»Ha – was hat Nell dort?« rief Blower – ein anderer Gutsbesitzer aus der Gegend – »Wahrhaftig, Halway, ich glaube, Ihr habt Recht, der Otter sitzt da drüben, ich werde hinüber waten.«

Er war im Begriff, seinen Entschluß augenblicklich in's Werk zu setzen, aber zu spät. Der Otter hatte wirklich in jenem Schilfdickicht gelegen und wahrscheinlich die um ihn herumsuchenden Hunde vorbeilassen, und dann zurück zu dem schützenden See schwimmen wollen, wo jede weitere Verfolgung vergeblich gewesen wäre, das wurde aber durch die Aufmerksamkeit Boney's, der durch derartige Kunstgriffe schon mehrere Male getäuscht worden und nicht gesonnen schien, sich auf's Neue anführen zu lassen, vereitelt, denn er und Nell hielten sich fortwährend ziemlich hoch im Schilfe, und überließen es den anderen Hunden, den schlauen Feind aufzustöbern und flüchtig zu machen.

Dieser sah auch kaum, wie jeder Versuch, das tiefe Wasser zu erreichen, vergeblich war, als er das dichte Schilf verließ und, über den hier mehrere hundert Schritt breiten Wasserspiegel hinwegschwimmend, erst entschlossen schien, den Fluß mit aller nur möglichen Schnelle stromab zu gehen, dann aber wieder links einbog und in einem rechten Winkel eine seichte Stelle erreichte, wo das Wasser etwa drei Fuß tief, den Hunden nicht erlaubte Grund zu fassen, und der Otter selbst, unter dem dichten Wurzelwerk und Rohr verborgen, vor ihnen geschützt blieb und auch dann und wann, ohne fürchten zu müssen entdeckt zu werden, an die Oberfläche kommen und Luft schöpfen konnte.

»Hier hilft kein Zaudern mehr« schrie aber Halway jetzt, selbst bis unter die Arme in das Wasser springend – »von dort heraus bringen ihn die Hunde nicht, und wenn wir nicht mit unsren Speeren die Bestie heraustreiben, so können wir die Jagd nur aufgeben.«

Merville sprang dicht hinter ihm her, und auch Blower folgte, Dickson aber, als er die drei der Stelle zu waten sah, während die Hunde einen Heidenlärm vollführten und bellend und winselnd ihren Herren nachplätscherten, dachte bei sich, daß zum Vortreiben vollkommen genug Menschen im Wasser säßen, suchte sich daher eine seichte, kaum wenige Zoll tiefe Stelle aus, und schritt an das andere Ufer hinüber, wo er auf einem vorragenden, steilen Felsblock die Jagd übersehen und auch augenblicklich stromab das niedere Ufer wieder erreichen konnte, wenn das verfolgte Thier, wie es fast nicht anders konnte, die Flucht durch die weiter unterhalb liegende Stromschnelle und über einen kleinen Fall, versuchen sollte.

Halway hatte übrigens Recht gehabt, die Hunde vermochten nichts gegen ihren listigen Feind auszurichten, der nur dann und wann, in irgend einem ungangbaren Gebüsch, die bärtige Schnautze über die Oberfläche des Wassers hob, um die nöthige Luft zu schöpfen, und dann schnell und geräuschlos wieder untertauchte in sein sicheres Versteck.

Die drei Jäger fanden bald, daß auch sie hier ihre Hilfe leihen mußten, langsam also, und in gleicher Linie das schmale und kaum hundert achtzig Schritt lange Schilfdickicht durchwatend, stießen sie höchst aufmerksam in alle die Stellen mit den umgekehrten Speeren hinein, unter denen möglicher Weise der Fischdieb verborgen liegen konnte. Schon näherten sie sich indessen dem Ende des seichten Platzes und die Hunde fingen an wieder zurückzusuchen, während Halway selbst zu glauben begann sie hätten ihre Beute übergangen, als diese plötzlich, höchst unverhofft zum Vorschein kam.

Merville hatte nämlich eben mit der Stange in ein besonders dichtes Gewirr von Wurzelwerk und Wasserpflanzen hineingefühlt, als Nell, der seinen Standpunkt überhalb des Schilfbruches noch immer nicht verlassen, die Nase prüfend in die Höhe hob und im nächsten Augenblick auch schon, eifrig schnaubend auf die Stelle zuschwamm, wo Merville noch immer stand, und den Hund beobachtete. Da tauchten, nur wenige Schritte von ihm entfernt, einzelne kleine Luftblasen in die Höhe, und er wußte, dort müßte der Otter sein. Die Tiefe des Wassers, in dem er sich selbst befand, also schnell berechnend, schwang er den Speer hoch empor, und stieß ihn mit rascher, sicherer Hand nieder auf den Grund des Flusses, wo sich der listige Flüchtling verborgen hielt.

Aber wehe! in allem Eifer hatte er vergessen, den Speer, den er noch verkehrt in der Hand trug, umzudrehen, und als der mit ausgezeichneter Geschicklichkeit geführte Stoß, denn Merville war ein guter Otterjäger, niederfuhr, kam er in höchst unsanfte Berührung mit dem wirklich dort lauernden Thier, brachte aber demselben leider keinen weiteren Schaden, als daß er es bedeutend erschreckte, aus seiner bisherigen Sicherheit auf und zu dem höchst unbesonnenen Entschluß trieb, die Rettung in offener Flucht zu suchen.

Instinctmäßig wandte sich der Otter nun zwar stromauf, der sicheren Bahn zu, hier aber begegnete er den beiden offenen Rachen von Nell und Boney, die gierig nach ihm schnappend, ihre Beute schon gefaßt wähnten. So leicht sollte ihnen aber der Sieg nicht werden.