Den Brief für mich schickt nur nach der Stadt Vincennes in Indiana, da hol ich ihn mir schon ab, ihr müßt aber meinen Namen englisch darauf schreiben, liebe Eltern, wie sies hier machen. Der Amerikaner wird mirs hier drunter schreiben wie es sein soll.

Mr. Traugott Erdmann
to be left at Vincennes post office

I–a    U. S.

Sechster Brief.

Indiana den 15. August 1848.

Mein herzlieber Carl.

Ich hatte geglaubt Dir um diese Zeit, und wenn auch nur wenige Monat verflossen waren, schon einen Bogenlangen Brief, mit lauter Jagdabenteuern gefüllt, schreiben zu können, aber Du lieber Gott, wie hab' ich mich hier in der Amerikanischen Jagd geirrt. Fast schäm' ich mich auch, Dir in allen Stücken, besonders was meine eigenen Erlebnisse betrifft, die volle Wahrheit zu schreiben, aber – es kann doch nichts helfen, es muß heraus, am Ende kämst Du sonst selber, von meinen früheren Schilderungen verlockt, und mit den Hoffnungen müßtest Du Dich in einem Paradiese enttäuscht finden.

Um also das Fatalste gleich von vorn herein los zu werden, will ich auch ohne Weiteres mit dem beginnen. Denke Dir, dieser einfache ehrliche Farmer, den ich für so unschuldig hielt, daß ich mich fürchtete den Handel mit ihm abzuschließen, weil ich mich der Sünde scheute ihn zu übervortheilen – dieser gutmüthige Bursche, dem ich noch, um ihn ja in jeder Hinsicht zufriedenzustellen, eine wundervolle, – Esel ich – Büchse für 60 Dollar kaufte, war – ein abgefeimter Hallunke, ein ächter Yankee und Betrüger. Der Lump hat mich mit einem erbärmlichen Improvement für 250 Dollar angeschmiert, das ich hier mit größter Bequemlichkeit an jedem Tage für 50 Dollar kaufen könnte. Doch das ist das wenigste, das verzieh ich ihm gern, es wäre ein kleines Lehrgeld, wenn all seine sonstigen Aussagen nur auf Wahrheit begründet gewesen wären, aber beim Himmel, der Kerl hat kein wahres Wort über die Zunge gebracht, und ich glaube meiner Seele, er lügt sogar im Traume.

Daß er Bären aus seinem Küchenfenster schießt, ist aus zwei Gründen unmöglich – erstlich hat er in dem Haus gar keine Küche, denn das was die Leute hier Küche nennen, ist nur ein Schuppen und hat wieder gar kein Fenster, und dann – wenn wirklich Küche und Fenster da wären, – giebts keine Bären. Keine Bären? – rufst Du erstaunt, das ist aber noch nicht Alles – auch keine Hirsche, Panther, Truthühner und wie das Zeug sonst alles heißen sollte, was hier, des alten Jägers Aussage nach (soll mich der Böse holen wenn ich jetzt glaube, daß der Kerl überhaupt ein Jäger war) den Wald förmlich durchwimmelte. Opossums oder Beutelratzen schießen sie hier manchmal - ekelhaftes Zeug, das hauptsächlich vom Aas lebt, und das man auch oft mit dem Stocke todt schlagen kann, also gar kein jagdbares Wild. – Truthühner lassen sich in der That manchmal blicken, auch kommt zu Zeiten ein Hirsch in die Nähe der Farm, doch, Du lieber Gott, da kann sich Einer die Beine ablaufen, ehe er von denen nur etwas zu Gesicht bekommt.

Du kannst Dir übrigens einen Begriff machen wie die Jagd hier bestellt ist, wenn ich Dir einen kleinen Auszug aus meinem, wie Du sehn wirst, sehr hoffnungsvoll angelegten Beuteregister mittheile; ich thue das übrigens auch mehr mir zur eigenen Strafe, als Dir zur Erbauung, denn ich habe mich im vorigen Monat, trotz all der gemachten Erfahrung, doch einmal wieder nach Canada hinauf zur Bärenjagd sprengen lassen, und natürlich weder etwas geschossen, noch überhaupt gesehen:

BärenPantherBüffelHirscheFüchseTruthühnerAnderes Wild
1117 Prairiehühner.
20 Rebhühner.
13 Kaninchen.