»Was sagten – Hallunke,« rief aber auch jetzt der Zimmermann, auf das Aeußerste entrüstet – »wird dieser Carnarienvogel singen, oder soll ich ihm die Zunge lösen« –

»Ihr fräßt ihnen so Alles weg, wenn Ihr kämt, sagten die Leute« – betheuerte Ned und zog sich dabei immer mehr zurück.

Der Zimmermann, ohne weiter eine Sylbe zu erwiedern, griff mit einem, zwischen den zusammengebissenen Zähnen halblaut vorgestoßenen Fluch nach einem kurzen Ende Tau, was dort lag, und schritt rasch auf dem Starbordgangway entlang, dem Vorcastle zu. Zu gleicher Zeit aber, und sobald er nur die midschips aufgestapelten Wasserfässer und Nothspieren erreicht hatte, glitt die niedergebückte Gestalt des Irländers auf dem Larbordgang nach hinten, und wie sich Ned eben – denn jetzt war der Augenblick zum Handeln gekommen – über die Bulwarks schwang, und in das, von dem so plötzlich niederdrückenden Gewicht hochaufschaukelnde Canoe sprang, griff Bill in einer Art Humor eben den Eimer wieder auf, den der Zimmermann mit so viel Anstrengung zurückgebracht und folgte seinem Gefährten in demselben Moment, als dieser, um nicht Zeit mit dem Aufknüpfen zu verlieren, das schwache Tau, das sie noch hielt, durchschnitt und blitzesschnell von Bord stieß.

Das Ganze hatte nur wenige Sekunden zu seiner Ausführung gebraucht, und die Flüchtlinge würden Vorsprung genug gewonnen haben, wenigstens aus jedem gefährlichen Bereich des Schooners zu kommen, hätten nicht zwei, den beiden Leuten keineswegs günstige Augen das Ganze mit angesehen. Der Kajütenjunge erschien in dem nämlichen Augenblick an Deck, als Bill über dem Rand desselben verschwand, und ohne weiter seine Zeit mit Anrufen zu verschwenden, die doch, wie er recht gut wußte, ganz nutzlos gewesen wäre, rannte er spornstreichs nach vorn, und sein Hülferuf machte nur zu schnell die Mannschaft und besonders den jetzigen Befehlshaber des Fahrzeugs, den Zimmermann, darauf aufmerksam, was hier eigentlich vorgehe.

»Teufel!« schrie der alte Seemann, und sprang mit flüchtigen Sätzen dem Hinterdeck zu – aber zu spät, denn eben trieb das schlanke Canoe vom Schooner ab, und Ned, der sich in den Stern desselben geworfen hatte, ergriff das Ruder, und neigte es freundlich grüßend gegen den Wuth schäumenden Matrosen.

»Good bye, Sir!« rief er dabei lachend – »wollen dem Capitän die Hemden mit hinüber nehmen – wird sich ungemein darüber freuen – etwas sehr angenehmes an solch' heißem Tag, die Wäsche wechseln zu können – bitte mich gehorsamst in Sidney zu empfehlen!«

Der Zimmermann, der mit einem Blick die Lage der Dinge überschaute, war mit wenigen Sätzen in der Kajüte unten, ergriff die, dort in der Ecke lehnende und stets geladene Büchse, stieß das kleine, dicht über dem Steuerruder angebrachte Fenster auf, hielt die Mündung des Gewehres hinaus und donnerte den Flüchtigen nach:

»Halt! – halt, sag' ich, oder ich schieße!«

»Bücke Dich, Bill!« rief der Sträfling, der in diesem Augenblicke gerade den Kopf zurückwandte – »nieder mit Dir!« und zu gleicher Zeit warf er sich flach auf den Boden des Canoes. Der Ire aber, theils durch die schaukelnde Bewegung des schwanken Bootes, theils durch die Worte selbst erschreckt, kehrte sich, da ihm überdies nicht einmal Raum genug blieb, dem Rath zu folgen, rasch nach dem Drohruf des Zimmermanns um, und vermehrte dadurch, freilich unbewußt, die Unsicherheit seiner Stellung um ein Bedeutendes.

Da zuckte aus dem Kajütenfenster des Kasuar ein scharfer blendender Strahl, und mit dem Ausruf: »Jesus Maria!« fuhr der Ire zur Seite. Wohl hob sich auch zu gleicher Zeit der Sträfling, und suchte dadurch, daß er sich auf den entgegengesetzten Bord warf, das Schifflein im Gleichgewicht zu halten, der Verwundete schwankte jedoch eben so rasch auch dort hinüber, und das Canoe, das flach im Boden, wie fast alle diese ausgehauenen Fahrzeuge, einem solchen Druck nicht widerstehen konnte, entlud im nächsten Moment seine Last in die hoch über ihr zusammenschlagende Fluth, füllte sich dann, da der Ire krampfhaft daran festhielt, und sank.