»Meine gute Frau Pastorin,« bat der alte Mann bestürzt.

»Alterchen, rief aber jetzt der Schulmeister, und zog den Arm des erstaunten Küsters in den seinen; Ihr habt heute Morgen den gescheidesten Streich gemacht, der sich nur denken läßt; nun kommt aber, meine prächtige Geistererscheinung, hier ist Euer Dokument, heute Mittag müßt Ihr bei mir essen.«

»Aber Herr Schulmeister – ich begreife nicht –«

»Ist auch gar nicht nöthig, Schätzchen, – ist auch gar nicht nöthig, nur jetzt ein bischen die alten Knochen gerührt. Hurrah, Küster, ich bin so fidel, ich könnte, glaube ich, eine Menuet tanzen und mir die Melodie selber dazu pfeifen.«

Und ohne dem alten Manne auch nur Zeit zu lassen, noch ein einziges Wort an die weinende Frau zu richten, zog er ihn rasch den Gartenweg hinunter und verschwand mit ihm durch die hintere Thür.

Und die Kranke? –

Nur wenige Wochen sind seit jenem Morgen verstrichen, in der Pfarre giebts aber keine Kranke mehr – des Pastors wackere Hausfrau wirthschaftet wieder, wenn auch noch etwas bleich und angegriffen, doch mit vollen, rüstigen Kräften im Hause herum; auch der Schulmeister und Verwalter kommen, wie früher, manchmal Abends herüber und verplaudern ein Stündchen – nur Geistergeschichten werden nicht mehr erzählt, und der Küster – nimmt jetzt den Schlüssel zur Sakristei gleich Abends mit in seine Stube – damit der alte Mann nicht mehr Morgens die Treppen zu steigen braucht, sie herunter zu holen.

Schwarz und Weiß.
Aus dem Farmerleben Missouris.

Weit aus dem fernen Westen, da wo die eisgekrönten Berge ihre zackigen Kuppen in einander drängen und zweien Meeren, dem atlantischen wie dem stillen Ocean die schäumenden Quellen zusenden; weit von daher, wo er sich seine rauhe Bahn durch die entsetzlichsten Felsmassen bricht, die er entweder mit starkem Arm zerreißt, oder sich im tollkühnen Satz hinüberschwingt, um nachher, wie ob des gelungenen Wagestücks, meilenlang weiter zu tanzen und zu sprudeln, – kommt der gewaltige Missouri herab, »der schmutzige Strom,« wie ihn der Indianer des Raubes wegen nennt, den er an seinem eigenen Ufer vollführt, oder der »brüllende Strom« (roaring river), wie ihn erstaunt der Weiße taufte, als er da zuerst sein Bett erblickte, wo er Fall nach Fall, dem verfolgten Panther gleich, aus den Gebirgsschluchten sprang, und erst dort still und geräuschlos seine Bahn vollendete, als er das schützende Dickicht der Niederung erreicht hatte und nun zwischen den riesigen Stämmen des Urwaldes hin, dem starken Bruder, dem Mississippi, in die Arme glitt.

Dort nun, wo in dem Schatten der Eichen und Hickorys der wilde Wein seine mächtigen Ranken von Zweig zu Zweig schlang und in zähen Armen die stattlichen Bäume verband, während mit zwar prunkenderem Aeußeren, mit bunter schimmernden Blüthen und saftigeren Blättern, andere Schlingpflanzen ebenfalls hinaufstrebten zu den starken Aesten und sich ihnen liebend anzuschmiegen schienen, indeß doch Gift in ihren Adern floß und sie nur Macht zu bekommen suchten, das wackere Holz fest, fest zu umklammern und ihm Licht und Luft zu rauben, daß es endlich in ihrem Griff erstickte, verdorrte, – dort, in dem fast noch unentweihten Heiligthume, stand ein kleines, roh aufgebautes Blockhaus mit breitmächtigem, aus Lehm errichteten Kamine, die Nordseite dicht an den dunkeln Wald geschmiegt, dessen ungeheuere Wipfel hoch über das niedere Dach emporragten, an den drei anderen Seiten aber durch ein wahres Chaos gefällter Bäume, hoch aufgestapelten Busch- oder Oberholzes, abgeschlagener Stämme und knorriger, sich weit umher spreizender Aeste im wahren Sinne des Wortes verbarrikadirt.