„Alle Wetter, was ist dort los?“ unterbrach ihn da plötzlich der eine Spieler, der sich eben dem Eingange des Zeltes zugewandt hatte, und hinaus über die Ebene hin nach den Hügeln zu zeigte, wo sich allerdings etwas Außergewöhnliches zuzutragen schien. Wenigstens versammelten sich die im Zelt befindlich Gewesenen augenblicklich vor dem Eingang, und schienen an dem ganzen Vorgange besonderes Interesse zu nehmen.

Die Ebene oder Douglas-Flat, war hier etwa eine halbe Meile breit, und nach den Hügeln zu von keinem Baume beschattet, hinter ihr aber dehnte sich ein langer, an manchen Stellen steil aufsteigender Bergrücken hin, der zur linken einen vollkommen abgerundeten Gipfel zeigte, nach rechts zu aber unten mit Eichen und nach oben mit schlanken Fichten ziemlich dicht bewaldet war. In diesen Bergen, an einer klaren, dort aus dem Felsen sprudelnden Quelle, hatte bis dahin ein Stamm der Kayota-Indianer ihr einfaches Buschlager gehabt, das jedoch von den Zelten nicht zu sehen war; von der Richtung her aber sprang eine wunderliche Gestalt und ihr folgten mit Bogen und Pfeilen, die sie aber unbenützt in der linken Hand trugen, sonst aber schreiend und gellend, ein halb Dutzend Indianer, und es war augenscheinlich daß sie den Ersten, der übrigens fast dieselbe Hautfarbe mit ihnen trug, sonst aber mehr europäisch gekleidet war, verfolgten.

Dieser Erstere verdient eine nähere Beschreibung. Ostindiens heiße Sonne hatte ihn gebräunt; er war aus der Gegend von Bombay gebürtig und seine Hautfarbe dunkelbraun und glänzend, das Haar schwarz und gelockt, und sein Auge eben so dunkel und feurig, aber unstät, vielleicht von der Angst sich von den braunen Söhnen der Wildniß also verfolgt zu sehen, und er schien dabei sonderbarer Weise noch unschlüssig, ob er den Zelten der Weißen, wo er doch jedenfalls Schutz fand, zufliehen, oder rechts den kleinen Creek hinab, flüchten sollte — wo er bis Murphys Diggins weiter keine Zelte fand. Eine kleine Gruppe von Indianern, die aber auch nach dort zu, vielleicht zufällig, vor ihm auftauchte, machte seinen Zweifeln, wenn er die irgend noch gehabt, ein rasches Ende und er nahm gerade die Richtung nach Rogers Zelt zu, als die Zechenden darin sein gewahr wurden und vor den Eingang traten. Sobald die Indianer das bemerkten, kehrten sie um, und nur zwei von ihnen blieben noch, wie eine Art Vorposten, stehen, während sich die andern nach den Bergen hinüber zogen. Sie schienen jeden Gedanken an Verfolgung aufgegeben zu haben.

Der Ostindier trug eine, einst weiß gewesene Drillhose, ein rothwollenes Hemd, Schuhe und Strümpfe und eine blauschottische wollene Mütze, um den Leib auch noch statt des Gürtels, ein rothseidenes Tuch. Kaum war er aber in Rufs-Nähe der Zelte gekommen, als er kläglicher zu lamentiren anfing, und in sehr gebrochenem Englisch, aber doch so daß man etwa verstehen konnte was er eigentlich wollte, schrie, er sei bestohlen und beraubt und die Indianer hätten ihm neunzehn Tausend Dollar in Goldstaub, den er bei sich gehabt, abgenommen.

„Neunzehn Tausend Dollar?“ schrie einer der Spieler — „Donnerwetter Mensch, das ist ein Heidengeld — und das haben die braunen Schufte dort?“ —

„All — All“ — kreischte der Indianer wieder und warf sich heulend dem Spieler vor die Füße — „all — all — todt — todt - ich bin todt — ich bin verloren!“

„Bei Gott!“ schwur der eine Texaner, dabei fast wie unwillkürlich nach seiner Büchse greifend, die an dem Brunnen vor dem Zelte lehnte, — „wenn die Canaillen dem armen Teufel Alles abgenommen haben, so sollte man das ihnen doch nicht so ruhig hingehen lassen. Sie werden so immer dreister. Ich habe verdammte Lust einmal zu versuchen, ob ich nicht schneller laufen kann als sie — Hallo Ben, was meinst Du dazu?“

„Neunzehn Tausend Dollar!“ murmelte Ben, der Spieler, dem das Geld im Kopfe herumging, denn er wußte recht gut, daß es, wenn erst einmal in seinen Krallen, zu seinem rechtmäßigen Eigenthümer schwerlich wieder zurückkehren würde. „Der Schuft, der neunzehn Tausend Dollar in Gold schleppt, kann auch nicht so rasch laufen als die Uebrigen — hol’s der Teufel, ich gehe mit — wo ist meine Büchse Rogers?“ —

„Hilfe, Hilfe!“ schrie der Ostindier dazwischen, dessen dunkle Augen indeß blitzesschnell von einem zum andern der Sprecher gezuckt waren — „all, — all — I am lost.“

„Neunzehn Tausend Dollar haben sie dem Schwarzen gestohlen?“ frug ein anderer Amerikaner, ein Arkansas-Mann, der am nächsten Zelte gestanden und den Lärmen gehört hatte — „ei, da soll ja die Pest die diebische Rotte holen — wer geht mit?!“