„O Gott!“ stöhnte der Mann, und zum erstenmal brach eine Thräne aus seinen Augen.

Da trat plötzlich aus der Schaar der umstehenden Männer ein Franzose, ein schlanker Gesell mit gutmüthigem Gesicht und braunem Bart hervor. Er streckte die linke Hand gegen den Gefangenen aus und sagte mit herzlicher Stimme:

„Laßt den Mann gehen, Freunde. Der arme Teufel hat jetzt Angst genug ausgestanden, und die ganze Sache doch eigentlich keinenfalls so bös gemeint, den Tod zu verdienen. Laßt ihn gehen; er wird in Zukunft vorsichtiger sein, und mit seinem Tode wär’ doch nichts weiter gut gemacht.“

„Allerdings wird damit gut gemacht,“ riefen indessen einige Stimmen von verschiedenen Seiten her; „die Folgen seines Leichtsinns hätten zu furchtbar sein können, und deshalb verdient er die Strafe.“

„Ja,“ sagte der freiwillige Vertheidiger hier wieder mit ruhiger Stimme; „aber straft Ihr dadurch, daß Ihr ihn richtet, nicht seine unschuldige Frau und Kinder weit mehr als ihn?“

„Und haben wir nicht auch Frau und Kinder?“ riefen andere, aber schon ruhiger als vorher, „und war er nicht auf dem besten Weg unser aller Leben zu riskiren?“

Der Gefangene sagte kein Wort mehr, aber sein Auge fuhr mit neu auflebender Hoffnung im Kreise umher; er wagte kaum zu athmen. Hie und da wurden jetzt noch Einwürfe gegen eine Begnadigung gemacht; der erste Zorn war aber einmal gebrochen, der ersten Rachlust Genüge geschehen, und die in den meisten vorherrschende Gutmüthigkeit, die zwar in dem hitzigen Blut leicht einmal untergehen konnte, aber doch zuletzt immer wieder oben schwamm, siegte endlich. Die Wächter des Gefangenen selber schnitten seine Bande entzwei, und kaum fühlte er seine Arme frei, als er die Hände der ihm nächststehenden griff und sie drückte, und einzelne der wilden Gestalten sogar an die Brust zog, und im Uebermaaß seines Gefühls des neugeschenkten Lebens küßte.

Hiermit hatte aber auch die ganze Revolution ein Ende. Einzelne beschlossen zwar nun, da sie doch einmal so nahe bei Sonora wären, hineinzugehen und den Ort zu besuchen, jetzt in allerdings freundlicherer Absicht, als sie gestern Abend gedacht. Viele mochte auch wohl der Hunger hineintreiben. Die meisten schämten sich aber doch den Ort, wo sie auf so verzweifelte Art angekündigt waren, zu betreten, und entschlossen sich lieber mit leerem Magen den weiten Weg nach Murphys zurückzulegen. Dort mußte außerdem das Gerücht, daß alles Humbug gewesen, schon vor ihnen eingetroffen sein, und je stiller sie wieder in ihre alte Heimath einrückten, und mit je weniger Aufsehen, desto besser war es.

Sie machten sich also ohne weiteres auf den Rückweg, und kamen nach einem tüchtigen Marsch fast sämmtlich noch an dem nämlichen Abend, oder doch vor Tagesanbruch am nächsten Morgen wieder nach Murphys.

Die Franzosen sandten später den Amerikanern eine Art brieflicher Entschuldigung über ihr allerdings gegen die Gesetze der Vereinigten Staaten verstoßendes „bewaffnetes Ausrücken,“ und die Amerikaner hatten ein paar „Meetings,“ worin über diesen Gegenstand eine Masse von Anträgen gestellt und nicht ein einziger angenommen wurde. Dabei blieb es aber auch; später lachte man darüber, und der Zug selber erhielt den Namen der „französischen Revolution.“