»Ja, ja – es thut weh – recht weh – dagegen kommt's aber doch nicht auf, wenn man draußen stehn und den Hanswurst machen, tanzen, springen und tolle Späße reißen muß – und daheim dann indessen die Frau auf dem Stroh liegt.«
»Und das haben Sie gethan?«
»Der Mensch kann viel ertragen,« fuhr der Director fort, indem er das Hackebret wieder in den Kasten legte – »leben, mein Gott, leben wollen wir ja Alle – ich habe sieben Kinder.«
»Bringt Ihnen denn das Theaterspielen auch so viel ein, daß Sie davon leben können?« frug Wehrig.
»Im Winter, ja – wenn nur die langen Sommerabende nicht wären – da aber einen ganzen Abend Komödie zu spielen und nachher – es ist schon da gewesen, vier Pfennige auf den Antheil heraus zu bekommen, da reicht's denn freilich nicht einmal für trocken Brod aus.«
»Warum ergreifen Sie aber nicht etwas Anderes, verstehen Sie keine Profession?«
»Ja – aber das ist zu spät!« seufzte Jener, »ich bin alt und schwächlich – würde auch keine Kundschaft mehr bekommen.«
»Dann sollten Sie sich aber wenigstens bemühen, Ihr Theater so viel als möglich zu verbessern. Eine erhöhte Bühne würde Ihnen zum Beispiel einen viel größeren Zuhörerkreis sichern, weil dann auch die weiter Zurückstehenden im Stande wären, von den Schauspielern mehr zu sehen, als eben die Köpfe.«
»Ja, wenn ich das dürfte!« erwiederte der Director, »das ist mir aber polizeilich verboten – warum? weiß der liebe Gott; sie können doch unmöglich fürchten, daß ich dem Hoftheater Schaden thue. Auch darf ich nie mehr wie vier Personen auf einmal draußen stehen lassen – da kriecht immer so ein oder der andere Polizeidiener hier herum, und neulich, wo einmal aus Versehen fünfe geblieben waren, zeigte mich der an, und ich mußte einen Thaler und fünfzehn Neugroschen Strafe bezahlen – das schmerzt. Ein und zwanzig Groschen hatten wir im Ganzen eingenommen, und nun noch der Saal und die Lichter. Ja, wenn die großen Herren da oben nur manchmal wüßten, wie ungerecht solche Strafen vertheilt sind – sie änderten es gewiß ab – denn so bös sind sie nicht, sie wissen's nur nicht. Ein Thaler fünfzehn Neugroschen – das klingt ihnen so unbedeutend – so wie gar Nichts – und dafür mußten neun Menschen zwei Tage lang hungern.«
»Läßt sich denn aber dagegen gar Nichts thun?« frug Osfeld.