Der Staatsanwalt nickte still vor sich hin – genau so, wie er erwartet. Bruno sah ihn an und seufzte:
»Die Damen haben recht,« sagte er; »ich hätte mir die Abweisung ersparen können. Aber Sie dürfen es mir nicht so übel nehmen, lieber Herr – man findet sich ja nicht so rasch in die neuen Verhältnisse.«
Witte war aufgestanden und lief einmal durch's Zimmer; jetzt blieb er vor Bruno stehen, streckte ihm die Hand entgegen und sagte herzlich:
»Wir bleiben Freunde – was auch kommen möge, und wenn Sie je im Leben Rath oder Hülfe brauchen, Baumann, so kommen Sie zu mir, und – Sie sollen Ihren Mann an mir finden....«
»Staatsanwalt Witte zu Hause?« hörten sie draußen eine Stimme – es war Fritz, der im nächsten Augenblick in der Thür stand. Als er Bruno bemerkte, streckte er ihm herzlich die Hand entgegen: »Ich habe mich lange danach gesehnt, Sie zu treffen, Bruno.«
»Auch ich freue mich,« sagte Bruno zurückhaltend, »um Ihnen meinen Dank für das – Geschehene auszusprechen, Herr Baron....«
»Herr Baron,« rief Fritz unwillig – »und das von Ihnen? Eben so gut wie es mir unmöglich ist, Sie mit dem Namen zu nennen, den ich so lange getragen habe, so wenig dürfen Sie sich dabei Gewalt anthun! Wir sind Leidensgefährten, alte, langjährige Leidensgefährten, die sich zum ersten Male im Leben in jener stürmischen Nacht im Parke von Wendelsheim begegneten und, selber willenlos, in fremde Bahnen geworfen wurden. Wie feindlich auch damals die Welt gegen uns auftrat – wir selber müssen Freunde bleiben, und dazu biete ich Ihnen die Hand. Aber dann auch kein Baron mehr, sondern Fritz und Bruno und ein herzliches Du, wie es solchen Unglücksbrüdern ziemt.«
Bruno preßte die ihm gereichte Hand herzlich, und der Staatsanwalt rief: »Aber er will das Geld nicht nehmen...«
»Kein Wort mehr darüber,« bat aber Bruno – »alles Andere nehme ich an, vor Allem am liebsten Deinen Brudergruß, Fritz, und damit Du siehst, daß ich auf Deine Liebe zähle, trete ich gleich vor Dich mit einer Bitte...«
»O wie gern wenn ich sie erfüllen kann!«