Der Schooner führte nur, ein neuseeländisches Canoe ausgenommen, das Tomson früher einmal für sich selbst gekauft, – die gewöhnliche sogenannte Jölle mit sich, die an seinem Hinterdeck befestigt hing, und diese wurde jetzt, als sich das Fahrzeug kaum vor seinem Anker beruhigt, in See gelassen. Dumfry, Van Broon und Tomson standen bereit hinabzusteigen, denn was sie sonst an Lebensmitteln noch gebrauchen würden, war schon durch des würdigen Seemannes Vorsorge vorher hineingeschafft und weggepackt worden.
Der erstere hatte jetzt, neben der neuseeländischen Tracht, auch ganz neuseeländische Bewaffnung angenommen. Auf der Schulter trug er die lange einläufige Büchse, und an seinem Handgelenk hing noch, durch einen schmalen Riemen gehalten, der aus einem Wallfischknochen verfertigte, etwa anderthalb Fuß lange Mirei, die Kriegskeule jener Stämme; auch ein Tomahawk, den die amerikanischen Wallfischfänger auf der Insel eingeführt, stack in seinem Gürtel. Tomson hatte sich dagegen mehr nach Seemannsart bewehrt; in seinem breiten Gürtel ruhten neben dem gewöhnlichen Matrosenmesser ein Paar große Enterpistolen, und ein sogenannter Cutlaß hing an seiner linken Seite; die langschößige blaue Jacke, die er jetzt angelegt, bedeckte aber, wenn er sie zuknöpfte, die ersteren vollkommen, und nur der breite, kurze Säbel blickte drohend darunter vor.
Ganz anders sah dagegen Mynheer Van Broon aus, der keineswegs nach tödtlichen Waffen gegriffen, sondern sich vielmehr mit dem besteckt zu haben schien, was Leib und Seele zusammenhalten sollte, anstatt es zu trennen. Aus der rechten und linken Tasche seines langschooßigen, blauen Tuchrocks sahen wenigstens, innig vergnügt, zwei rothbesiegelte Flaschenhälse heraus und unter dem linken Arme trug er ebenfalls einen Gegenstand, der mehr einem Fouragebeutel als einer tödtlichen Wehr glich. Dumfry betrachtete ihn denn auch ganz erstaunt, und rief endlich, halb ärgerlich, halb lachend aus:
»Aber zum Teufel Sir, was schleppen Sie denn da mit sich herum? Sie glauben doch nicht, daß wir –«
»Eine geräucherte Wurst, einen halben Käse, etwas Brod und ein Fläschchen voll ächten Schiedam,« unterbrach ihn Van Broon ruhig, indem er den Beutel sorgsam ein klein wenig öffnete und mit der Mündung gegen den Frager hielt.
»Hahaha,« lachte Tomson, »Mr. Van Broon will sich vorsehen, wenn wir etwa eine Belagerung aushalten müssen.«
»Bitte um Verzeihung« sagte der Holländer, während er den Beutel wieder unter seinen Arm zurückschob – »ich habe mit keiner Sylbe an eine Belagerung gedacht, denn wäre das geschehen, so können Sie sich auch fest darauf verlassen, daß ich ganz ruhig und gemüthlich an Bord des Kasuar bliebe. Ich bin keineswegs gesonnen, mir für die Firma Bornholm, Bricks und Comp., so hoch ich dieselbe sonst auch in jeder Beziehung achte und schätze, die Glieder voll Blei schießen, oder gar mit spitzen Instrumenten nach mir hacken und stechen zu lassen.«
Dumfry biß sich auf die Lippen und wandte sich von ihm ab; ein anderer Gedanke mußte aber in ihm aufsteigen, denn er sah sich noch einmal nach dem kleinen Mann um und sagte dann rasch:
»Sie dürfen jenes Ufer auf keinen Fall unbewaffnet betreten, denn wenn wir auch, wie ich fest überzeugt bin, keine Gefahren dort zu erwarten haben, so wäre es auch wieder zu leichtsinnig gehandelt, nicht allein unbewaffnet zwischen die Eingeborenen zu gehen, sondern sie das auch noch gleich von vornherein merken zu lassen. Nehmen Sie wenigstens eine Flinte auf die Schulter, wenn Sie dann auch keinen Gebrauch davon machen.«
»Eine geladene Flinte?« sagte der Kaufmann – »ich denke gar nicht daran; der Henker traue den Dingern; wenn sie nun losgeht? ich habe in meinem Leben keine geladene Flinte in der Hand gehabt, aber schon unzählige Unglücksfälle von derlei Mordinstrumenten gehört.«