Der einzige, dem es ziemlich gleichgültig schien was vorgenommen wurde, war Bill, so sie nur nicht von ihm verlangten lange Tagemärsche mit einer Last auf dem Rücken zu machen. Er gestand jetzt ein daß er sich das Land ebenfalls anders gedacht habe, und stimmte Hans bei, so rasch als möglich Timor zu erreichen. – Gegen eine kleine Excursion ins Innere hatte er aber ebenfalls nichts, vorausgesetzt, daß er dieselbe ohne Flinte mitmachen könne, denn nur im äußersten Nothfall möchte er, wie er meinte, gezwungen sein, solch ein »hintenausschlagendes Schießeisen« wieder abzufeuern. – Aber was sollte indessen aus dem Boote werden? – Die Frage war die natürlichste, und wenn auch besonders François im Anfang geglaubt hatte, man würde es irgendwo leicht verstecken können, überzeugte sie doch bald die ganze Natur des Bodens, daß etwas derartiges wohl leicht gedacht, aber schwer ausgeführt werden könne. Handelten sie übrigens hierin leichtsinnig, so waren sie der fast unvermeidlichen Gefahr ausgesetzt, alles was sie an Provisionen bei sich hatten nicht allein zu verlieren, sondern auch noch zugleich der Möglichkeit eines Rückzugs von hier beraubt zu werden.

Dagegen erklärte sich auch Hans auf das Bestimmteste, und erbot sich mit Timor im Boot zu bleiben und dies flott zu halten, bis die drei Cameraden ihrer »Landungswuth« genügt und vom Land so viel gesehen hätten als ihnen zuträglich wäre, was, wie er hoffte, gar nicht so sehr lange dauern sollte. Timor war sehr gern damit einverstanden, Jean aber nicht, der Hans mit an Land zu haben wünschte und dagegen Bill, als am schlechtesten auf den Füßen, zur Bootwacht vorschlug. Als Station für das Boot konnte der dann eine kleine Insel nehmen, die jetzt, in der Fluthzeit, nur eben über die Oberfläche des Wassers vorragte und mit dichtem Gebüsch bewachsen war. Trotzdem lag sie gerade bequem und etwa eine englische Meile vom Lande ab, so daß sie dort wenig oder gar nichts von einem Ueberfall, ausgenommen in Canoes, zu fürchten hatten. Den aber brauchten sie am hellen Tag um so weniger zu fürchten, da sie gesehen hatten, welchen Respect die Eingeborenen den Schießgewehren gegenüber gezeigt.

Bill, überdies nicht sehr lebhaften Temperaments, war mit diesem Plan vollkommen einverstanden, ließ ihn derselbe doch in unbeschränktem, unverkümmertem Besitz und unmittelbarer Nähe des Portweins, für den er anfing eine stille Neigung zu fühlen.

Hans wünschte selber gern einen Theil der Küste und das Innere des Landes zu sehen, wenn sich die Cameraden denn doch nun einmal nicht von ihrem Plan abbringen ließen, und da er sich auch wohl bewußt war manche Gefahr von ihnen abwenden zu können, stand der Ausführung des beabsichtigten Streifzugs nichts weiter im Weg. Timor schien mit Allem einverstanden, was ihn nur nicht wieder in den Bereich der Schwarzen brachte, die sich bei ihm durch den so schlau ausgeführten Angriff gar tüchtig in Respect gesetzt.

Mit Vorbereitungen verloren sie denn auch keine lange Zeit weiter. Jeder nahm nur an Munition und Proviant was er auf zwei oder drei Tage nothwendig zu brauchen glaubte – denn etwas zu schießen mußten sie ja doch auch hier im Walde finden – und als Signal, wenn sie zurückkehren wollten, wurden zwei rasch hintereinander abgefeuerte Schüsse bestimmt. Sobald Bill dieselben höre, solle er sich, aber immer noch sehr vorsichtig, dem Festland nähern. Auch jetzt wurde es ihm zur Pflicht gemacht, um ganz gesichert gegen einen Ueberfall zu sein, augenblicklich vom Lande abzustoßen.

Zuerst aber nahm er noch herzlichen Abschied von den Cameraden und warnte sie ernstlich, ganz besondere Acht auf ihre eigene Haut zu haben, damit sie dieselbe nicht unnöthiger Gefahr aussetzten. Dann nöthigte er noch jedem, sie mochten dagegen einwenden was sie wollten, eine extra Flasche Madeira auf – Madeira, meinte er, sei besser wie Portwein, wenn man ihn mit Salzwasser trinken müsse – und schob hierauf mit Hülfe der Zurückbleibenden vom Lande ab. Hier wandte er rasch den Bug seines kleinen Fahrzeugs, setzte das Segel und suchte mit Timor am Steuer, vom Lande abzukreuzen, was ihm jetzt, von der eintretenden Ebbe begünstigt, auch bald gelang.

Die drei Matrosen sahen ihn aber kaum frei und unter Segel, als sie auch ihre verschiedenen Packen schulterten, die Gewehre unter den Arm nahmen, und dem nächsten Hügel zuwanderten, den sie vor allen Dingen erst einmal besteigen wollten, einen ungefähren Ueberblick über das benachbarte Land zu gewinnen.

Hansens Bein schmerzte ihn allerdings noch ein wenig. Die letzten Ruhetage und die gute Pflege hatten ihn jedoch so weit wieder hergestellt, einen derartigen nicht zu langen Marsch ohne große Gefahr für sich wagen zu können.

Da sie sich hier noch innerhalb des Flußthals befanden, das nach Osten und Westen in einem, wenn auch schmalen doch weit auslaufenden Streifen abzweigte, so hatten sie sich vor allen Dingen durch einen höchst beschwerlichen Mangrovesumpf hinzuarbeiten. Im Anfang durften sie auch wirklich kaum wagen auf den Schlamm zu treten, der oft unter ihnen wegsank. Sie mußten sich über die hoch emporstehenden Wurzeln, die nach allen Seiten hin wie die Beine einer Spinne vom Stamme wegstarrten, hinarbeiten, nur erst einmal höheres und damit auch festeres Terrain zu gewinnen.

Hans fühlte sich aber gleich von vorn herein in diesem Sumpf nicht wohl, denn hätten die Wilden wirklich noch böse Absichten auf sie gehabt, so wären sie hier, wo sie ihre beiden Hände gebrauchten, um sich nur fortzuhelfen, ihren Angriffen jedenfalls auf eine höchst gefährliche Weise preisgegeben gewesen. Aber nicht ein einziger ließ sich sehen; keine Spur konnten sie von ihnen, selbst in dem weichen Schlamm erkennen, und François meinte lachend, als sie den ersten festen Platz erreicht hatten und hier einen Augenblick stehen blieben, sich zu erholen; die schwarzen Schufte die an dem Morgen einen Angriff versucht hätten, liefen wahrscheinlich noch, so seien sie über den Knall von Bills unfreiwilligem Schuß erschreckt worden.