Am 2. Juli befand sich Douglas-Flat aber gerade in seiner Glanzperiode, d. h. die ersten Gerüchte von, bis jetzt durch ein paar Mexikaner entdeckten, und bis dahin geheim gehaltenen Reichthümern waren eben nach Murphys Diggings gedrungen, und in wenigen Tagen standen schon dort, außer den zahlreichen kleinen Leinwand- und Buschhütten der Goldwäscher selber, drei größere „Store“-Zelte, nicht allein mit Mehl, Fleisch, Zucker und Salz, sondern auch mit Luxusartikeln der Minen, mit Zwiebeln, Kartoffeln, „Pickles,“ in Oel eingesetzte Sardines, Butter, Essig und vor allen Dingen mit Brandy, Genevre, Rum und Wein reichlich und vollauf versehen. Es war eine Pracht, die bunt geschmückten Schenktische nur anzuschauen. Wo aber das Aas ist sammeln sich die Adler, und kaum verbreitet sich das Gerücht neu entdeckter Minen — ob nun gegründet oder ungegründet — so kann man auch sicher darauf rechnen, auf halb todt gehetzten Thieren ein paar Exemplare von dem „Fluch Californiens“ — ein Paar Spieler ansprengen zu sehen, die ihre bunte Californische Serape als Teppich auf einen der Tische eines Schenkzeltes breiten, zur Lockspeise ein paar hundert spanische Dollar d’rauf häufen, und nun geduldig der Dinge harren, die da kommen sollen.
In ein solches Zelt mag mir der Leser jetzt auch einen Augenblick folgen, denn es ist, wenn auch schon ziemlich spät am Nachmittag, heiß, und ich glaube selber nicht daß uns ein Glas Wein und Wasser schaden wird.
„Hol’s der Teufel, Rogers, Euer Wein ist sauer!“ rief der eine Spieler, der sich eben ein Glas gefüllt und es hinuntergestürzt hatte — „das ist Essig — verdammt will ich sein, wenn Ihr Euch nicht vergriffen habt — gebt einmal die andere Flasche dort her!“
„Sauer?“ wiederholte der Wirth ungläubig und versuchte sein Getränk selber mit prüfender Lippe, während er dabei leise vor sich hinlächelnd in das schauerlich verzogene Gesicht des „Gamblers“ schaute — „sauer? — der soll sauer sein? — da weiß ich denn doch wahrhaftig nicht, was Ihr vom Weine verlangen wollt — natürlich Syrup ist’s nicht.“
„Nein, bei Gott nicht,“ bestätigte ein anderer — „ich hätte auch schon lange d’rüber geschimpft, wenn er mir nicht die ganze Kehle wie einen Geldbeutel zugeschnürt hätte.“
„Dann hat mich der verwünschte Franzose damit angeschmiert,“ entgegnete der Wirth mit einem derben Fluche — „ich weiß überhaupt nicht, weshalb wir sie hier noch ihr Wesen in den Minen treiben lassen. Zu Hunderten kommen sie angeströmt, und ob Einer von den Hallunken wohl etwas von einem Amerikaner kaufte, — Gott bewahre, und wenn der ihm dicht auf der Nase sitzt, läuft das französische Gesindel doch lieber fünf Meilen, um nur irgend einem Landsmanne die paar Bit zuzutragen. Man hat keinen Nutzen, nur Schaden von den Parlevuß.“
„Ich wollte überhaupt wir Amerikaner hielten einmal ordentlich zusammen,“ meinte da ein langer Texaner, der sich phlegmatisch auf einen der Tische hinflegelte, „und trieben die ganze Fremdenbande zum Teufel — Franzosen, Mexikaner, Deutsche und wie sie alle heißen — sie gehören nicht in’s Land, und wenn alle Amerikaner dächten wie ich, wären sie lange draußen.“
„Wenns mit dem Munde abgethan wäre,“ entgegnete ruhig ein Franzose, der gerade eingetreten war, sein Gold — ein paar Unzen — an der Bar wiegen zu lassen.
„Hallo,“ sagte der Texaner, hob, ohne seine bequeme Stellung zu verändern, den Kopf etwas in die Höh’ und sah den Sprecher erstaunt an — „habt Ihr gesprochen?“ — der würdigte ihn aber keiner Antwort weiter, wog sein Gold und verließ das Zelt.
„So, das ist recht,“ brummte Rogers — „läßt sein Gold wiegen, trinkt nicht einmal ein Glas und ist dann auch noch obendrein prutzig — hol Euch Alle der“ —