Un das Land? – wai geschrien wos is des vor e Land – wie haißt Amerika? hätt ich doch mein Lebtag nicht gesehn Amerika – is dos auch ä Nome fir des Land? – Terkei sillts heiße oder Kosakeland aber nich Amerika. Was hob ich profitirt sait ich hier bin – frogt mich emol was ich profitirt habe? – gor nix hab ich profitirt un noch weniger. Quäker, haißts, wären lauter in Filadelphia – ich hob noch nix quäken gehört; will ich nich gesund auf meine Fiße stehn, wenn nich mehr Jüdden hier sin wie Quäker – un da soll a Jüdd was profitiren? – lächerlich.
Rumgelaufe bin ich mit en klainen Kerbche von Haus zu Haus und wos fir schaine Sachen hob ich Alles gehabt: Kemmcher, Stecknodeln, Hosenträger, Band, Litzen, Zwirn, Fingerhit, Saifen, Haaröl, Stohlfedern und was waiß ich Alles – es is ordentlich a Wunder gewese, wies Alles in dem klainen Kerbche hat Platz gehatt – und was fir Geschäftcher hab ich gemacht? – wie haißt Geschäftcher – in de klaine Haiser bin ich gewesen, sahen se alle meine Sachen – will ich nich gesund auf meine Fiße stehn, von vorn bis hinten an, un wenn se sulten kaufen, hatten sie kain Geld – un in de graußen Haiser? – geh der Edde mol in die graußen Haiser in Filadelphia – Gott der Gerechte, mit schwarze Mohren haben se mich 'naus geschmissen.
Das sin de Geschäftcher in der Stadt, un in's Land drauße? – geh der Edde wol in's Land drauße? im Wald wimmelts von wilde Katzen un Panthers un Bären, un Gott der Gerechte, was sin mit Bären für Geschäftcher ze machen? ich geh net in's Land werd ich mich fressen lassen. Un wer kennt Einen hier? – wer soll dem Veitel Credit geben? kan Mensch – der Veitel is hier gor nix – Gott der Gerechte, wär' ich in Bamberg gebliebe, un hätt' ichs Geld – will ich nich gesund auf meine Fiße stehn, wenn ich nich den Brief selber brächt.
Gott behits Mämme un Edde, wenn ich mit die zwai Ducatcher die ich noch aingenäht uffm Magen trag in vier Woche nich verhungert bin, schreib ich Eich noch e Mol wie mers geht – grißt mer de Rachel – soll se froh sein daß se is in Bamberg, un dasselbe winscht sich
Eier lieber Sohn Veitel.
Zweiter Theil.
Erster Brief.
Cincinnati, den 16. August 48.
Lieber Theodor!
Sei nicht böse, daß ich Dir so lange nicht geschrieben habe, aber, es ist hier ein gar so geschäftiges Leben, und ich selbst bin in so eigenthümliche Verhältnisse hineingerathen, daß ich selbst kaum weiß, wie ich Dir das Alles mit kurzen Worten schildern soll. Auch bei Euch daheim sind, wie ich höre, indessen große Veränderungen vorgegangen; nun, seid nur vorsichtig in der Gründung einer Republik und nehmt Euch Amerika zum Muster – d. h. wie Ihr Vieles nicht machen sollt.