Diese Ankündigung und der Lärm war jedoch Alles, was man von der Existenz desselben erfuhr, denn nach dem Verplatzen der Schwärmer hatte sich eine solche ägyptische Finsterniß auf der Bühne gelagert, daß man von den kleinen Pappfiguren, die in diesem Augenblick aller Wahrscheinlichkeit nach über die Scene gezogen wurden, auch nicht die Spur erkennen konnte.

»Sieben!« rief Caspar – in der Dunkelheit umhertappend – und jetzt kam der Schlußeffekt des Ganzen. Der unbekannte Feuerwerker, der auf diesen Moment sicherlich schon sehnsüchtig gewartet hatte, schüttete plötzlich in boshafter Schadenfreude einen förmlichen Sprühregen lodernder Wergkugeln über den unglücklichen Jägerburschen aus – Max fiel auf die Pflastersteine – Agathe hob das heruntergefallene Licht wieder auf, und steckte es hinter die Eule, Samiel trat mit einem großen Schritt auf die Mitte der Bühne, und entzündete hier mit gewandter Hand den Drehschwärmer, der sein Feuer rücksichtslos umhersprühte, die unbekannten Thierstimmen mit Peitschenknallseinsollendem Indiehändeschlagen wurden wieder hörbar und unter dem donnernden Jubelruf der Menge fiel der Vorhang.

Auf der Bühne schienen aber trotzdem die Spielenden ihre Rollen noch nicht beendet zu haben, denn kaum war mit dem Fallen der bunten Leinwand dem Publicum der Anblick sämmtlicher Schrecknisse entzogen, als auf der rechten Seite die Wald-Vorhänge zurückgerissen wurden, und mit Blitzesschnelle das kleine dürre Männchen hervorglitt, das Wehrig früher schon als Feuerwerker aufgefallen war. Seine Eile erschien übrigens vollkommen gerechtfertigt, denn dicht hinter ihm, und als er eben mit unbeschreiblicher Gewandtheit zwischen den Füßen der noch immer der Bühne Zugedrängten, verschwunden war, fuhr ein fürchterlich bemaltes roth erhitztes Gesicht, zum Entsetzen einiger friedlichen postirten Dienstmädchen, aus der Walddecoration hervor, und die funkelnden, rachesprühenden Augen sprachen ganze Bände. Caspar durfte sich aber jetzt unmöglich schon wieder unter dem Publicum zeigen, es hätte die schöne Illusion zu sehr zerstört – einen bittern Fluch also nur dem nachschickend, der ihn – überdieß, schon von dem Höllenfürst bedrängt – so schwer geärgert hatte, zog er den Kopf wieder zurück und das »Blättermeer« schloß sich über ihm.

So schnell die Erscheinung jedoch auch wieder verschwunden sein mochte, so war sie doch nicht unbeachtet vorübergegangen, und von Mund zu Mund lief der Ruf –

»Du – hast 'en gesehn? das war der Caspar!«

»Herrliches Jagdwetter heute!« wer kennt nicht den Anfang des letzten Aktes – die Jäger traten auf. Waren aber die Spielenden schon im ersten Akt über das confus gewesen, was ein Jeder zu sagen hatte, so nahm dies jetzt wirklich auf eine an das Wunderbare grenzende Weise überhand, und Keiner wußte mehr, mit welchem von ihnen der Souffleur sprach.

So hatte, zum Beispiel, in der Scene zwischen Max und Caspar, jener diesen um seine letzte Freikugel gebeten, Agathe soufflirte aber nun schon zum fünften Mal, und zwar mit lauterer Stimme: »Schuft!« aus der ersten Coulisse heraus, und Max that noch immer nicht, als ob ihn die Rede überhaupt etwas anginge, so daß dadurch Caspar verleitet wurde, den Kameraden so gröblich zu beleidigen und dieser nun zornig abging.

»Chor singen – Chor singen!« schallte es jetzt wieder und zwar ziemlich dringend, aus dem Publicum heraus – »Chor singen!« tönte es von allen Seiten wieder, »Jungfernkranz singen – Jägervergnügen singen! – auf dem Zettel steht ChorChor!« rief und schrie es durcheinander.

»Bin doch neugierig,« sagte Osfeld, »wie sie da drinnen den Chor zu Stande bringen werden – komm, wir wollen einmal zusehen, vielleicht können wir helfen!«

»Mir recht,« lachte Wehrig, »es ist überdieß nicht gut, daß der Baß sonst gewöhnlich beim Jungfernkranz fehlt.«