Es war ein junges Mädchen von etwa siebzehn Jahren, jedenfalls südlicher Abkunft, mit dunklen rabenschwarzen Locken und eben solchen Augen, aber marmorbleichen und doch so zarten, fast durchsichtigen Zügen, die jetzt in der Erregung des Augenblicks, wie tief unter der Haut, von einem schwachen rothen Schimmer durchzogen wurden. Wie kam das arme Kind hier in diesen entsetzlichen Aufenthalt des Lasters? wie hatte sich die Nachtigall dazu hergeben können, ihren Ton zu leihen, die Beute in die Fänge der Eule zu locken? — Was hatte sie überhaupt an diese wilden, ungastlichen Ufer getrieben, wo die Gier nach Gold jedes edle Gefühl, jede zarte Sitte und stille Weiblichkeit unter die Füße trat? — Ein Lockvogel in einem Spielhaus — trauriges, trauriges Brod, das sie vielleicht mit ihren Thränen netzte. Oder wäre auch dieses junge Herz schon verdorben gewesen von dem Gifthauch des El Dorado? Das seelenvolle, unschuldige Auge strafte den Verdacht Lügen, und die milden schwellenden Töne des Instruments klangen doch wieder wie wehzerrissene Klagen schuldiger Brust.
„Verdammt feines Mädchen das da oben,“ — sagte ein Miner zum Andern, mit dem er unter dem Orchester stand und hinaufschaute, „wollte ein Paar Pfund drum geben, wenn ich die mit oben in unserm Winterzelt hätte. Donnerwetter, wie die Jungens droben schauen würden, wenn ich solch einen Brodverzehrer mit hinaufbrächte.“
„Würde auch theuer zu kaufen sein,“ — meinte Anderer — „sie sieht stolz und vornehm aus, die ist Nichts für unsereins.“
„Bah,“ — sagte der Andere verächtlich — „Nichts für unsereins! weshalb? — mit Gold kauf’ ich Alles — möchte wissen, wo sie herkommt?“
„Aus dem alten Lande,“ — sagte ein Dritter, der das Gespräch überhört hatte, leise zu den beiden Minern, — „ist aber nicht zu bekommen. Das hat schon Mancher versucht. Dort steht ihr Alter.“
„Wo? — der da mit dem schwarzen abgetragenen Rock und den dunklen langen Haaren? — Das ist ein Spanier.“
„Ja wohl, und so stolz, als ob er der König selber wäre.“
„Aber er spielt hoch —“
„Beide,“ — lachte der Amerikaner — „die Eine da oben, der Andere hier unten, nur mit dem einen Unterschied, daß die Dirne dort der Brodverdiener ist, und der Alte hier das Geld allabendlich schon im Voraus verspielt, was sie da oben von den Spielern bekommt, um Grüne hereinzulocken.“
„Und wovon leben die Leute?“