»Schad nichts,« grins'te der Wilde; »sehr gut, mehr – viel besser Wort wie wenigerweniger schlechtes Wort.«

»Also auch nicht weniger heiß – weniger Hunger – weniger Durst?« lachte Smith, während er sich zum Fasse nieder bog.

»Nein, nein!« rief der Kickapoo, und seine Augen verschlangen schon jeden einzelnen Tropfen, der ihnen noch zugemessen wurde – »immer mehr Durst – Durst viel gut – sehr viel gut!«

Das »Loch« hatte freilich nicht so viel gegeben, als die Beiden erwartet haben mochten; denn sie hielten den Inhalt, nachdem sie ihn vorher in den Becher ausgeschüttet, lange Zeit zwischen sich und schwatzten viel und eifrig in ihrer eigenen Sprache mit einander; endlich aber leerten sie ihn doch, und als der Händler hiernach unerbittlich blieb, ihnen noch mehr auszufüllen, holte Einer von ihnen ein kleines zusammengerolltes Päcktchen aus seiner Decke vor, das er aufwickelte und ein fein gegerbtes Otterfell zum Vorscheine brachte. Es war augenscheinlich, sie hatten dieses im Anfange nicht um Whiskey hingeben, sondern vielleicht irgend andere Bedürfnisse, vielleicht für die Squaw[11] daheim, die derlei Arbeiten auch gewöhnlich verfertigen, eintauschen wollen; die furchtbare Gier aber, die der rothe Sohn der Wälder – einmal verführt – nach dem für ihn so verderblichen Genuß des Feuerwassers nährt und hegt, ließ den Kampf, den in ihrer Brust wahrscheinlich jetzt noch das bessere Gefühl kämpfte, einen sehr kurzen sein.

[11]: Squaw, indianische Frauen.

Der Indianer warf das Fell, das der Amerikaner sorgfältig prüfte, auf den Ladentisch und verlangte im Anfange »halbe Flasche Uiski – nachher anderes« – dafür – sie wollten nur einen Theil des anvertrauten Gutes vertrinken. Mit dem Genusse stieg aber auch die Gier danach, und Becher nach Becher voll ließen sie sich von dem kopfschüttelnden und keineswegs ganz damit einverstandenen Krämer nachgießen, bis auch der letzte Cent vertrunken worden und die unersättlichen Kehlen dennoch mehr verlangten.

»Mehr Uiski!« lallte jetzt der Eine mit stieren, glanzlosen Augen und streckte den einen Arm mit der Flasche dem Amerikaner entgegen, während er mit dem anderen den schwankenden Körper am Ladentische zu stützen suchte – »mehr Uiski – Fell ein Flasche mehr werth.«

»Ihr bekommt keinen Whiskey mehr!« sagte aber, und zwar auf das bestimmteste, der Händler; denn er fürchtete nicht mit Unrecht den wilden zügellosen Geist seiner Gäste, der sich, so friedlich sie auch im nüchternen Zustande sein mochten, im trunkenen nur zu oft die Bahn brach und dann zu allem Schlimmen, fähig war – »Ihr Zwei habt mehr getrunken, als Sechsen zuträglich gewesen wäre, und es ist besser jetzt, Ihr legt Euch ein paar Stunden aufs Ohr, Euren Rausch auszuschlafen.«

»Rausch? ausschlafen?« lallte der älteste der Beiden, indem er die Flasche am Halse ergriff und in die Ecke schleuderte, daß sie in tausend Scherben zerbrach – »hahahaha! weißer Mann – mehr, Po-co-mo-con nüchtern wie junges Waschbär – weißer Mann, trunken – wackelt hin und her wie junge Birke – hahaha – mehr Uiski – Blaßgesicht – mehr Uiski – bei Gott

»Ihr bekommt keinen Tropfen mehr,« sagte der Händler und deutete nach der zerschmetterten Flasche – »seid Ihr gute Indianer? thun das gute Indianer? thun das nüchterne Waschbären? Packt Eure Siebensachen zusammen, und ich will Euch nebenan in mein Waarenhaus bringen, da könnt Ihr bis zum Morgen ausschnarchen, und morgen früh sollt Ihr dann auch noch Jeder einen Becher voll auf den Weg haben – seid Ihr damit zufrieden?«