Guter Edde und allerbeste Mämme.
Gott der Gerechte was is das vor a Land, Edde? Nehmt de Mämme und den Schmul und den Moses und de Rachel, und bringt se so schnell ihr kennt nach Amerika. Wie haißt Amerika – Canaan sillts haiße – soll mer Gott helfe und will ich nich gesund auf meine Fiße stehn. Seekrankheit? – wie haißt Seekrankheit? – Cholera, s' böse Wesen und die Pocken – Alles wär net ze viel wenn mer nur kennt damit komme nach Amerika.
Was ich for Geschäftcher gemacht hab, sait ich in Amerika bin? – frog mich der Edde mol noch meine Geschäftcher – bin ich jetzt drei Monat in's Land gewese und was hab ich verdient in die drei Monat? – will ich nich gesund auf meine Fiße stehn – 700 baare Dollars klingende Münze hab ich verdient, un womit hab ich die Geschäftcher gemacht, mechte der Edde wissen? mit klaine winzig klaine Paket'ger hob ich se gemacht, un nur getauscht hab ich Silber mit Silber wie en ehrlicher Mann.
Nu die Geschicht is gar ainfach – hab ich mich doch geferchte in Anfang in 'en Wald ze gehn, aus Forcht vor die wilde Katzen und Bären. – Wie haißt wilde Katzen – will ich nich gesund auf meine Fiße stehn wenn ich nich schon drai Monat im Lande 'rim handle und noch nich gesehn habe an ainzige wilde Katz, vielweniger en Kater. Aber was sin das vor Menschen hier im Land, in Pensilvanien und Ohio und in Indiana und Kentukki? – Gott der Gerechte, Menschen sind's wie die Kinder, so unschuldig wie die Täubcher. Die Mämme hätt' ihre Fraid gehabt, wenn se's hette sehn kenne, wie se den Veitel getracktirt haben un in was ver schaine Betten er geschlofen hat. Und mit was hat der Veitel hauptsächlich gehandelt? – Fragt ämol den Veitel mit was er gehandelt hat? – mit Juwelen Bischutterie und silberne Leffeln hat er gehandelt, will ich nich gesund auf meine Fiße stehn, wenn er nich gehandelt hat mit Bischutterie und silberne Leffeln.
Aber den Edde muß ich vorher in's Gehaimniß lasse – das Englisch is nemlich a ganz firtreffliche Sprach – un 's drickt die Sach so gnau aus, wo's sie beschreibt, daß mer's im Dunklen erkennen kennt. In Daitschland haißt's Argentan oder Neisilber – wie haißt Neisilber – was thu ich demit ob's nei oder alt is? wos vor a verständiger Mann is devor der Amerikaner – der nennt's deitsches Silber, Dschermen Silwer wie se hier sagen, un wenn ich gekommen bin zu die Lait und hab ihne gebracht Leffeln von Dschermen Silwer so habe se mich gewehnlich gefragt – wie haißt Dschermen Silwer – is das was besonderes oder was anderes als Amerikanisches Silber? »Gott der Gerechte« hab ich denn aber gesagt – »muß doch Silber haißen wenn es in Dschermani is, Dschermen Silber und wenn es in Amerika is, Amerikanisches Silber, will ich nich gesund auf meine Fiße stehn, wenn da waiter en Unterschied is als der Prais – wir Deitsche nehmen mit wenig Verdienst vorlieb – aber mer sin reell.« Gott der Gerechte sill mer beistehn wann ich nich habe gehabt 700 Procentchen un die ainzige Unbequemlichkait in der waiten Gotteswelt, daß ich nich bin wieder gekommen ganz genau in die Gegend.
Un hab ich immer geglaubt, 's wär ä Unglick daß uns Kainer kennt hier und mer net Credit hättet – wo so Unglick g'rod des Gegenthail ist's – Gottes Wunder was wir Jüdden hier vor en Credit haben – 's geht ins Hebräische hinain und immer waiter, immer waiter. Im Anfang en klans bissel un nachher immer greßer und der Itzig Löwenhaupt hat schon 5 Städte, wie er sogt, wo er nich mehr hinkommen derf, bei mir fangts aber erst an un der Itzig is schon a angesehener raicher Mann.
Gott der Gerechte, wenn ich doch de Rachel hier hätte, was hat mer hier en Feld vor Geschäftcher, und den Edde und die Mämme aber se alle missen noch her kommen nach Amerika. – Wie haißt Bamberg? – was thu ich mit Bamberg –? net abgemolt mecht' ich sain in Bamberg.
Un frogt ämol den Veitel wo er sain klan Kerbche hindahn hot, mit dem er is schachere gange, un wo ihn die Lait haben uf die Stroß gesetzt, geschwinder als er is hinain gekomme? – Gottes Wunder, wie haißt Kerbche jetzt? un der Veitel hat ä klan's Wägelche un ä lebendiges Pfärd, un oben druff sitzt er mit seine Packjes und kutschirt im Lande herim wie ä Färscht – frogt ämol den Veitel wo er sain klan Kerbche hindahn hot.
Gott behit's Edde und Mämme – macht Eich kaine Sorg' um den Veitel, es geht Eirem Jingelche gut – so grißt mer de Rachel un der Simon soll riber kommen mit sain klain Handel und der Stern und der Rosengarten – aber sogt en nix von die Leffeln, Edde – wo ich gewese bin kenne se doch nix verdiene un setzen sich nur Unannehmlichkeiten aus – und wo ich nich gewesen bin – Gottes Wunder, was brauch ich do den Stern und den Simon und den Rosengarten? do geh ich selber hin.
Gott behits noch e mol, Edde und Mämme und es grißt Eich herzlich