Damit zogen sie sich aber nach und nach in die Berge hinein und waren den Zelten lange schon aus den Augen gekommen, als plötzlich der eine Indianer rasch über eine Anhöhe rannte, und hinter dieser verschwand. Die Amerikaner folgten jetzt mit so größerem Eifer und Ben besonders hatte gesehen, daß der Eine von ihnen etwas Schweres zu tragen schien. „Das ist das Gold,“ dachte er bei sich, und ohne den Anderen ein Wort von seiner gemachten Beobachtung mitzutheilen, beschloß er, diesen Wilden ganz besonders im Auge zu behalten. Gerade hinter dem niederen Hügel aber lag das indianische Dorf, und als die vier bewaffneten Amerikaner auf der kahlen Anhöhe erschienen, sahen sie eben noch, wie die Frauen mit den kleinsten Kindern auf dem Rücken, und andere hie und da ängstlich an der Hand, nach allen Richtungen hinausstoben und ihre Lagerfeuer, wie sie davon aufgesprungen, in den Händen der tollen Verfolger zurückließen.

Im nächsten Augenblicke waren Ben und der Texaner, die ihren Begleitern eine ganze Strecke vorausgeeilt waren, mitten dazwischen, der erste hatte aber sein ausersehenes Opfer nicht aus den Augen verloren und als er es gerade wieder den nächsten Hügelrücken hinanspringen sah, griff er, laut dabei auflachend, einen der Brände, an denen er vorbeisetzte, auf, und schleuderte ihn mit den Worten: „wir wollen den Canaillen doch wenigstens leuchten!“ in die nächste Laubhütte.

Der Lagerplatz, wie ihn die aufgeschreckten Weiber verlassen hatten, bestand aus niederen, mit trockenen Büschen dicht überdecken Hütten, eng zusammen errichtet Schutz gegen die sengenden Sonnenstrahlen zu gewähren. Die kleinen Feuer, an denen auch hie und da Fleisch stak für die einfache Mahlzeit brannten dicht dabei, und an mehreren Orten lag Mais und Gebröckel trockenen Schiffszwiebacks, den sie sich theuer genug für Gold von den Weißen eingehandelt. Auf einer wollenen Decke lag etwa ein halber Büschel gelbes Maismehl, und in einer Ecke befanden sich die flachen runden, mit Eichelmus gefüllten Erdgruben, in denen die Frauen das gewöhnliche Eichelpoe auf gar geschickte und eigenthümliche Weise zubereiten. Diese Gruben vernichteten die Tritte der Verfolger, die noch wilde Flüche ausstießen, weil sie sich dabei die Füße beschmutzten und wie Pulver fast zündeten dabei die dürren ausgetrockneten Fichtennadeln und Eichenblätter, so daß kaum eine Minute später das halbe Lager schon in Flammen stand und dem Ganzen kaum mehr zu vermeidendes Verderben drohte. Der Spieler und der Texaner sahen sich aber kaum darnach um.

„Hui, das flackert ja, wie ein Bund Schwefelhölzer,“ lachte der Erste, als er leicht wie ein Hirsch, über einen quer vor ihm liegenden Baum wegsetzte — „wohl bekomm’s!“

„Ihr hättet das Lager nicht sollen anstecken,“ meinte aber der Texaner, ohne sich jedoch selber darnach weiter umzuschauen — „’s ist nur um der armen Weiber willen.“

„Hol die schwarzbraunen Bestien der Teufel,“ lachte der Spieler, „sie sollen froh sein, daß wir jetzt Besseres zu thun haben, uns nicht noch weiter um sie zu bekümmern, — alle Wetter, da biegt der Kerl rechts ab,“ und ohne ein Wort weiter sprang der schnellfüßige Yankee seinem Opfer nach, das eben wieder einen der Hügelgipfel erreicht hatte. Der Texaner blieb etwas mehr links, um den andern vielleicht den Weg abzuschneiden.

Indessen hatten die beiden anderen Amerikaner, die nicht so schnell auf den Füßen waren, ebenfalls das jetzt hell aufflackernde Lager, in dem schon die zurückgelassenen Provisionen und Decken brannten erreicht und der Erste blieb stehen.

„Das ist nicht recht,“ rief dieser, ein junger kräftiger Mann, mit braundichten Locken, während er mit der linken Hand den Strohhut abnahm, die Büchse mit den Kolben auf die Erde stieß und in den gebogenen linken Arm fallen ließ, und sich mit dem rechten Rockärmel den Schweiß von der Stirne trocknete. „Die Frauen haben uns nichts gethan, daß wir wie Banditen sengen und brennen sollten.“ — Und von einem besseren Gefühle ergriffen, warf er sein Gewehr in’s Gras nieder und riß die eine Hütte, die etwas einzeln stand, und eben gleichfalls an zu brennen fing, durch die aber dann auch das Feuer in den andern Theil des Lagers gebracht worden wäre, auseinander. Sein Gefährte half ihm dabei, und in wenigen Minuten hatten sie das Feuer so weit gebändigt, daß es wenigstens nicht weiter mehr um sich greifen konnte. Eben als der Erste seine Büchse wieder aufgriff, fiel ein Schuß.

„Alle Wetter!“ schrie da der Andere, „sie sind handgemein geworden — da müssen wir dabei sein,“ und ohne weiter eine Antwort abzuwarten, sprang er bergauf. Der Andere folgte ihm und sie standen Beide gleich darauf auf dem Gipfel des Hügels, von wo aus sie das ganze Schauspiel übersehen konnten.

Der Spieler kniete im nächsten kleinen Thal auf der Erde, griff etwas auf, und schleuderte es dann ingrimmig wieder zu Boden; der Texaner war ihm jetzt ein Stück voraus und zielte eben wieder auf einen andern Indianer, der aber rasch, nachdem er seinen letzten Pfeil auf den Feind abgedrückt hatte, hinter den Büschen verschwand. Ueber einen andern Hügel schleppten aber vier Mann mit unglaublicher Schnelle einen Verwundeten oder Todten, und sechs andere standen mit aufgelegten Pfeilen, den Rückzug der Kameraden zu decken. Die ganze Verfolgung hatte jedenfalls einen höchst ernsthaften Charakter angenommen — es war Blut geflossen und so harmlos und ruhig der Californische Indianer sonst auch ist, und so selten er die Weißen belästigt, so krümmt sich auch der Wurm, und wenn gestellt, greift selbst der scheue Hirsch den Jäger an. Die beiden Amerikaner die es hier zu einem wirklichen Gefecht kommen sahen, wollten sich jetzt aber mit einem lauten Hurrah recht mitten hineinstürzen, und sprangen, die Büchsen über den Köpfen schwingend, in langen Sätzen an dem Spieler vorbei. Dieser richtete sich aber in dem Augenblicke auf, und rief ihnen mit mürrischer Stimme zu: