»Derselbe, derselbe; sein Rücken ist noch jetzt blutig und zerfleischt, die Narben hatten noch keine Zeit, wieder zu heilen, der arme Teufel konnte Tag und Nacht kein Auge schließen vor Schmerz und Qual und – mußte dennoch arbeiten; Donnerwetter, Alte, wo ist denn eigentlich der Whiskey,« unterbrach er sich plötzlich und bog sich nieder, um unter den Fuß des Bettes zu sehen, wo die fragliche Steinkruke gewöhnlich ihren Platz hatte, »ich bin trocken wie eine Ohio-Chaussee, ich staube ordentlich. Glaubt ihr, man soll euch die Pferde suchen, und nachher nicht einmal einen Tropfen trinken? Ich verdurste, wenn ich nicht bald etwas bekomme!«
»Vater hat wohl die Pferde gesucht, hat sie aber noch nicht gefunden,« sagte Sally, und schöpfte dabei, als sie eben in die Thüre trat, den Flaschenkürbiß voll des klaren Quellwassers, das in einem Eimer auf dem dort angebrachten Regale stand.
»Ist mein kleiner Kiek in die Welt auch schon wieder da?« lachte der Alte. »Also, weil ich sie nicht gefunden habe, braucht' ich auch nicht trocken im Halse geworden zu sein? und Wasser soll ich trinken? Wettermädchen das, folgt der Alten aufs Haar. Nein, Kinder, einen Schluck Whiskey muß ich vorher aufsetzen, aber laß nur das Wasser hier, Sally, zum Nachtrinken giebt's nichts Besseres auf der ganzen Welt.«
»Bester Mann,« bat Mrs. Draper, »ist nun das klare, liebe Himmelsgetränk nicht viel besser und zweckmäßiger, selbst den brennendsten Durst zu löschen?«
»Liebe, beste Frau,« entgegnete ihr Draper, während er von der ihm gereichten Kruke den, aus dem holzigen innern Theil eines Maiskolben bestehenden Stöpsel abzog und dann etwas von dem goldklaren Inhalt in den großen, vor ihm auf dem Tische stehenden Blechbecher ausgoß, – »das Wasser ist eben ein Himmelsgetränk, wie Du ganz richtig bemerkst, für uns arme Sterbliche aber müssen wir etwas Feurigeres, Herz und Seele mehr Zusammenhaltendes haben, und da hat denn der liebe Gott den Whiskey erschaffen.«
»Den hat der Teufel erschaffen!« rief Mrs. Draper lebhafter, als es sonst gewöhnlich ihre Art war, »das ist des Teufels Erfindung.«
»So? in der That? – dann bin ich dem Teufel wirklich mehr verbunden, als ich bis jetzt habe glauben mögen; die Erfindung macht ihm alle Ehre, und söhnt mich theilweise wieder mit ihm aus,« sagte der unverwüstliche Draper mit größter Ruhe, und leerte etwa die Hälfte des Inhalts, wornach er den Rest an Hennigs hinüber schob. Dieser aber zögerte, ihn anzunehmen, und blickte sich halb unschlüssig nach Lucy um.
»Lucy sieht nicht her!« neckte ihn Sally, der des jungen Mannes Verlegenheit keineswegs entgangen war, »Sie können's riskiren.«
»Laßt Euch durch die Frauen nicht irre machen, Hennigs,« ermahnte ihn der Alte, »wenn ich denen glauben wollte, dann wäre das gute Getränk hier vor uns ein Haken, und meine Kehle ein Arm, die mich selbander und mit vereinten Kräften in den Pfuhl der Hölle hineinrissen; so hat's ihnen wenigstens neulich der Presbyterianer erklärt.«
»Du bist ein böser Mann, Draper, und drehst Einem immer die Worte im Munde herum,« sagte die Matrone, reichte aber dem Gatten dabei freundlich die Hand hinüber: »Du weißt ja doch recht gut, wie ich's meine, und daß es nur immer Deines eigenen Besten wegen ist, wenn ich ein Wort einwerfe über Dein –«