„Halt, wir Alle!“ rief Ben, dem schon Angst war, es könnte ihm einer der Uebrigen zuvor kommen. — „Ich muß nur erst meine Büchse haben — zum Teufel Rogers, Ihr macht eine Ewigkeit und die schuftigen Hallunken bekommen zu vielen Vorsprung — o da kommen noch mehr!“
In der That strömten auch jetzt von allen Ecken die Goldwäscher herbei, und ohne weiter viel zu fragen, was der Lärm eigentlich bedeute, oder ob die Anklage auch gegründet sei, wurde eine Verfolgung der Indianer kaum schneller beschlossen, als ausgeführt.
„Aber der schwarze Schuft sieht gar nicht aus als ob er neunzehn Tausend Dollar im Vermögen gehabt hätte!“ rief der Franzose und wollte gegen ein so rasches Einschreiten der Amerikaner protestiren. Damit kam er aber schlecht an. —
„Wenn’s blos nach dem Aussehen geht, dann seht Ihr noch viel lumpiger aus,“ rief der Texaner. „Hol mich der Teufel, wenn’s nicht wahr ist,“ lachte der Spieler und warf die Büchse, die ihm Rogers eben gereicht hatte, über die Schulter — „zurück Mann — eine Krähe hackt der andern die Augen nicht aus, und uns, den Eigenthümern vom Boden, gebührt es auch Gerechtigkeit zu üben. — Hurrah Boys.“ —
„Eigenthümern vom Boden!“ wiederholte der Franzose zürnend, „und wie zum Hohn vertreibt und mißhandelt Ihr dabei die wirklich rechtmäßigen Eigenthümer, die armen harmlosen Indianer von den Gräbern ihrer Väter. Hätte ich meinen Willen, ich wollte Euch da bald einen Riegel vorschieben. Aber hallo Sir,“ unterbrach er sich plötzlich und vertrat dem Ostindier den Weg, der sich, als er den einen Theil so eifrig mit der Verfolgung der Indianer, den andern mit Zuschauen beschäftigt sah, leise von dem Zelte ab, und nach einer ganz anderen Richtung fortzudrücken suchte — „wollt Ihr nicht abwarten, bis sie Euch die neunzehn Tausend Dollar zurückbringen? — he Rogers, der Kerl ist mir verdächtig, ich glaube gar nicht, daß sie ihm Gold gestohlen haben.“
„Das kümmert mich nichts,“ sagte der Händler, und drehte ihm den Rücken — „was geht mich der Schwarze an — aha, die braunen Canaillen riechen Lunte. Hui, wie sie auskneifen.“
„Dann will wenigstens ich mich um ihn kümmern,“ sagte der Franzose und sich dann zu dem Ostindier wendend, der damit gar nicht besonders einverstanden schien, rief er ihm zu: „Du Bursche bleibst jetzt bei mir, bis die Amerikaner wieder zurückkommen, und dann wollen wir einmal sehen, ob wir hier oben einen Alkalden blos zum Spaß haben, oder ob er auch seiner Zeit ordentlich und gesetzlich einschreiten kann.“ Damit nahm er ohne Weiteres den Ostindier beim Kragen und führte den armen Teufel, der sich lieber ein paar Meilen von hier fortzuwünschen schien, ohne ein Wort weiter mit ihm zu wechseln, in sein Zelt.
Die Verfolgung.
Indessen bot die Ebene Interesse genug, die Aufmerksamkeit der bei den Zelten Zurückgebliebenen zu fesseln. Die Indianer, die noch eine Zeit lang zurückgeblieben waren, als ob sie den Rückzug der Anderen decken, oder doch wenigstens beobachten wollten was von Seiten der Weißen geschehe, stießen, als sie diese auf sich zueilen sahen, einen eigenthümlich gellenden Schrei aus und flogen in nächster Richtung den Bergen zu. Zu gleicher Zeit wurden die andern wieder auf einer kleinen nackten Anhöhe sichtbar, und wandten sich dann ebenfalls rasch in die Berge.
„Das sind die Hallunken die das Gold haben,“ brummte Ben vor sich hin, und lief schräg über die Ebene den letzteren zu, während ihm einige seiner Kameraden, wie der Texaner und noch zwei andere Amerikaner folgten. Die Uebrigen blieben hinter den zwei anderen, weil ihnen diese näher schienen und sie dieselben leichter einzuholen hofften. Noch immer mochten aber die Indianer glauben, es sei mit der Verfolgung nicht so rechter Ernst, oder sie wollten ihren Verfolgern auch vielleicht zeigen, daß sie sich nicht sonderlich vor ihnen fürchteten, denn erstlich liefen sie gar nicht so rasch, wie sie es sicher gekonnt hätten, und dann blieben sie auch manchmal stehen und überschauten das Terrain, als ob sie die Zahl der Verfolger und ihren Fortgang überzählen wollten.