Die Otterjagd ist vielleicht die einzige, der, in England wenigstens, bis auf unsre Tage viel Eigenthümliches und Kräftiges geblieben.

Noch halten sich manche Edelleute ihre Ottermeuten und verfolgen Tage lang mit einer, unsren Jägern gewiß unbegreiflichen Mißachtung jeder Feuchtigkeit das flüchtige Thier durch Bäche und kleine flache Ströme; ihre Blüthenzeit ist aber auch vorüber, und wirklich interessante Jagden werden mit jedem Jahre seltener.

Der Pomp und die Umständlichkeit der alten Jagden gaben an sich schon dem Ganzen einen eigenthümlichen Reiz, und die Otterjäger hatten nicht allein ihre verschiedenen Sitten und Gebräuche, sondern auch eine ganz besondere Tracht. Ihre kurzschößigen Jacken waren grün, mit Scharlach, ihre Pelzmützen mit Goldbändern besetzt, und mit Straußenfedern geziert. Stiefeln, ziemlich nach Art unsrer jetzigen hohen Wasserstiefeln, reichten bis zu ihren Hüften hinauf, und trugen oben goldene oder silberne Franzen. Ihre Speere zeichneten sich ebenfalls durch ihre reichen Verzierungen und ihre geschnitzte Arbeit aus, und der Anblick eines Zuges vollständig ausgerüsteter Otterjäger war zu gleicher Zeit so pittoresk als imposant. Mit der Verringerung der Ottern hat aber auch zu gleicher Zeit ihre Jagd sich vereinfacht, doch war selbst noch zu Ende des letzten Jahrhunderts die Otterjagd in England eine der betriebensten und volksthümlichsten. Regelmäßige Ottermeuten wurden gehalten, und die Landleute schienen damals von ihren Otterspeeren so unzertrennlich, wie jetzt von ihren Spazierstöcken.

Zu eben dieser Zeit war übrigens der Otterspeer einfacher als er jetzt ist, und er bestand nur aus einer gewöhnlichen, geraden Eschenstange mit einfachen oder doppelten Harpunen oder Pfeilspitzen. Jetzt hat eine neuere und wohl auch zweckmäßigere Erfindung den gewöhnlichen Widerhaken verdrängt, und die Stahlspitze ist so gearbeitet, daß sie erst dann, wenn in den Körper des Thieres getrieben, zwei Haken ausläßt, die es dem verwundeten Otter unmöglich machen, sich von der tödtlichen Waffe wieder zu befreien.

Ich will dem Leser eine solche Otterjagd beschreiben.

Es hatte sich eine Gesellschaft von sieben Jägern zusammengefunden, um in einem kleinen Flusse, Namens Tiesie, eine am vorigen Abend durch den Squire selbst aufgefundene Otterfährte zu verfolgen und wo möglich den schlauen Fischdieb zu erlegen. Der Tiesie läuft eine lange Strecke durch flaches, etwas sumpfiges Land, dort aber, wo er zuerst seinen Lauf in wenn auch niedere, aber dennoch seine Ufer steil begrenzende Hügel lenkte, hatte Mr. Halway die Spuren entdeckt, und als am nächsten Morgen die Gesellschaft mit ihren Speeren und einer tüchtigen Meute Hunde den Platz erreichte, bezeugten mehrere frische Gräten, die an der linken Uferbank unter einer kleinen Lindengruppe lagen, seine Nähe.

Die Hunde wurden, kaum den Platz erreicht, schon unruhig, und Nell und Boney, ein Paar ausgezeichnete Otterfänger, schienen es besonders auf ein kleines Schilfdickicht abgesehen zu haben, das sich der Lindengruppe gegenüber befand.

Halway stimmte dafür, daß ein Theil der Jäger hinüber an's andere Ufer waten, und dort die Hunde unterstützen solle, es war aber noch beim Beginn der Jagd und Alles – trocken, und da meinten denn Mehrere: »der Otter sei wahrscheinlich an dieser Seite«, wo ja auch die Gräten alle lagen und die meisten Spuren waren; der gegenüberliegende Platz blieb also von den Jägern unbesetzt, und am hohen Flußrande hingehend munterten sie durch Zurufe und den fröhlichen Jagdschrei die immer hitziger und eifriger werdenden Hunde auf, den Feind zu finden, damit sie ihn mit ihren Speeren verfolgen und erlegen könnten.

»S'ist nur ein Glück,« meinte Dickson, einer von Halway's Nachbarn, »daß sich der Otter nicht ein Paar hundert Schritte weiter oben aufhält, der kleine See dort würde alle unsre weiteren Versuche, seiner habhaft zu werden, unnütz gemacht haben, denn der Grund ist so schlammig, daß es wahrhaftig mit Lebensgefahr verknüpft ist, sich nur bis an die Knie hineinzuwagen.«

»Hahaha« lachte Merville, »davon weiß Dickson eine Geschichte zu erzählen. Als wir das letzte Mal hier waren, stak er in dem Sumpfe drinnen und unsrer Sechse haben mit Stricken und Seilen wohl eine Viertelstunde lang gezogen, bis wir ihn wieder heraus und auf's Trockene brachten.«