Der Eigenthümer dieses Platzes mußte augenscheinlich erst seit kurzer Zeit hierher gezogen sein und die Urbarmachung des Bodens begonnen haben, was auch noch überdieß ein dicht am Hause stehender, mit Leinwand bespannter Wagen bewies, der wohl, nebst einem nicht sehr weit von ihm entfernten Karren, sämmtliche Habseligkeiten des Farmers in dessen neue Waldheimath eingeführt hatte.
Die Sonne schimmerte eben noch mit ihrem rothen Gluthenlicht durch die Wipfel der Bäume, als sich ein Reiter, auf kleinem indianischen Poney, einem schmalen Kuhpfad folgend, dem Platze näherte und endlich gerade da die Lichtung erreichte, wo Stämme und Aeste am tollsten umhergestreut lagen. Wenige Secunden hielt er auch wirklich sein schnaubendes Pferd an, und schien sich in den Steigbügeln hoch emporrichtend, nach irgend einer Oeffnung zu suchen, durch die er in diese Holzmasse eindringen und das Haus erreichen könnte. Der Wunsch mochte aber wohl unerfüllt bleiben; denn, einen leisen Fluch ausstoßend, preßte er seinem Thier den einen bespornten Haken in die Flanke und setzte über die ersten, ihm den Weg versperrenden Klötze hinweg.
Das kleine muntere Pferd sah auch bald was sein Herr eigentlich beabsichtige, und daran gewöhnt Hindernisse zu beseitigen, die bei fortwährendem Reiten im Walde fast stündlich vorkommen, wand es sich mit wirklich bewundernswerther Geschicklichkeit immer näher und näher dem Hause zu, hier einen Stamm überspringend, dort vorsichtig durch wild umher gestreute und zersplitterte Aeste dahinschreitend, bis es sich plötzlich, nach einem besonders kühnen Satz über, oder vielmehr durch den Wipfel einer gefällten Eiche, so von allen Seiten eingezwängt und von wirklich unübersteiglichen Hindernissen umgeben sah, daß es ruhig stehen blieb und, in der festen Ueberzeugung sein Aeußerstes gethan zu haben, ganz geduldig erwartete was jetzt der Reiter beschließen würde, der doch eigentlich auch bei der Sache interessirt war.
Dieser aber blickte vergebens nach einem Ausweg umher und that endlich das, was er von allem Anfang an hätte thun sollen, er rief das Haus an, und zwar mit einem kräftigen, weit hinausschallenden »Halloh!«, was augenblicklich im ohrzerreißenden Chor von zehn bis zwölf Rüden bellend und heulend beantwortet wurde.
Gleich darauf öffnete sich die Breterthüre, auf deren Schwelle eine schlanke, schon etwas ältliche Matrone erschien, die rings nach dem Rufenden, freilich vergeblich, umherschaute, während jetzt die durch den Anblick der Herrin immer noch mehr gereizten Hunde einen so fürchterlichen Lärm erhoben, daß er für kurze Zeit jeden andern Laut vollkommen übertäubte.
»Ruhig, Muse, ruhig, nieder mit dir, Watch, willst du still sein, Deik; Hunde, ihr bringt Einen noch zur Verzweiflung, ruhig da, hört ihr denn nicht!« rief die Frau, die Meute beschwichtigend, die sich denn auch endlich zufrieden geben wollte, als ein zweites »Halloh the house!« ihren Grimm aufs Neue erregte, der jetzt gar keine Grenzen mehr zu kennen schien.
Die Geduld der guten Frau mochte nun aber auch wohl ihr Ende erreicht haben; denn einen zum Trinkbecher ausgeschnittenen großen Flaschenkürbiß ergreifend, der in dem vollen, auf einem Gesims vor der Thüre stehenden Eimer schwamm, goß sie die klare, kalte Fluth über die Tobenden aus, die nun heulend und kläffend auseinander stoben.
Zum dritten Mal rief jetzt, diesen Augenblick der Ruhe benutzend, die Stimme ihr immer ungeduldiger werdendes »Halloh!« herüber, und nun erst ward die Matrone den Reiter gewahr, dessen Kopf nur wenig über das ihn umgebende Buschwerk hervorragte.
»Mr. Hennigs, sind Sie das?« rief sie lachend, als sie die Lage des jungen Mannes errieth, »wie, um Christi willen, haben Sie sich denn da hinein verloren?«
»Verloren?« rief dieser in komischer Verzweiflung, »ich möchte wirklich wissen, wie ich mich hier verlieren sollte; ich sitze so fest, wie der Wolf in der Falle. Wo zum Henker ist denn der Eingang zu Ihrem Haus? ich bin hier zwar auf dem Fußweg, er scheint aber nicht sehr begangen.«