Die weiteren Worte wurden in der Entfernung unverständlich, aber was brauchte Ben auch noch weiter zu hören. Das letzte war schändliche Verleumdung.
»Noch keinen Schritt getanzt,« jubelte der junge Jäger in sich hinein – »also doch nicht falsch, doch nicht treulos, doch ihren Ben noch nicht vergessen – aber – was kann's Dir auch helfen armer Ben – Du hast doch kein Glück – Betsy ist doch für Dich verloren – und wenn sie Dich nicht vergessen könnte – ach dann wär's nur so viel schlimmer für sie – Besser für Dich selber aber nimmer und nimmer.«
Die Büchse, die er nicht weit von da in einem dichten Busch hineingestellt, hob er vom Boden auf, noch einen Blick nach dem hell erleuchteten Hause warf er zurück, und still und schweigend wanderte er den Fußpfad entlang dem nächsten Hügelrücken zu. – Es litt ihn – die Nacht wenigstens – nicht in der Ansiedlung, und er wollte draußen am Feuer schlafen.
Ein Platz war endlich an einer klaren Quelle, die hier dem felsigen Boden rein entquoll, bald gefunden, eine Flamme entzündet, und in die Decke gehüllt lag er, den Kopf auf einen untergeschobenen Stein gelegt, und schaute sinnend und ernst zu den freundlich auf ihn niederblitzenden Sternen empor.
Im Wald war es merkwürdig still, selbst die Frösche quakten nicht so toll und wild durcheinander, wie er das sonst wohl gehört, den leisen Schritt des Opossums, das zu nächtlichem Hühnerraub nach den bewohnten Ansiedlungen schlich, konnte er deutlich und bestimmt hören, und dort hinten – er hob den Kopf und lauschte einen Augenblick – wahrlich es war ein Wolf, der weit drüben auf dem scheidenden Gebirgsrücken sein klägliches Abendlied heulte.
»Winsle nur, Bestie!« murmelte er endlich und sank in seine frühere Stellung zurück, »winsle, aber bleib mir außer Schußnähe; auf Deines Gleichen und auf – noch Einen, hätt' ich besonders heut Abend Appetit.«
Eine halbe Stunde lag er wohl so noch, und suchte seine Gedanken wieder auf die früher durchträumten Pläne zu richten – es war aber nicht möglich – das immer näher und näher kommende Geheul des Wolfes lenkte seine Aufmerksamkeit immer wieder dort hin, und jetzt – alle Wetter, das war gar nicht so weit entfernt – antwortete eine andere Stimme aus einer hinter ihm liegenden Schlucht, wo auch, wie sich bald auswies, das ganze Rudel steckte.
Er sprang rasch von seinem Lager auf und griff nach der Büchse; der Mond stieg eben hinter den düstern Schatten der fernen Bergesketten hell und freundlich empor – die alte Jagdlust erwachte und verdrängte, für den Augenblick wenigstens, jeden anderen Gedanken.
Er befand sich auf einem äußerst günstigen, ziemlich offenen und vom Mond hell beschienenen Fleck und zwar gerade mitten zwischen dem Rudel und dem vereinzelten, jetzt zu diesem zurückkehrenden Wolf – das Feuer war niedergebrannt, und die noch glimmenden Kohlen schreckten die Bestien auch nicht ab, da fortwährend brennende Stämme im Wald liegen und Hirsch und Wolf daran gewöhnt sind Feuer auf ihrem Pfad zu finden. Ein vom Winde niedergeworfener Stamm der die Höhe hinunter, nach dem Thale zu lag, gewährte ihm dabei einen trefflichen Hinterhalt. –
»Wart Kannaille, murmelte er, griff seine Büchse auf und glitt hinter den Stamm – komm mir nur aus dem Busch vor, und freu' Dich dann auf Ben Holiks Kugel.«