte, der erstere von den Strapatzen des Morgens, von seiner Schwimmpartie, die ihm Timors List verschafft, und den Provisionstransporten verschnaufend, und der andere sein Bein ausruhend.