»Sei der Gruß so treu gemeint, wie er klingt!« erwiederte, zu des Seemanns unbegrenztem Erstaunen, der Wilde nicht allein in ziemlich reinem Englisch, sondern auch noch sogar mit einem leichten Anflug irischen Dialekts, und ergriff dabei die dargebotene Rechte.
Es war eine hohe, stattliche Figur dieser Häuptling der neuseeländischen Krieger – sein braunes, von funkelnden, sprechenden Augen belebtes Antlitz durchzogen die regelmäßig, ja fast zierlichen Linien, die des Tättowirers Hand darauf zurückgelassen; sein Haupt schmückten rechts und links die mächtigen Flügel eines schwarzen Falken, und die rauhe Kriegsmatte hing ihm weit nach vorn über die linke Schulter und den Rücken hinab, daß nur der rechte, nackte Arm frei und unbehindert blieb. Einzelne weiße Albatroßfedern trug er in den Ohren, um den Nacken aber das Amulet seines Stammes, den grünen Teiki[16] mit seinen rothen, glänzenden Augen. Das Haar hing ihm, wie das auch theilweise auf den Inseln Sitte ist, lang und glatt über den Nacken herab, und seine Füße waren – ein nicht seltener Tauschartikel nordamerikanischer Wallfischfänger – mit buntgestickten Moccasins bedeckt, die vielleicht eine junge Squaw,[17] weit in den fernen Prairieen Amerikas gearbeitet, ohne daran zu denken, daß sie die Füße eines tausende von Meilen entfernten Kriegers schmücken sollten.
[16]: Die Neuseeländer lieben, wie fast alle wilde Nationen, den Putz, und schmücken besonders gern Kopf und Ohren, wie ihre Waffen, Häuser und Begräbnißplätze mit bunten, wehenden Federn; der kostbarste geachtetste Zierrath aber ist eine kleine, eigenthümliche Figur, Teiki genannt, die einen wunderlich gestalteten Mann mit großen rothen Augen vorstellt. Dieser Schmuck wird aus einem besondern grünen Stein geschnitten, und für einen Amulet, daher auch für ungemein werthvoll gehalten, und selten trennt sich ein Eingeborner von solchem Heiligthum, das als Erbstück gewöhnlich in den Familien bleibt.
[17]: Nordamerikanische Indianerin.
Seine Begleiter waren sämmtlich mit Feuergewehren bewaffnet, er selbst aber trug nur an seinem Handgelenk den Mirei, und zwar aus einem einzigen Stück eben des kostbaren, grünen Steines geschnitten, aus dem auch das, an seinem Nacken hängende Amulet bestand, während er in der Rechten den Häuptlingsstab[18] hielt, der mit seinem wunderlich geschnitzten Kopf, den rothen Papageifedern und Büscheln von Hundehaaren von weitem einer jener alten Hellebarden glich, aber keineswegs als Waffe bestimmt schien, sondern nur die Autorität des Führers bezeichnen sollte.
[18]: Dieser Stab, von den Neuseeländern I Henei genannt, ist ein eigenthümliches, fast scepterartiges Emblem der Häuptlinge. Er besteht aus hartem Holz, und trägt als Knopf ein grotesk geschnitztes Gesicht mit ausgestreckter Zunge – was den Trotz gegen die Feinde bedeuten soll – die Augen sind aus kleinen Stücken Perlmutter hergestellt, und rothe Papageienfedern und Büschel von Hundehaaren umwehen ihn. Dieser Stab wird sowohl im Krieg als am Berathungsfeuer geführt, und zwar jedesmal dem Häuptling übergeben, der gerade das Wort führt. Er behält ihn dann hoch in der Hand und läuft damit vor den ihm aufmerksam Zuhörenden, im Eifer seiner lebendig ausgestoßenen Worte, auf und ab.
Während er dem Europäer die rechte Hand reichte, ließ er diesen Stab gegen seine Schulter fallen, und nahm ihn erst wieder auf, als er einen Schritt zurücktrat, und seine Augen jetzt fest auf den angeblichen Indianer geheftet hielt, der jedoch, seinen Kopf ebenfalls erhoben, die Büchse, wie nachlässig, in der Biegung des linken Armes, doch zum augenblicklichen Dienst bereit, trug, und nur einmal leise das Haupt wandte, um zu sehen, ob sich die übrigen Indianer ebenfalls zu ihnen gesellt hätten. Diese waren kaum noch hundert Schritte zurück, und einige von ihnen zogen sich langsam nach dem Meeresufer hinab. Die Weißen wurden auf diese Art von den dunklen, drohenden Gestalten rings umzingelt, und durften an Flucht nicht mehr denken; es galt jetzt nur noch, das Spiel, was sie begonnen, fest und ernst zu Ende zu führen.
Da brach der neuseeländische Häuptling zuerst das Schweigen, er stützte sich auf den Henei, den er in der Hand hielt, und sagte, während er die Blicke fest auf den falschen Indianer heftete, in der Sprache der Maories:
»Deine Hand ist bewaffnet, aber Dein Antlitz verhüllt, – braucht das Haupt, das der Tabu beschützt, die feindliche Wehr? fürchtet mein Bruder, daß ein Maori die Keule gegen ihn zücken werde? oder kennt er die Gesetze des Landes nicht? – Ein Maori ist sicher!«
»Wohl kenn' ich die heiligen Gesetze« erwiederte der Verkleidete, und die Stimme drang unter der vorhängenden Matte dumpf hervor – »ich habe Nichts zu fürchten, und nur als Begleiter dieser Weißen trage ich die Waffe – kein Freundesblut klebt an meiner Hand, und daheim in meinem Pah stehen die Schädel meiner Feinde – ein Maori ist sicher!«