Wenn jedoch der Landrath die Unordnung nicht zu dämpfen verstand, so wußte er das mit dem Feuer desto geschickter anzufangen. Das war zu einem kleinen Punct zusammengebrannt, um den sich die Debattirenden, da die Nacht hier oben sehr kühl war, dicht hinangedrängt hatten, und dahinein wußte der Landrath den Eimer Wasser, den er selber am Abend zum morgenden Kaffee aus dem Bach heraufgeholt hatte, so geschickt zu opfern, daß im Nu auch keine Spur von einer glühenden Kohle mehr zu sehen war.

Die Beiden wollten sich nun dadurch allerdings nicht vertreiben lassen, und setzten ihren Wortstreit im Dunkeln fort, aber der animus fehlte, und eine halbe Stunde später war Alles, unter manchem leise gemurmelten „Gott sei Dank“ todtenstill.

Nur die Cayotas — die kleinen Wölfe oder wilden Hunde fingen an zu heulen, und hie und da schrie eine Eule ihr monotones Nachtlied darein.

Als Meier am andern Morgen meinte, die Nacht habe es so sonderbar in den Bäumen gerauscht, sagte der Landrath, „das wäre gar kein Wunder, denn sein Rausch allein, den er ausgeschlafen hätte, müßte einen Mordspectakel gemacht haben.“

Mit der Morgendämmerung kam aber auch wieder ein anderes frisches Leben in die Schläfer — die Einzelnen welche „die Woche“ hatten, standen auf und bereiteten das Frühstück, weckten dann die Uebrigen, und eine Stunde später wanderten die verschiedenen Parthieen mit ihren Pfannen und Wassereimern, denn das Werkzeug lag meistentheils noch unten an den Plätzen, wo sie am Sonnabend Abend aufgehört hatten zu arbeiten, den verschiedenen Stellen zu, an denen sie in dieser Woche ihr Glück versuchen wollten.

Gleich darauf fingen die Maschinen unten in der Schlucht an zu klappern, die Axt räumte Bäume und Wurzeln aus dem Wege, die Spitzhacke trieb mit kräftigen Schlägen in den harten Boden hinein, und das Arbeitsleben der Miner hatte wieder begonnen.

Die Mission Dolores bei San Francisco.

Wenn man in früherer Zeit die Geschichte irgend eines Ortes schrieb, den man vor ein oder zwei Jahren besucht hatte, so sagte man gewöhnlich „dort ist es so, und so, und so; die Gebäude sehen so aus, die Straße führt dorthin, es ist auch ein gutes Wirthshaus da und heißt so und so.“ — Das mochte für die Welt im Allgemeinen passen. Wenn man aber eine solche Beschreibung jetzt von einem californischen Orte machen wollte, schriebe man lauter Lügen. Es ist so, kann man von irgend einem Gebäude oder einer Straße in und um San Francisco z. B. nur sagen, wenn man wirklich davor steht, und mit seinen eignen Augen sieht, daß es wirklich so ist; biegt man aber um die nächste Ecke und will ganz gewissenhaft zu Werke gehen, so kann man in der That nicht mehr thun, als behaupten, es war so, denn kein Mensch kann bestimmen, ob nicht selbst in der Zeit schon ein Nachbar angefangen hatte, daneben zu bauen, ob die Straße nicht aufgerissen wurde, oder ein Haus weggefahren, oder sonst irgend eine andere entsetzliche Veränderung mit dem Platz im Handumdrehen vorgenommen sei.