Hans war anderer Meinung, aber er begnügte sich damit, vorsichtig auszuschauen, und erhielt dazu noch kräftigeren Grund als sie hier, am Rande eines kleinen »Theebaum«-Dickichts nicht allein Spuren, sondern einen festgetretenen Pfad von Indianern fanden, der am Rande des Sumpfes hinzulaufen, und wahrscheinlich dem nächsten frischen Wasser, am Flusse weiter hinauf, zuzuführen schien.

Hier, mit dem ersten hohen Land, wurde auch die Vegetation eine andere, üppigere und hier zum erstenmal schienen selbst Bäume den Hügelkamm zu decken, während weiter unten sowohl wie oben die nächsten Küstenhügel nur starre, dürftige Sandberge gewesen waren. Kleine schmale Lagunen oder flache, mit frischem Gras bewachsene Ausläufe zogen sich hier zum Fluß hinunter, deren Ränder mit Banksias eingefaßt standen, während dahinter einzelne Kohlpalmen aufragten und der ganzen Landschaft, mit dem dunklen Hintergrund von Stringybark-Bäumen und Casuarinen, einen freundlichen Anstrich gaben. Nach rechts hinüber schienen diese Palmen in noch größerer Menge zu stehen und weiter eindringend in den Wald, kamen sie auch zu einzelnen Pandanus-Dickichten, an denen besonders die Wilden ordentliche Lager gehabt zu haben schienen.

Hans sowohl wie Jean und François fühlten sich aber beengt in dem dichten Unterholz, das übrigens eine Masse weißer Tauben belebte, und gerade das ewige Geflatter und Aufschrecken dieser Vögel diente nur dazu, sie mehr und mehr zu beunruhigen. Glaubten sie doch anfänglich in jedem solchen Geräusch einen versteckten Wilden zu hören, der mit Speer oder Waddie (Keule) auf sie losbrechen wolle.

Hier noch im flachen Lande wäre auch ein solcher Ueberfall nicht so unmöglich gewesen, denn die üppige Vegetation würde einen Hinterhalt sehr begünstigt haben. Deshalb wandten sich alle drei, wie nach gemeinsamer Verabredung, dem nächsten Hügellande zu, und erreichten bald darauf einen vollkommen baum- und buschfreien Hang, dürftig mit Rasen und kleinen gelbrothen Blumen bedeckt, an dem hinauf sie rasch und ungefährdet ihre Bahn verfolgen konnten.

Eigenthümlich war hier eine Masse einzelnstehender hoher und spitzer Lehmhaufen, die ihnen von fern wie zugespitzte alte Baumstümpfe vorkamen, und überall am Hügel hin, oft zu zweien und dreien, manchmal 20 und 25 zusammenstanden. Diese wiesen sich jedoch bald als Ameisenhaufen aus, die meist acht bis zehn Zoll unten im Durchmesser, bis vier Fuß hoch und scharf abgespitzt, von dem gelblichen Lehm des Bodens errichtet, der ganzen Landschaft einen wunderlichen Anstrich gaben. François glaubte in der That im Anfang, es sei eine gewaltige Schaar von lederfarbenen Eingebornen, die dort über den Berg zerstreut, nur ihr Hinaufsteigen abwarteten, um von allen Seiten über sie herzufallen. Hans kannte aber diese Hügel schon von früher, und bald konnten sie sich auch selber von dem harmlosen Wesen derselben überzeugen.

Eine ihnen fremde Gattung von Taube, mit dunkelbraunem Körper und hellerer Zeichnung schienen übrigens die einzigen Bewohner dieses Hügelhanges zu sein. Diese hatten in einzelnen vorragenden Felsen ihre Wohnungen aufgeschlagen, aus denen sie scheu hervorschwirrten, sobald sich ihnen die Fremden näherten. Die Seeleute wollten aber weder ihre Munition nach so kleinem Wild verschießen, noch die benachbarten Wilden unnöthigerweise auf sich aufmerksam machen, und kletterten deshalb, ohne ein Gewehr abzudrücken, den jetzt steiler werdenden Hang empor.

Hier befanden sie sich, etwa eine halbe Stunde später, auf dem äußersten Kamm des Bergrückens, der sich nach Süden zu hinunterzog, und im Osten durch die noch höhere Kette, die in Cape York ausläuft, begränzt wurde. Nach Westen zu öffnete sich ihnen dagegen die Aussicht über ein weites buschiges Thal, um das der Ocean seinen endlosen blauneblichen Gürtel zog. Aber auch dorthin sah das Land traurig genug aus. Dürre, theils mit dichtem Busch bewachsene Strecken, theils grausandige Flächen dehnten sich rings um sie her, und nicht die geringste Anzeige irgend eines bedeutenden Wasserlaufes ließ sich darin erkennen. Es war eine trostlose Wildniß, die ihre Einbildungskraft noch nach Gefallen mit den heimtückischen Schwarzen bevölkern konnte – und dagegen donnerte im ewigen Ansturm die weite See.

»Großer Gott!« brach François endlich zuerst das Schweigen, nachdem sie eine ganze Zeitlang lautlos auf das weite monotone Land hinabgeschaut hatten, »wie verlassen, wie entsetzlich todt sieht jene weite furchtbare Fläche aus. Hier in den Hügeln haben wir zwar auch gerade nichts Besonderes, aber ich kann mir denken wie man von da unten aus ordentlich mit einer wahren Sehnsucht hier heraufschauen könnte.«

»Und durch ein solches Land wolltet Ihr, von allen Mitteln entblößt die einer solchen Reise wenigstens die Möglichkeit des Gelingens ließe, den Marsch versuchen;« sagte Hans.

»Aber es wird auch nicht überall so sein,« entgegnete Jean rasch. »Da wo sich der Fluß durch das breite Thal zieht, grünt und blüht eine so üppige Vegetation, wie sie sich der Wanderer nur wünschen kann, und diesem Strome folgend –«