Metcamp hätte allerdings lieber eine freundlichere Antwort der Tochter, wenigstens keine so ganz bestimmt abgeneigte gehabt; da es aber nun einmal nicht anders ging, schien er sich auch hineinzufinden, hoffte durch Freundlichkeit zuerst ihr Wohlwollen, dann vielleicht ihre Liebe zu gewinnen – wenigstens sagte er das dem Vater, – und beschloß jeden Falls an demselben Abend an dem er den Brief erhalten, eine Art Fest zu geben, wozu sämmtliche Bewohner der Ansiedlung eingeladen wurden, und was er dadurch zu einer Art Verlobungsfest zu stempeln gedachte.

Der Abend kam heran und das Gerichtshaus (ein leer stehendes und aus Stämmen roh aufgeführtes Gebäude, das in früherer Zeit einmal zu einer Gerichtssitzung gedient, und davon den Namen, und später auch noch das Versprechen erhalten hatte, bei nächster Gelegenheit zu einer Schule benutzt zu werden, jetzt aber nur zur Aufbewahrung des Mais diente), war zu dieser Begebenheit gar festlich und brillant hergerichtet. Viele Pfund Wachslichter – aus dem rohen gelben Wachs gegossen, wie es die Jäger den gefällten Bienenbäumen entnehmen – erleuchteten den ziemlich großen Raum, der Boden war von allen Maishülsen gereinigt und rings herum Bänke gestellt für die Damen, wie auch ein Tisch mit einem Stuhl oben darauf in die Ecke geschoben, auf dem der einzige Musikant – ein Violinspieler – seinen Sitz nehmen sollte. Kurz, es war Alles nur Mögliche angewandt, den Raum so behaglich als möglich zu machen, und wer am späten Abend die Fröhlichkeit der äußerst zahlreich versammelten Gäste gesehen hätte, wäre gewiß mit dem Resultat zufrieden gewesen.

Nur Betsy war traurig – sie dachte an ihren armen Ben, der jetzt wahrscheinlich draußen allein im Walde herumirrte, und wollte nicht Theil nehmen an Tanz und Lustbarkeit. Nur mit Mühe wurde sie in den Tanzsaal selber gebracht, dort aber wies sie jede Aufforderung auf das entschiedenste zurück, und blieb ruhig, dem fröhlichen Treiben zuschauend, auf ihrem gleich im Anfang eingenommenen Platz.

Benjamin Holik war aber nicht draußen im Wald, wie sein armes, hier in der lustigen Schaar nur um so viel betrübteres Liebchen in ihrem Schmerz geglaubt. Der alte Sutton hatte ihn sogar, wie sich das übrigens von selbst verstand, da man Niemanden ausschloß, noch besonders dazu eingeladen, Ben jedoch die Einladung abgelehnt.

In der Nähe mußte er aber doch weilen – geschäftige Freunde brachten ihm bald die Nachricht daß es ein Verlobungsfest sein werde, was man hier feiern wolle, und er gedachte erst doch noch einmal zu sehen, mit eignen leiblichen Augen zu sehen daß ihn Betsy – seine Betsy auch wirklich ganz und gar vergessen habe und dann – ei dann zog er nach Texas. – Onkel Sam warb gerade für den beginnenden Krieg, und solche Leute wie er war – Ben brauchte keinen Spiegel sich das selber zu sagen – fanden rasche und freudige Aufnahme im Dienst.

Scheu und furchtsam, daß ihn Niemand erkenne und seinen Schmerz errathe, umschlich er wohl eine Stunde lang das Haus und horchte den munteren, kreischenden Tönen der Violine. Näher hinan zu gehen daß er einen Blick hineinwerfen konnte, mochte er nicht. Da kamen endlich ein Paar seiner Bekannten aus dem Haus heraus, blieben vor der Thür stehen und schritten dann zusammen dicht an dem Orte vorüber wo sich Ben versteckt hielt, ihren Wohnungen zu.

Ben drückte sich, so gut das gehen wollte, hinter den Stamm eines dort stehenden Hickory und der Eine der Männer sagte, als sie eben dicht neben ihm waren:

»Betsy hat doch, so lange ich im Haus war, keinen Schritt getanzt.«

»Den ganzen Abend noch nicht, und hat es ein für alle Mal rund abgeschlagen, erwiederte der Andere – ich glaube noch nicht einmal daß sie ihn nimmt.«

»Ah, bah – sagte der Erste wieder – da müßte man die Mädchen nicht kennen – der hat Geld, und da –«