»Ich ooch niche!« erwiederte eine andere, vom entgegengesetzten Ende des Saales – »und bei mir machen se punkt zehne die Bude zu.«
»Sie können ja immer anfangen,« schlug ein Bäckergesell vor – »wenn de Garderobe nachen kimmt, werfen Sie die paar Lumpen schnell iber.«
Noch mehrere solche gutgemeinte Rathschläge wurden laut, und der Director war eben wieder achselzuckend und seitwärts in den linken Baumwipfel verschwunden, als der rettende Engel, in Gestalt eines vierschrötigen Hausknechts, erschien, der in einem mächtigen Tragkorb die so heiß ersehnten Costüme herbeischaffte. Mit der Garderobe kam denn auch ein regeres Leben in die Garderobe, und kaum eine Viertelstunde später tönte die helle Klingel – Alles schwieg und – auf rollte der Vorhang.
Krach!
»Ach Herr Jeses!« schrieen eine Menge Frauenstimmen, als der Schuß – so fast mitten unter ihnen – fiel; bald war aber jeder etwa empfundene Schreck über das imposante Schauspiel vergessen, das sich jetzt, im eng zusammengedrängten Raum ihren Blicken bot.
Rechts am Tische saß Max, in grüner Jagdkleidung, der Scheibenkönig, dem zwei[7] Bauern in langer Reihe folgten, trat auf, und verhöhnte den unglücklich gewesenen Jäger.
[7]: Auf Magnus Theater dürfen, wie bei jener Kaffeegesellschaft, nur immer viere auf einmal reden – d. h. es ist ihm untersagt, mehr als vier Personen zu gleicher Zeit auf die Bühne zu bringen.
Die Scenerie war Wald – und zwar der Hintergrund aus hellbraunen in ungeheuerer Perspective immer kürzer und kürzer werdenden Stämmen bestehend, die jedoch, wunderbarer Weise, ihre natürliche Dicke beizubehalten schienen. Rechts befanden sich ebenfalls zwei Waldcoulissen, links aber und ganz vorn, stand ein vierstöckiges, wunderbar gelbes Haus, an welchem wiederum ein in der dritten Etage ausgeschobenes – zwei Etagen langes Schild mit einem halbgefüllten Bierglas darauf, verkündete, daß diese Waldwohnung ein Wirthshaus sei.
Die nächsten Scenen gingen ziemlich ruhig und ohne irgend etwas Auffallendes vorüber – Max schlug sich mit zwei Bauern herum, der Erbförster kam dazu, erzählte seine alte Geschichte, und wurde, als auch er die Scene verließ, von Caspar ersetzt, der jetzt, ohne die mindeste vorherige Warnung, sein Trinklied: »Hier im ird'schen Jammerthal« allerdings mit dem Originaltext, aber auch wirklich nach Original-Melodie, anstimmte; dann schüttete er dem Max ein Viertel Pfund gestoßenen Zucker in den Wein, während dieser am Tische saß, übrigens – seiner Rolle getreu, da er das nicht sehen durfte, – den Kopf wegwandte, und nun kam die Scene, wo der junge Schütze den Adler »aus hoher Luft« schießen sollte.
Eine wunderbare Veränderung war aber indessen, und zwar mit Zauberschnelle, im Gemüthe des Max vorgegangen. Das Textbuch sagt nämlich: