Jener, die Seichtheit des Wassers fürchtend, in welchem er, wenigstens an dieser Stelle, nicht wagen durfte zu tauchen, schien schnell entschlossen das andere Ufer des Flusses zu erreichen, und ehe Merville, der jetzt natürlich seine Waffe schnell genug wandte, wieder festen Fuß fassen, und sich von seinem Schreck erholen konnte, strich er schon wie ein Aal, die ganze Länge des Körpers außer dem Wasser zeigend, von der Schilfinsel fort, und schräg über den Fluß hinüber dem steilen Vorsprung zu, auf welchem Dickson, an seine Waffe gelehnt, dem Kampfe bis jetzt behaglich zugeschaut hatte.
Kaum merkte dieser aber, wie sich der Schauplatz der Hetze auf seine Seite verlegen würde, als er, so schnell ihn seine Füße trugen, von der Höhe heruntersprang, und das Ufer gerade in demselben Augenblicke erreichte, in welchem der Verfolgte das feste Land betreten und, argbedrängt von den Hunden, wahrscheinlich über die in den Fluß hinauslaufende Landspitze hinweg schlüpfen und das auf der unteren Seite befindliche ruhige und tiefere Wasser erreichen wollte. Durch den unvorsichtig auf ihn Einstürmenden aber geängstigt, änderte er seinen Plan und wandte sich wieder; da schallte ein Triumphruf von der gegenüber liegenden Seite und selbst Dickson hielt ihn für verloren, denn dicht, dicht hinter ihm, kaum wenige Zoll von seiner bärtigen Schnauze entfernt, schnappte Boney, schon im Vorgenuß der ihn erwartenden Seligkeit, gierig mit den Fängen und öffnete den weiten Rachen.
»Hurrah!« schrie Halway vom anderen Ufer aus – »Hurrah Hunde – faßt ihn – faßt ihn!«
Boney hörte den Zuruf seines Herrn und fuhr, schwerlich noch einer Anreizung bedürfend, mit wildem Biß nach dem Nacken des Thieres, doch war es nichts als Wasser, was ihm, im wahren Sinne des Wortes, im Maule zusammenlief, der Otter tauchte in demselben Moment, als ihn Dickson schon zwischen den Fängen des Hundes glaubte, blitzschnell nieder, glitt unter dem Bauche seines Feindes fort, und schoß nun, wieder zur Oberfläche emporkommend, mit aller ihm nur zu Gebote stehenden Schnelle stromab.
»Hinüber – hinüber noch Einer von Euch!« schrie Halway jetzt erregt – »die Bestie will über den Fall hinunter und in die tiefe Stelle, kaum hundert Schritte unterhalb. Fünf Ottern haben wir schon bis zu dem Platz verfolgt, und dann regelmäßig aufgeben müssen. Jetzt nur hinunter an die Fälle, so schnell wir können.«
Hawkins leistete dem Rufe Folge und watete schnell zu Dickson hinüber, die Uebrigen jedoch glaubten auf der Seite, auf welcher sie sich befanden, am Ersten zum Wurf kommen zu können und eilten Halway nach, der, so schnell es ihm der weiche, schlammige Boden gestattete, unter der Felswand fortlief, die hier das Flußthal überhing und sein Bestes versuchte, einen kleinen mit hohem Schilfgras bewachsenen Vorsprung zu erreichen, der sich, von mehreren Fichten überschattet, gerade über dem Fall befand, so daß der Otter, wollte er hier durch, dicht an ihm vorbeidefiliren mußte.
»Wie kam's, daß Ihr den Otter fehltet, Merville?« rief er diesem zu, als er ihn eben eingeholt hatte – »er lag Euch doch dicht vor den Füßen.«
»O zum Teufel – ich hielt den Speer verkehrt.«
»Unsinn« lachte Halway, »ein so alter Otterjäger, wie Ihr, wird mit dem verkehrten Speer stoßen.«
»Ich gebe Euch mein Wort darauf,« betheuerte Merville im vollen Laufen, um neben dem schnellfüßigern Halway zu bleiben, der ihn schon zurücklassen wollte – »ich fürchtete mit dem Widerhaken im Schilfe hängen zu bleiben und –«