»Gott sei Dank« murmelte Schwabe leise vor sich hin und wandte sich langsam gegen sein Haus zurück, »ich glaubte schon, wir hätten das rechte versäumt, und müßten noch ein paar Tage länger warten.«
Die Sachen schickte er übrigens ohne weiteres an die Landung, denn um keinen Tag mehr zu versäumen, wollte er gar nicht wieder nach Louisiana zurückkehren, sondern gleich von Cincinnati aus, ein für den Arkansas bestimmtes Boot benutzen.
Die Dray war um die Biegung der Straße und den Berg hinunter, verschwunden, Schwabes aber gingen noch einmal in's Haus zurück; theils um zu sehn, ob sie in dem ersten eiligen Aufbruch Nichts vergessen hätten, und dann auch, um ruhigeren Abschied von dem Ort zu nehmen, der bis jetzt ihre Heimath gewesen und den sie nun für immer, auf nimmer Wiederkehren, verlassen sollten. Den armen Leuten zuckte es dabei recht durchs Herz – erst beim Scheiden findet man ja nur zu oft, wie lieb man, bis dahin vielleicht nur gleichgültig betrachtete Räume und Gegenstände gehabt hat – der Gedanke aber an ihr Kind, das sie sich mit diesem Opfer zurückerkauften, nahm aber solchem Gefühl alles Bittere – sie sprachen kein Wort, sie standen nur lange und schweigend neben einander und drückten sich endlich, als Schwabe leise zum Aufbruch mahnte, still und herzlich die Hände.
»So komm denn, mein liebes Weib,« bat der Deutsche und zog sie sanft der Thüre zu, »komm und mache Dir nicht gar zum Abschied noch trüben Sinn; denke, daß wir das Alles ja nur zurücklassen, um mit unserem Kind wieder vereint zu leben.«
»Trüben Sinn,« lächelte die Frau unter Thränen, »glaube das ja nicht, Schwabe, kein trüber Sinn ist's, der mir das Wasser in die Augen treibt, nein, in der Seele wohl thut's mir, daß ich gerade so ruhig und freudig von dem Ort fortgehn kann, den ich schon bis an mein einstiges Ende zu behalten geglaubt, stolz bin ich darauf, wenn ich –« sie horchte einem Geräusch das unten im Hause laut wurde –
»Es ist Nichts – wahrscheinlich die Packer, die ihr Geräthe mitnehmen,« sagte Schwabe.
»Sie müssen oben sein« berichtete die Stimme eines Nachbars, die Schwabe kannte, irgend jemand Fremden, »ich habe sie erst vor kaum einer Viertelstunde hinaufgehn sehn, und sie sind noch nicht wieder herunter gekommen.«
Ein leiser Dank wurde erwiedert, und gleich darauf knarrte die hölzerne Stiege; Schwabe wandte sich der Thür zu, die sich in demselben Augenblick öffnete. Ein junges Mädchen trat herein. –
»Heiliger Gott!« schrie der Deutsche und fuhr erschreckt empor – »Louise!« –
»Louise?« stöhnte kaum hörbar die Frau – »unser Kind?«