»Kunibert von Eulenhorst oder der geschundene Raubritter – Ritterschauspiel in fünf Aufzügen.«
»Magnus soll leben – hoch!« jubelten ein paar Tenorstimmen – »hoch! und abermals hoch!« fiel der Chor ein, und hinaus strömte das Publicum ins Freie. – Zur Thür drängte sich die muntere Schaar, die jungen Leute, die Mädchen und das Militair, die Fischer und Handwerker, scherzend und lachend, ein Theil noch in dem Wirthshaus selber den Abend zu verbringen und auf dem schmutzigen Billiard die Kugeln hinüber und herüber zu stoßen, oder sich auch in kleinen Gruppen durch die Stadt zu zerstreuen, den eigenen ärmlichen Wohnungen zu, und von Samiel und Wolfschlucht zu träumen.
Osfeld und Wehrig aber blieben noch zurück und waren schweigende Zeugen, wie die Herrlichkeit verging, wie die Lichter erloschen – die Künstler wieder Menschen wurden. Das Komische war entschwunden und der Ernst des Lebens schaute höhnisch, wie aus einem nackten Todtenschädel hervor.
»Was macht das Kind?« frug Max, der die Jagdkleider abgelegt und nur die Reiterstiefeln noch anbehalten hatte, eine junge Frau – seine Frau, die eben zur Thür hereintrat.
»Es lebt noch,« erwiederte diese mit verweinten Augen – »wenn du's aber noch einmal sehen willst, so mach', daß du zu Hause kommst.«
»Ist Ihr Kind so krank?« frug Osfeld theilnehmend.
»Ja – ich glaubte nicht, daß ich es nach dem Theater noch am Leben finden würde« – seufzte Max aus tiefer Brust.
»Wie konnten Sie aber spielen, wenn Sie Ihr Kind zu Hause so leidend wußten?«
»Der Winter ist hart,« seufzte die Frau – »und die paar Groschen thun Noth.« Damit verschwanden die Beiden in der Thür.
Magnus sah ihnen, das Kinn in die Hand gestützt, nach; dann wandte er sich seufzend ab und murmelte – mehr mit sich selbst, als zu den Anderen redend: