Der Stier selber stutzte aber jetzt über die Ruhe des Feindes, der ihm trotzig und lachend gegenüberstand, und wühlte den Staub auf mit Vorderhuf und Horn, in grimmer, machtloser Wuth.

„Mira aqui compañero,“ lachte da der Indianer und schritt auf den jetzt trotzig und erstaunt und nur zum neuen Angriff Zurückweichenden zu — mira aqui — „sieh’ die prächtigen Dollar!“ und eine Handvoll herausgreifend, begann er sie vor dem wüthenden Thier in den Sand zu zählen.

„Eins, — zwei, drei, vier — halt amigo, nicht so hitzig, oder ich verzähle mich — fünf, sechs, sieben, acht — was für großmüthige Gönner, — neun, zehn, elf — zwölf, dreizehn — oh, der Teufel!“ und mit dem lachenden Ausruf war er genöthigt den Hut fortzuwerfen, den der wüthende Stier unter die Hufe trat, und auf Flucht zu denken, denn die scharfen Hörner des Feindes drohten ihm in wohlgemeinten Stößen Verderben. Valentin wich ihnen aber in tollkühnem Muthe nur eben weit genug aus, nicht berührt zu werden, und den Hut aufgreifend, kehrte er schon wieder zu seiner alten Beschäftigung zurück, als der gereizte Stier noch schnaubend die Arena durchrannte, ihn zu finden.

Wieder begann er jetzt sein Zählen, dicht vor den Hörnern des Wüthenden, bald hier, bald dort hinüberspringend, wie ihn der Angriff zwang, aber stets die Gefahr durch eine anscheinend nur unbedeutende Bewegung des Körpers, der er noch dazu den Ausdruck des Tanzes gab, vermeidend, daß immer neuer Jubelruf die Luft erfüllte, und mancher Dollar noch zu ihm hinüberflog. So ermüdete er zuletzt den Gegner, daß dieser mit dumpfem Brüllen stehen blieb und es ruhig geschehen ließ, wie ihn das schwache Menschenkind vor seinen Augen verhöhnte. Und der Indianer sang und tanzte, und zählte die Dollar in den Sand und lachte und schrie dazu, und trieb die wunderlichsten Streiche, die der Stier nur manchmal mit einem neuen Angriff auf Secunden unterbrechen konnte.

Die mexikanischen Preiskämpfer waren indessen nur mit eifersüchtigem, wenn auch machtlosem Grimm Zeugen des Triumphs der Rothhaut gewesen, und Einer von ihnen sprang jetzt ebenfalls in die Arena, rief dem Indianer zu, sein Geld zusammenzulesen und stellte sich selber, den Kampf wieder zu beginnen.

Sein Empfang war gerade nicht ermuthigend, denn Zischen und Pfeifen begrüßte ihn, wie er nur den Sand berührte; der Stier aber, der hier einen neuen Gegenstand sah, an dem er seinen Grimm auslassen konnte, wandte sich von seinem alten Feinde ab und warf sich dem Neugekommenen wild entgegen.

Dieser, der beste seiner ganzen Gesellschaft vielleicht, empfing ihn ruhig und sprang ihm, seine Stirn selbst mit dem Fuß berührend, leicht über den Kopf. Dadurch gewann er sich wieder das Vertrauen der leicht bewegten Masse, und einzelne Beifallsbezeugungen, besonders von manchem seiner Landsleute, munterten ihn zu weiteren Versuchen auf.

„Bueno, compañero!“ rief Valentin, der indessen, die langen Haare aus seiner Stirn werfend, Zeuge der That gewesen war, aber keineswegs gesonnen schien, sich den Lorbeer des Tages so leicht entreißen lassen. „Bueno, aber das war Spaß, sieh’ hier!“ und mit den Worten stellte er sich dem wieder gegen ihn anstürmenden Thiere ruhig entgegen, und als es die Hörner niederbog, war er mit einem Satz, den Körper zugleich dabei herumschnellend, daß er mit dem Gesicht nach vorn saß, auf dem Rücken des wild dahinstürmenden Thieres, auf dem er sich über eine Minute lang, bei einem vollen Beifallssturm und trotz der wüthenden Anstrengungen desselben behauptete.

Der Mexikaner wurde todtenbleich vor Wuth.