»Ich komme um Ihre Entscheidung über den Druck meines Werkes zu hören,« sagte der Fremde.
»Ja sehen Sie – bester Herr Schultze,« begann endlich der Buchhändler nach kurzer Pause, – »das ist so eine Sache mit dem Druck dieses Heftes. Einestheils glaube ich – aufrichtig gestanden – gar nicht daß das Buch etwas machen wird. Für ein rein wissenschaftliches Werk ist zu viel Phantasie, – für Phantasie zu viel Wissenschaftliches darin und dann – druckten wir es nicht äußerst splendid daß es über zwanzig Bogen gäbe, so striche uns der Censor die ganze Geschichte. Sie halten sich ja gar nicht ein Bischen an das Bestehende, werfen Alles über den Haufen, was nun doch einmal da ist und reden von Sachen die über menschliche Begriffe fast hinausgehen. Ich habe darin herumgeblättert – etwas altväterischer Styl – nun dergleichen ließe sich abändern – aber – das nehmen Sie mir nicht übel – ein Bischen zu prätentiös ist das Ganze auch noch geschrieben. Sie reden da in einem fort: das muß so sein und das so, hier thue dies und da thue das, die Wirkung wird dann im ersten Jahre so im zweiten so, und im dritten und den folgenden so sein; die Behandlungsart von A wirkt auf B und die Unterlassung würde sich für drei Jahre wieder so, und für andere zehn wieder so gestalten. Nein, das geht nicht, mein bester Herr Schultze, damit kommen wir nicht mehr durch. Ja, in alten Zeiten, da ließ man sich das gefallen, damals gehörte nur eine etwas dreiste Stirn dazu, der Welt glauben zu machen was man wollte; aber jetzt gehen wir der Sache tiefer auf den Grund.«
»Ueberdies erlauben Sie sich auch über Politik und besonders über Religion Aeußerungen, die ich selbst nicht einmal unter dem Namen Schultze vertreten möchte. Am Ende brauchten wir ja gar keine Priester und Prediger mehr; und dann die Beleuchtung Ihrer socialen Verhältnisse – nein, mein guter Herr Schultze: würde ich das Buch, das allerdings Geist verräth, wirklich drucken, so glaubte uns erstlich kein Mensch ein Wort von dem was drinnen steht; dann kämen wir wegen des einen Theils in die schönste Kriminaluntersuchung und über den andern Theil fielen nachher die Recensenten wie wahnsinnig her. Das Wenigste was sie sagten wäre, ich hätte einen neuen hundertjährigen Kalender verlegt. Und wenn sie's dann nur noch kauften – wenn es noch ginge! Ich käme aber wahrhaftig nicht einmal auf die Kosten, denn ein Leihbibliothekenbuch ist das nicht.«
»Nein, allerdings nicht,« sagte der Fremde – »aber verlegen Sie es nur; ich garantire Ihnen daß Sie gute Geschäfte damit machen.«
»Sie garantiren mir das? Welche Bürgschaft könnten Sie mir denn dafür geben?«
»Meinen Namen!«
»Bester Herr Schultze!« rief Herr Schmerz.
»Ja so!« sagte der liebe Gott – »Sie wollen es also nicht? Sie weisen es zurück?«
»Ich bin Ihnen wirklich für das Vertrauen das Sie in mich gesetzt, ungemein verpflichtet, aber ich habe jetzt in der That so viel Manuscript daliegen, – eins drängt so das andere; – mein Nachbar Beißig wird sich aber sicherlich ein Vergnügen daraus machen, – der hat überdies mehrere landwirthschaftliche und wissenschaftliche Werke gebracht.«
»Und Sie glauben daß Herr Beißig –«