»Ah, dann findet sie Vater gewiß nicht,« rief Sally bedauernd aus, »er wollte an Potters Creek hinauf und von da an links in das Thal hinüber suchen.«

»Nein, er ist wohl schon auf den Spuren,« entgegnete der junge Mann; »denn im weichen Quellboden sah ich deutlich die Abdrücke eines Schuhes.«

»Vater trägt heute seine Mocassins,« sagte Lucy, »das muß Jemand Anderes gewesen sein.«

»Dann allerdings; aber wer will denn die Pferde brauchen? ist ein Tanz irgendwo? es scheint Sie ja Alle ungemein zu interessiren, ob der Vater die Pferde findet, oder nicht.«

»Tanz? pfui, Mr. Hennigs, ich dächte doch Sie wüßten, daß wir nicht tanzen,« erwiederte ihm, etwas pikirt, die Matrone.

»Ach, alle Wetter ja, ich habe davon gehört, Sie hätten sich der »Kirche« angeschlossen und wären »religiös« geworden; Vater auch?«

»Noch nicht,« entgegnete, mit einem tiefheraufgeholten Seufzer, Mrs. Draper, »wir wollen aber morgen früh zur Campmeeting, und davon hoffe ich das Beste: der liebe Gott wird ihn ja wohl erleuchten, daß er den rechten Weg findet.«

»Das wird er, das wird er, Mrs. Draper, ob aber auf solche Art, bezweifle ich fast; der alte Herr trinkt gern sein Gläschen, und wenn ihm einmal etwas in die Quere kommt, ih nun, dann flucht er auch wohl ein Bischen, und ich glaube kaum, daß er sich das so leicht abgewöhnen wird. Wozu braucht er aber auch wirklich zu einer »Kirche« zu gehören? 's ist so ein herzensguter alter Mann, wie nur je Einer seine Sohlen in den Missouri-Bottom drückte, er thut ja keinem Menschen etwas zu Leide.«

»Wir sind Alle Sünder, Mr. Hennigs,« sagte die alte Dame sehr ernst, »und mein armer Mann besonders, er schwört und flucht, genießt geistige Getränke und hat neulich den reisenden Prediger, der bei uns übernachtete und die Gebete las, einen Hypokryten genannt, ja sogar gelogen, als er während des Gebetes aufstand und, Nasenbluten vorschützend, das Haus schnell verließ; ich habe später das Tuch untersucht, es war nicht ein einziger Blutfleck darin, und der arme Fremde wartete eine volle halbe Stunde mit dem Gebet, ehe er fortfuhr, damit der böse Mensch keinen Vers des heiligen Wortes versäumte.«

Hennigs lachte laut auf.