[9]: Der Tabu, ursprünglich wohl ein religiöser Gebrauch, ist bei den Neuseeländern auch das geworden, was man bei anderen Völkern das Gesetz nennt, wird aber, seines heiligen und gefürchteten Ursprungs wegen, wohl um Vieles besser geachtet und gehalten, als das mit dem bloßen Gesetz der Fall sein würde. Das Belegen mit dem Tabu bedeutet eigentlich: irgend eine Sache oder Person für längere oder kürzere Zeit als geheiligt zu betrachten. Dieß geschieht durch die Tohungas oder weisen Männer. Begräbnißplätze, geheiligtes Eigenthum der Todten – Eigenthum an einem unbewohnten Ort gelassen, die Mais und Kumera (süße Kartoffel) Plantagen und andere Sachen sind unter das Tabu, oder eigentlich Tapu Gesetz (wie es die Neuseeländer härter aussprechen als die Bewohner der Sandwichs- und Marquesas-Inseln) gelegt. Oft geschieht das einem ganzen Pah (einem befestigten Ort), ebenso Häusern, Straßen und Canoes. Jemand der krank gewesen, ist bis zu einer gewissen Zeit Tapu. Das Haupt, ja oft der ganze Körper eines Häuptlings gilt dafür, – so jede Braut – und die Göttin selbst ist für Jeden, ihren eigenen Namen ausgenommen, Tapu. Sicherlich ist dieser Gebrauch für ein Volk, das keine geschriebenen Gesetze hat und kennt, höchst nützlich, ja sogar für den Schutz des Eigenthums, wie der einzelnen Personen von segensreichster Wirkung.

French Angas Life in New Zealand.

»Das ist eine sehr wunderliche Geschichte« murmelte der kleine Holländer und schüttelte dabei höchst unzufrieden, und allem Anschein nach keineswegs beruhigt, mit dem Kopf – »eine höchst unangenehme Geschichte, deren Mißlingen wir am Ende sämmtlich mit unserem Fleisch, und den Werth zwar nach Metzgergewicht bestimmt, zahlen können.«

»Hm,« meinte Tomson endlich, »das ist schon wahr – die Völker Oceaniens haben einen Respekt vor dem Tabu, der uns vielleicht vor Entdeckung sichert, aber« – und er drehte sich dabei scharf gegen den imitirten Neuseeländer herum, »was zum Henker treibt Sie denn da wieder nach Neuseeland zurück, Sir, wenn Sie doch froh sein sollten eine gehörige Quantität Seewasser zwischen sich und der ihnen so feindlich gesinnten Nation zu wissen?«

»Ja, den Grund möchte ich auch hören« stimmte Van Broon dem Seemanne bei.

»Wollen Sie mir« – frug jetzt Dumfry ohne die von ihm verlangte Erklärung geradehin zu geben – »wollen Sie mir in dem beistehen, was ich noch hier in meinem eigenen Interesse auszuführen gedenke – wollen Sie mir Ihre Hülfe zusichern, und zwar mit der gewissen Aussicht auf einen höchst bedeutenden Gewinn?«

»Donnerwetter, schießen Sie los Sir,« rief da der alte Matrose, ungeduldig werdend – »wozu denn das verdammte falsche Farbenspiel – hissen Sie, in des Bösen Namen, endlich einmal die wahre Flagge und nehmen Sie die Leinwand weg, daß man sehen kann, ob Sie wirkliche oder nur gemalte Schießluken führen. Was wollen Sie von uns, wozu sollen wir helfen?«

»Gut denn,« erwiederte nach kurzem Sinnen Dumfry entschlossen, indem er sich halb gegen Tomson hinwandte: »ich will Ihnen Alles entdecken und hoffe dann auf ihren Beistand rechnen zu können. Sie wissen Gentlemen, daß ich, als ich der Firma Bornholm die mir von Heki selbst ausgestellte Landverschreibung übergab, es sogar zur Bedingung meines Verkaufes machte, hier noch einmal nach Neuseeland, und zwar in Begleitung zweier Männer zurückkehren zu können. Die Bestimmung des Landes lieferte dazu den einen, aber nur die Firma Bornholm berührenden Grund; der andere betrifft mich selber. Wir werden, wenn auch noch einige Meilen davon entfernt, doch dem Orte gegenüber landen, wo ich früher meine Hütte errichtet; was aus dieser geworden, weiß ich nicht, ganz in der Nähe derselben liegt aber ein ebenfalls durch das Tabu geheiligter Ort, und an diesem habe ich vor meiner damaligen Flucht, alles das vergraben, was ich mir in einem zehnjährigen Aufenthalt nicht allein auf Neuseeland, sondern auch in früherer Zeit in den australischen Colonien ersparen konnte.«

»Was? ein Schatz?« frugen beide Männer rasch und verwundert!

»Still« sagte der Neuseeländer und sah sich schnell nach dem Mann am Steuer um. Der aber, doch etwas durch die plötzliche, unerwartete Bewegung erschreckt, fuhr leicht zusammen und drehte den Kopf rasch zur Seite. Dieses Zeichen der Ueberraschung war übrigens hinreichend gewesen, den Verdacht Dumfry's zu erregen und seine von jetzt an leise geflüsterten Worte riefen die beiden Männer in die Kajüte hinab, um dort die angefangene Mittheilung zu beenden.