„Das ist Nichts!“ schrie er mit wildem Lachen, und als sich der Stier, der sich des Reiters nicht entledigen konnte, bis dieser selber von ihm absprang, jetzt gegen ihn wandte, suchte er mit gleichem Sprung dem tollkühnen Wagen der Rothhaut gleichzukommen. Wuth und Aerger aber nahmen ihm vielleicht das kalte Blut, dessen er zu solchem Kampf bedurfte. Er überschätzte den Sprung, mit dem er sich zu weit nach hinten warf, und der Stier fühlte kaum den Feind an sich niedergleiten als er sich wandte und den Gestürzten, ehe dieser im Stande war sich emporzurichten, mit den Hörnern faßte, und, als ob es ein Kind gewesen wäre, in die Luft schleuderte.

„Carambo!“ schrie der Indianer lachend, als das jetzt zu rasender Wuth getriebene Thier den stürzenden Körper wieder auf die Hörner fing und dann zu Boden trat. „Das ist den Spaß zu weit getrieben!“ und während drei der übrigen Kämpfer über die Barriere sprangen, ihrem Kameraden beizustehen, aber ehe Einer von ihnen den Stier erreichen konnte, warf sich ihm Valentin auf’s Neue entgegen, und diesmal, wie den Tod suchend, mitten zwischen seine Hörner hinein.

Der wilde Sohn dieser Berge wußte jedoch was er that, und während ein Angstschrei der Zuschauer die Luft erschütterte, sprang er, mit dem kurzen Stahl in der Rechten, von dem zusammengebrochenen todten Stier zurück, dem er die Rückensehne des Bugs mit sicherem Stoß durchschnitten. Und um die beiden Leichen tanzte der Wilde, unter dem Beifallssturm und Geldwerfen der Menge, den Fandango.

Gerichtsscene.

Stockton, am San Joaquin, ist nach San Francisco und Sacramentocity die bedeutendste Stadt Alta California’s, und rivalisirt besonders mit Sacramento. In letzter Zeit hat sich auch sein Umfang sehr bedeutend vergrößert, der Handel ist blühend, und zweigt von dort überall in die südlichen Minen aus. Seit lange schon war es dabei der Sitz eines Districts Court, und Judge Reynolds präsidirte über diese als „Richter in Frieden und Unfrieden.“

Um diese Zeit, und zwar im Sommer des Jahres 1850 begab es sich, daß ein Deutscher Namens Kadisch, Waaren in die Minen zu versenden hatte, zu gleicher Zeit aber sein Aufenthalt in San Francisco zum Empfang anderer Güter nöthig war. Er accordirte also mit einem dort ansässigen Spanier, ihm die schon bereitliegenden Güter auf seinen eigenen (Kadisch) Maulthieren in die Minen zu schaffen, die Thiere dann wieder zurückzubringen, und, sollte Kadisch um diese Zeit noch nicht zurück sein, eine neue Ladung zu besorgen.

Das geschah; José der Spanier reiste mit den Gütern ab, holte aber weder neue Waaren ab, noch lieferte er selber die Thiere wieder aus, und gab, als ihn Kadisch später dafür zur Rede stellte, vor, sie seien ihm unterwegs gestohlen worden. Das war übrigens eine offenbare Lüge, denn in der nämlichen Zeit befand sich sogar ein Theil derselben Maulthiere in José’s Besitz in Stockton, und Kadisch hatte Zeugen genug, welche die Maulthiere kannten, und das Recht zu sehr auf seiner Seite, es dießmal nicht zu „riskiren“, Gerechtigkeit vor dem Richter zu suchen. Dennoch fühlte er sich nicht ganz sicher, ging aber doch zu Judge Reynolds, und brachte seine Sache vor.

Er fand den Richter in ziemlich guter Laune auf seinem Sopha liegend, ein Bein über der Lehne desselben, das andere auf einem davorgerückten Stuhl. Er that für diesen Augenblick eigentlich gar nichts, als daß er sich vielleicht seinen angenehmen Gedanken überließ, dabei wälzte er ein nicht unbedeutendes Priemchen Tabak im Munde herum, und drehte nur manchmal den Kopf nach der Kammerecke herum in ein dort stehendes, etwa fünf Schritt entferntes Spuckkästchen mit ungemeiner Fertigkeit den Tabakssaft hineinzusenden.

„Guten Morgen, Judge“ — sagte der Kläger, als er zu ihm in die Stube trat, und die Thür hinter sich zumachte.