»Wo ist denn »Kurfürstens Hof?« frug ein junger Mann in schwarzer Sammtmütze und blauer Pekesche den vorbeistürmenden Kellner, als er eben den oben angeführten Satz seinem, mit ihm an ein und demselben Tisch sitzenden Freunde vorgelesen hatte.

»Elbberg,« rief der Schooßlose und drängte sich, die ganze Hand voll Bierkrüge, wobei er an jedem Finger wenigstens drei zu tragen schien, durch ein eben eintretendes Rudel neuer Gäste, die früher erhaltenen Aufträge zu erfüllen. Weitere Aufklärung war augenscheinlich von diesem hochfrisirten Ganymed nicht mehr zu erlangen; vom nächsten Tisch aber bog sich sehr artig ein alter Herr in schneeweißen Haaren und grüner Brille herüber und erwiederte auf die, wenn auch nicht an ihn gerichtete Frage:

»Unten, nicht weit von der Elbe, auf dem sogenannten Elbberg, dort kann Ihnen jedes Kind das verlangte Haus zeigen.«

Der junge Mann dankte und wandte sich wieder an seinen Gefährten, der indessen ebenfalls das Blatt genommen und die kurze Anzeige gelesen hatte.

»Da müssen wir auf jeden Fall hin, Osfeld; es wird auch die höchste Zeit sein, denn es hat schon acht geschlagen.«

»Wir kommen noch früh genug,« meinte Osfeld, »ich bin schon mehrere Male bei Magnus gewesen; er beginnt selten vor halb neun Uhr.«

»Und wie ist's mit der Toilette? wird da nicht ein alter Rock und eine etwas vom Wetter mitgenommene Mütze nothwendig sein? – ich bekomme nicht gern Schläge.«

»Unsinn,« lachte Osfeld – »so schlimm ist's nicht, wir finden dort ganz nette Leute; höchstens werden die, welche bei ernsthaften Scenen zu viel lachen, oder sich sonst unnütz machen, hinausbefördert.«

»Also ein einfaches Ausweisungsprincip für mißliebige Personen,« sagte der Erste, den wir Wehrig nennen wollen – »dagegen läßt sich Nichts thun, denn das ist ein Erbfehler, dem wir armen Menschenkinder nun einmal unterworfen sind; schon Adam mußte sich das gefallen lassen.«

»Das soll aber auch mit Adam noch eine ganz andere Bewandtniß gehabt haben,« meinte Osfeld, während er seinen Hut vom Nagel nahm und den Rock zuknöpfte. »Adam hat, wie sich jetzt ziemlich deutlich herausstellt, auch wissen wollen, weßhalb er nicht von dem Baume der Erkenntniß essen solle, und eine solche Neugierde läßt sich ja bei uns nicht einmal ein Bürgermeister gefallen. Hier ist übrigens keine Gefahr – ich kenne die Leute recht gut.«